„O –!“ machte Falk.
Jetzt denkt er sicher, ich sei dumm, dachte Mely. Ich sehe es deutlich an seinem Lächeln. Bah, das macht ja nichts.
„Es ist komisch,“ meinte Helene, „wenn man so dasteht wie jetzt und man schaut hinaus, und es ist alles so ruhig, – da wünscht man sich doch etwas. Oder, – wie will ich sagen, man fühlt sich besser als in andern Stunden, nicht?“
Wenn sie so sprach, ernst und nachdenklich, berührte alles sympathisch an ihr. Man fühlte, daß es aufrichtig war, was sie sagte, und war ihr dankbar, daß sie dadurch das Innige der Stimmung vermehrte. Sie war klug.
„Das ist wahr,“ antwortete Falk. „Ihnen sieht man zum Beispiel an, was Sie wünschen.“
„Nun was – was?“ drängte sie ein wenig kokett und als sei sie überzeugt davon, daß niemand in ihr Innerstes einzudringen vermöge.
„Ich halte Sie für sehr ehrgeizig.“
„Das mag sein,“ bestätigte Helene geschmeichelt und blickte Falk dankbar an. „Ja, das bin ich auch,“ fuhr sie nach einer Pause eifrig fort. „Ich möchte etwas anderes als andere.“
„Und das wäre –?“
„Ich möchte vielleicht zu meinem Vater, – möchte ihm bei seinen Arbeiten behilflich sein, – Sie wissen ja, er ist Bildhauer, ich möchte vielleicht selbst – ach Gott, was möchte man denn nicht!“ brach sie ab, die Worte fast singend. Es schien, als bereue sie, so offen gewesen zu sein. Aber immer noch lag diese Dankbarkeit gegen Falk in ihrem Gesicht, als hätte er bewiesen, daß er ihre Natur richtig beurteile, und als hätte er durch diese harmlose Äußerung ungewöhnlichen Scharfsinn verraten. „So viel möchte man, so viel!“ wiederholte sie, halb sehnsüchtig, halb ironisch.