„Nein; fürchten nicht. Aber sie ist vom Schrank gesprungen und hat meine Hand gestreift. Und wenn ich eine Katze berühre, das macht mich ganz krank.“

„Da werden Sie nie einen Mann bekommen.“

„Das mag wohl sein,“ gab Mely nachdenklich zurück. Und sie sah ihn wieder mit diesem fremden und zugleich vertrauensvollen, hingebenden Blick an. Es lag dabei wie ein Geheimnis in ihren Augen, den verschleierten.

Sie kniete am Küchenschrank nieder, um die Tassen herauszunehmen. Sie that es langsam, in großen Pausen. Von der Kammer nebenan hörten sie das schlafende Dienstmädchen schnarchen.

„Aber jetzt müssen Sie es sagen. Worüber haben Sie sich geärgert?“ Falk beugte sich ganz zu ihr nieder.

„Es ist dumm, es ist wirklich dumm,“ erwiderte Mely. „Nein, nein,“ beharrte sie bei seinem Drängen, „es ist zu dumm.“ Er hörte auf, sie zu bestürmen und darüber war sie unzufrieden, so daß sie es jetzt aus freien Stücken bekannte. Sie senkte den Kopf noch tiefer und flüsterte: „Ich habe mich geärgert, weil Sie mich weinen gesehen haben.“

Er sagte nichts darauf, aber für einige Sekunden schloß er die Augen. Seltsam, selbst mit geschlossenen Augen sah er sie vor sich knieen. Es drängte ihn, ihren Hals zu umfassen, um sie zu küssen, aber nur auf das Haar. Warum kniet sie so lange? grübelte er. O, sie ist ein Rätsel für mich.

Noch über eine Stunde blieben sie im Zimmer bei einander sitzen und Falk erzählte den beiden Mädchen lächelnd die Geschichte vom großen Klaus und vom kleinen Klaus. Es war schon Mitternacht, als sie zu Bett gingen. Helene war so schläfrig geworden, daß sie die beiden nicht einmal hinausbegleitete.

Vor Melys Schlafzimmerthüre blieben sie stehen. Ohne zu sprechen blickten sie sich fassungslos an. Dann ergriff Falk Melys Hand und zog sie an seine Lippen. Sie wehrte sich ungestüm. „Nicht – bitte, bitte, – nicht das!“ –

Es war ein aufrichtiger Laut des Jammers. Er aber küßte die Hand.