Die Erdmann bog sich ganz zu Falk hinüber. „Ich will meine Frage einschränken,“ flüsterte sie. „Sagen Sie: sind Sie verliebt, sind Sie verliebt?“ Es war ihre Gewohnheit, jede Frage oder jeden Ausruf zu wiederholen. Sie war jetzt erregt, und ihre Augen funkelten.

Falk errötete und lächelte kindisch. „Ich bitte Sie, Fräulein,“ stammelte er. Seine Augen blitzten zornig.

„Nein, diese Jugend!“ gellte die Dame spöttisch und schleuderte die geballte Serviette über den Tisch. Es entstand ein langes Schweigen.

„Merkwürdig,“ sagte Falk; „wenn solche Verlegenheitspausen eintreten, bin ich nie derjenige, der sie unterbricht.“

Das Fräulein starrte ihn verblüfft an und bemühte sich, geheimnisvoll zu lächeln.

Als Falk allein war, befand er sich in einer Stimmung, in der ihn jedes Geräusch schmerzte. Wenn streitende Stimmen oder Gelächter von der Straße erschallten, schreckte er zusammen. Wenn ein Hund bellte oder ein Lastwagen rasselte, so versetzte ihn das in unbegreifliche Erregung. Besonders das Hundegebell nahm gar kein Ende.

Es dunkelte, als er, von der Stadt zurückkommend, Mely im Korridor traf. Sie stand vor dem Spiegel und richtete das Haar. Sie trug den grüngrauen, großgeblümten Schlafrock, der ihr Gesicht noch bleicher erscheinen ließ. Es war, als wünsche sie mit diesem Kostüm zu sagen, daß es ihr gleichgültig sei, ob sie den Leuten gefalle oder nicht.

„Ich mache Kaffee, Fräulein Mely,“ sagte Falk. „Wollen Sie mittrinken? In meinem Zimmer natürlich. Wir laden auch Frau Bender und Helene dazu ein.“

Mely, die zuerst gezögert hatte, war jetzt freudig dabei. Falk ließ das Zimmer heizen und stellte einen Topf Wasser auf den Spiritusapparat. Als er nach einiger Zeit ins Wohnzimmer trat, saßen Mely und Frau Bender dicht bei einander, und Frau Bender weinte. Sie sah dabei scheu nach ihm, und er hatte das Gefühl, als ob man soeben von ihm gesprochen hätte. Mely stützte den Kopf in beide Hände und sah unbeweglich auf die Tischplatte. Falk rührte sich nicht mehr von der Stelle. Indem er das junge Mädchen ansah, ohne mit den Lidern zu zucken, stieg Zweifel auf Zweifel in ihm auf. Woran er zweifelte, das wußte er nicht. Es war der dunkle Ingrimm eines Menschen, der betrogen zu werden fürchtet, während er bereit ist, sich hinzugeben mit ganzer Seele.

Er sagte nichts, sondern ging, nachdem er sich etwas erstaunt geräuspert hatte, in sein Zimmer zurück und zündete die Lampe an. Bald darauf kam Mely. Sie sah bestürzt aus, und als bereue sie ihre Zusage, blieb sie unentschlossen an der Thüre stehen. Falk, gleichfalls befangen, schob einen Fauteuil zum Ofen und lud sie mit einer Handbewegung zum Sitzen ein. „Helene kommt gleich,“ sagte Mely, gleichsam sich selbst entschuldigend. „Frau Bender hat zu viel Arbeit.“