„Warum hat denn Frau Bender geweint?“ fragte Falk, mehr um ein Gespräch anzuknüpfen, als aus Neugierde.
Das junge Mädchen lächelte schwermütig und schüchtern. Ihr Blick, sonst ein wenig unstät, war plötzlich sanft und ruhig geworden. „Ich weiß das wirklich nicht,“ sagte sie, und Falk bemerkte, wie sie immer noch erstaunt war über das Benehmen dieser Frau. „Sie sagte, – doch wie kann ich Ihnen das erzählen!“
„O bitte –!“
„Nun gut. Sie lobte Sie, – Sie seien so gescheit und so ein herzlicher Mensch – diesen Ausdruck gebrauchte sie – und ich möchte doch ein wenig lieb zu Ihnen sein. Später bereuen Sie es sonst, sagte sie zu mir. Gar gern läuft das Glück vorbei, auf Nimmersehen. Ja, und auf einmal brach sie in Thränen aus.“
Falk erwiderte nichts darauf. Er blickte an Mely vorbei, aber er sah doch, daß ihr Gesicht rot war; nur konnte er nicht unterscheiden, ob es der Widerschein des roten Lampenschirms oder natürliche Färbung war. Eine schwüle Dämmerung herrschte in dem kleinen Gemach und es war sehr still. Am Kaffeekessel zuckten die blauen Spiritusflämmchen und schlugen manchmal gleich Wellen empor. Das Wasser begann zu sprudeln, und Falk ging, um die Flamme zu löschen. Er verrichtete diese Dinge mit ironischer Wichtigkeit. In seinem Innern hatten sich, während er jetzt den Kaffee bereitete, alle trüben Stimmungen geklärt; sie waren zerflattert. Er war Mely dankbar, – doch weshalb? Vielleicht für ihre Offenheit. Denn ein Geständnis lag in dem, was sie ihm mitgeteilt; daran zweifelte er nicht.
Als Helene eintrat, knixte sie spöttisch, nahm Platz und sah mit wohlwollendem Ernst umher. „Hübsch – stimmungsvoll!“ sagte sie und plötzlich lachte sie in ihrer hölzernen Art. „Nein, – wie Sie dastehen und kochen!“ rief sie und schlug die Hände zusammen. Diese Lustigkeit hatte bei ihr stets etwas Unglaubwürdiges.
Gar bald dampfte der wohlriechende Kaffee aus den Tassen.
„Wie wir jetzt beisammen sitzen, – das ist komisch,“ meinte Helene. „Gerade, als ob wir uns schon ewig kennen würden. Wenn jetzt wer Fremdes käme und zusähe, – er müßte uns für Geschwister halten, – oder so was Ähnliches,“ fügte sie hinzu, wieder spöttisch werdend. „Derweil ist der eine aus Norden, der andere aus Süden und der dritte vielleicht aus der Hölle.“
„Ich bin doch hoffentlich nicht der Dritte?“ fragte Falk unwirsch. „Was Sie da sagen, ist übrigens ganz gut. Aber seltsam, während Sie reden, habe ich immer das Gefühl, als dächten sie bei sich: ach was, die sind ja doch nicht wert, daß ich was Ordentliches rede.“
„Ja, – ja!“ bestätigte Mely eifrig.