„Ach, wir haben eben gestritten wie immer.“
„Und warum diese Angst vor ihm, diese mörderische Angst?“
„Er ist entsetzlich eifersüchtig. Wenn ich nicht thu, was er wünscht, läßt er mich im Stich. Und wenn er mich im Stich läßt, bin ich verloren.“
Leise, ganz leise regte sich das Mißtrauen aufs Neue in Falk. Aber dieses frische Mißtrauen war anderer Art. Es stützte sich auf Thatsachen, darauf, was sie selbst erzählte. Er hörte gar nicht auf, zu fragen, immer wollte er Einzelheiten wissen, und wo er einen Widerspruch vermutete, war seine Art zu fragen, ganz die eines Untersuchungsrichters, und sein Wesen war verstört und nervös. Tag um Tag hätte er ihre Vergangenheit kennen lernen mögen. Hundertmal fragte er nach denselben Dingen, und sie ermüdete nicht in der Beantwortung. Offenbar fand sie es gut und vernünftig, daß er alles zu wissen begehrte. Wenn sie so erzählte, arglos und heiter, herrschte stets ein bitterer Zwiespalt in seiner Seele. Er glaubte ihr und glaubte ihr nicht. Er sagte sich, es sei undenkbar, daß ein Mensch, und sei er der raffinirteste Heuchler, sich derart verstellen könnte, und andererseits folterte ihn das Abenteuerliche, Sprunghafte ihres Lebens und jene Verschlossenheit, die sich bisweilen an ihr kundgab, der rasche Wechsel ihrer Stimmungen, das oft Herausfordernde ja sogar Bösartige und Versteckte ihres Wesens. Besonders wurde er die Empfindung nicht los, daß alles, was sie berichtete, bis zu einem gewissen Punkte wahr sei. Von da an begann jedoch die Dunkelheit. Je mehr er sie liebte (und von Stunde zu Stunde nahm seine Liebe zu), je mehr zweifelte er an ihr. „O,“ sagte er im Verlauf der Nacht zu ihr, „ich möchte nur ein einziges Mal zusehen, wenn du mit Jenem allein bist. Nur fünf Minuten lang.“
Er blickte sie forschend an, aber sie lächelte. Es gibt kein Wort für die Art dieses Lächelns. Es war ein keusches Lächeln.
„Noch etwas muß ich dir gestehn,“ flüsterte sie bang. „Aber ich fürchte mich.“
Wie ein kalter Hauch überlief es Falk. Er fühlte, wie unwahr seine Versicherung gewesen sei, daß er ihr vertraue. „Was ist es? Sag es, sag es!“ murmelte er schnell und ungeduldig.
„Aber du wirst böse sein.“
„Gewiß nicht, Schatz,“ beteuerte er, und küßte sie so heiß, als wisse er bestimmt, daß er sie nach ihrer Eröffnung nimmer küssen werde.
„Ich wag es nicht,“ flüsterte sie und schmiegte sich eng an ihn an. Ihr warmer Leib raubte ihm fast die Besinnung.