Niemals hörte er wieder von Melusine Mirbeth. Und niemals erzählte er von ihr. Langsam erlosch mit den Jahren die Liebe. Und sie wohnte noch in seinem Herzen, als er selten mehr ihrer gedachte. So frißt sich die Flamme noch im Innern eines abgebrannten Gebäudes fort, wenn die Mauern auch schon längst erkaltet sind.
Ob Mely ihrem Leben ein Ende gemacht, ob sie in den wechselvollen Stürmen des Lebens ein heimisches, schützendes Dach gefunden, er wußte es nicht. Aber er suchte es auch nicht zu erfahren. Er glich darin dem Mann, der mit einer langsam heilenden Wunde umhergeht und jede Berührung fürchtet.
Aber ist die Liebe eine Wunde? Oder was ist sie sonst? Wer kann es wissen. Wer kann ermessen, wie tief sie ist, wer kann begreifen, wie sie entsteht? Hier hat Gott eine große Mauer aufgerichtet.
Mancher glaubt, er hätte sich ein stilles Glück am Herd gesichert. Aber der rauhe Wind bläst durch den Schlot und fort ist es.
Juli – Oktober 1895.
Druck von Hesse & Becker in Leipzig
Anmerkungen zur Transkription: Dieses elektronische Buch wurde auf Grundlage der 1896 erschienenen Erstausgabe erstellt. Die nachfolgende Tabelle enthält eine Auflistung aller gegenüber dem Originaltext vorgenommenen Korrekturen.
Transcriber’s Notes: This ebook has been transcribed from the first print edition, published in 1896. The table below lists all corrections applied to the original text.
- [S. 10]: und hing hastig hinaus. → ging
- [S. 14]: [added comma] hat er es verlangt,“ flüsterte sie.
- [S. 23]: Schriftzügen Helenes beschrieben waren → war
- [S. 35]: Sie brauchen keine Augst zu haben → Angst
- [S. 42]: ihre brauneu Portieren → braunen
- [S. 44]: [added opening quotes] „O –!“ machte Falk.
- [S. 46]: [normalized] indem sie die Elbogen auf die Kniee stützte → Ellbogen
- [S. 47]: Und sie haben keine Eltern mehr? → Sie
- [S. 47]: [added missing quotes] „Meine Eltern ließen mich
- [S. 55]: veraten könnte → verraten
- [S. 57]: [added period] versteht er nicht viel.
- [S. 72]: [normalized] Den Elbogen hatte sie → Ellbogen
- [S. 73]: fiüsterte das junge Mädchen → flüsterte
- [S. 74]: [normalized] daß ihm der bloße Gedanke fantastisch → phantastisch
- [S. 79]: stets am Äquätor → Äquator
- [S. 81]: daß er sich noch darin erinnerte → daran
- [S. 83]: [normalized] diese Phantasie-Landschaft → Phantasielandschaft
- [S. 94]: [added quotes] „Ich glaube, das kann man nie
- [S. 95]: Seitenzimmerchen des „Macro Polo“ → Marco
- [S. 96]: [normalized] um die Ecke der Maffeïstraße → Maffeistraße
- [S. 103]: Nach dem Mitagessen → Mittagessen
- [S. 103]: die Rubenssche Amanzonenschlacht → Amazonenschlacht
- [S. 105]: Es enstand ein langes Schweigen → entstand
- [S. 110]: „Da haben Sie recht?“ erwiderte er → recht,“ erwiderte
- [S. 112]: [added missing quotes] das dürfen Sie mir glauben.“
- [S. 117]: ein Leuchten aufrichtigter Freude → aufrichtiger
- [S. 117]: diese feindseilige Stimmung → feindselige
- [S. 121]: die an der Straßen liegen → Straße
- [S. 140]: [removed extra quotes] mit unterdrücktem Händeringen.“
- [S. 141]: O warum bin ich mit gegangen → mitgegangen
- [S. 142]: Ein Totenblässe überzog ihr Gesicht → Eine
- [S. 157]: [added missing quotes] als er mir erlaubt.“
- [S. 157]: [added comma] stammelte sie, ihr erglühendes Gesicht
- [S. 162]: [normalized] den einen Elbogen auf das Knie gestützt → Ellbogen
- [S. 173]: Ich liebe nur einen Mann, denn ich → den
- [S. 179]: [added missing quotes] dieses Geschwätz!“ rief Mely
- [S. 186]: Sie haben mir durch Helene wissen lassen → mich
- [S. 192]: [added comma] als er sich zum Fenster hinausbeugte, saßen sie
- [S. 196]: Meine Kraft ist anfgelöst → aufgelöst
- [S. 201]: [added missing quotes] für eine Bewandtnis mit dem Ding?“
- [S. 204]: Ich war ganz alleim im Hause → allein
- [S. 212]: [added comma] eine so große Zerstreutheit, einen finstern
- [S. 219]: Sie beobachtete auch, daß Helene