So verging die Zeit.
Dann nahte sich ihm Mely und kniete bei ihm nieder. Sie schlang die Arme um seinen Hals und suchte mit den Lippen seinen Mund. Aber er schob sie weg. Und nur wenige Schritte vor ihm blieb sie dann auf den Knieen liegen. Das Feuer war schon zur Glut geworden. Falk sah in den Kohlen die gestaltgewordenen Träume seiner Vergangenheit. Wiederum stand das lockende Schloß im Schwarzwald da mit seinen Parktannen. Festungsartige Zinken thronten an seinem First und darauf stand ein Wächter und blies das Horn. Dieser Wächter hatte die Gabe, zu weissagen und in die Zukunft zu sehen, ja er sah in ferne Jahrhunderte hinein und erblickte den Fall der Nationen und die Geburt eines neuen Heilands. Er sah die Sterne rollen in ihrer Bahn und die Kometen zu den Tiefen der Unermeßlichkeit ziehen und er lachte über die Kleinheit der menschlichen Schmerzen. Er griff an den Himmel und steckte sich den Sirius als Orden an die Brust und mit den Plejaden spielte er, wie ein Akrobat mit seinen Bällen.
Felsmassen lagen in der Glut und Gemsen sprangen darüber hinweg. Dann erschien plötzlich ein Berggeist in einer Mönchskutte und kündigte den Untergang dieser glühenden Kohlenwelt an.
Es war tiefe, stille Nacht, als Falk den regungslos knieenden Körper des jungen Mädchens vom Boden erhob. Ihre Hände waren eiskalt. „Wie hab ich dich geliebt,“ flüsterte er und streichelte ihre Wangen.
Ihr Haupt fiel auf seine Schulter. Und sie umarmten sich immer fester und dann fanden sich die Lippen zum Kuß. Ein seltsamer Frieden zog in Melys Herz und wie mit einem undurchsichtigen Schleier war all das Vergangene verhängt. Er zog sie zur Ottomane und drückte sie darauf nieder. Dann legte er sich neben sie und schloß sie weinend in die Arme.
In dieser Nacht empfing er von ihr den letzten Zoll der Liebe. Der junge Tag beschien mit seinem blassen Licht die beiden Schläfer, die bisweilen im Schlafe seufzten, wie Kinder, wenn sie lange geweint haben.
Als Mely am Vormittag ging, reichte sie ihm stumm die Hand. Sie sah zu Boden und lächelte verstört. Dies verstörte Lächeln war ihm wohl bekannt aus vergangenen Tagen. „Auf Wiedersehen,“ sagte sie.
Schluß.
Aber es gab kein Wiedersehen für sie, das wußten sie Beide. –
In anderthalb Jahren hatte Falk sein Vermögen von zweimalhunderttausend Mark verpraßt. Dann heiratete er die Tochter eines jüdischen Bankiers und gründete sich eine Landpraxis im Osten Bayerns.