»Ich weiß, was ich sehe,« versetzte er kurz.

»Hast du mich deshalb von der Arbeit wegrufen lassen, um mir Vorwürfe zu machen?« fuhr sie fort. »So will ich dir sagen, daß du dazu kein Recht hast und daß ich dir das Recht auch nicht einräume. Du bist nicht Herr über mich. Du bist es kaum über dich. Was willst du?«

Sie schaute ihn an, und er fühlte sich ganz in ihrem Auge drinnen; es umgab ihn förmlich, und er war klein, wie er nie gewesen, vor ihr nicht und vor keinem. Er begriff, daß sie einen weiten Weg zurückgelegt hatte, seit er zuletzt vertraut mit ihr gesprochen, und daß sie seine Führung nicht mehr annahm und nicht mehr brauchte.

»Ich habe zu tun,« sagte sie, »ich komme wieder, sobald ich mich für eine halbe Stunde freimachen kann. Es müssen Baracken gebaut werden, und dazu ist deine schriftliche Zustimmung nötig.«

»Baracken? In meinem Park?«

»Ja, an der Südseite des Hauses.«

Er brauste auf. »Ah, freilich; da sollen wohl meine Kastanien gefällt werden! Hundertjährige Bäume!«

»Allerdings,« erwiderte Olivia ruhig. »Bäume,« fügte sie mit einer Gebärde trauriger und ungeduldiger Verachtung hinzu, »Bäume!«

Sie hatte schon die Klinke in der Hand, da kehrte sie sich noch einmal um. »Bleibst du hier im Hause, Robert? Du kannst bleiben. Du kannst aus unserer Küche zu essen bekommen. Gerold soll mich benachrichtigen, wenn du dich entschlossen hast. Der Mann ist übrigens zum Säufer geworden. Vor ein paar Tagen fand ihn Schwester Nina Senoner betrunken auf der Treppe liegen. Versuch’ es, ihn von dem Laster abzubringen. Doktor Strygowski sagt, er leidet am Blutwahn.«

Sie ging. Das Wort Blutwahn, das sie so gelassen ausgesprochen hatte, rauschte noch durch das Zimmer wie ein beflügeltes Untier. Lamm machte einige Schritte, als wolle er ihr folgen, als müsse er noch einen Blick in ihr Gesicht werfen, nur um glauben zu können, daß sie es war, sie selbst, und nicht eine Doppelgängerin.