»Diese Paradoxie ist mir bekannt,« entgegnete der Arzt; »ich kenne dieses Leiden.« Er blickte traurig zu Boden.

In diesem Augenblick vernahmen sie ein seltsames, eintöniges Plärren, ein singsangähnliches Heulen wie von einem Hund. Der Hofrat ging zur Tür und lauschte. Dann öffnete er die Türe, schritt durch den kleinen Vorraum und die Treppe hinunter.

Doktor Strygowski folgte ihm.

Auf der untersten Treppenstufe saß zusammengekauert ein Mensch. Erst als er ihm nahe war, erkannte Lamm seinen Diener Gerold. Er war es, der wie ein Idiot halblaut vor sich hinheulte und dabei mit dem Oberkörper schaukelte. »Was treibst du da?« herrschte ihn Lamm an.

»Herr Hofrat, ich find’ im ganzen Haus kein Plätzchen, wo es still ist,« flüsterte der Diener. Er schaute empor; sein Kopf sah aus wie geschwollen.

»Geh auf der Stelle in deine Kammer und in dein Bett,« befahl Lamm.

Gerold erhob sich schwerfällig und wankte über die Stiege. »Kann aber nicht schlafen, Herr Hofrat,« klagte er.

Lamm schüttelte sich ein wenig. Er machte Miene, wieder in seine Stube zu gehen, aber Doktor Strygowskis Blick war jetzt so forschend, so sonderbar auffordernd auf ihn gerichtet, daß er mit einer unbehaglichen Empfindung von Wehrlosigkeit umkehrte und hinter dem Arzt in das große Zimmer ging, das vormals seine Bibliothek gewesen war. Die Lichter waren ausgelöscht bis auf eines, das neben der Tür brannte und durch ein grünes Tuch abgedämpft war. Nur in den zunächst stehenden Betten konnte man die Gesichter sehen. Sie hatten einen fahlen Schein. Einige Verwundete wachten und hoben von Zeit zu Zeit den Kopf; dabei glänzten die Augen heiß, und wenn sie den Kopf zurücksinken ließen, ächzten sie.

Doktor Strygowski zog Lamm in den Schatten und raunte ihm zu: »Sie muß gleich kommen; hier war sie noch nicht, denn die Schwester dort drüben ist eingenickt.«

Er hatte kaum ausgeredet, da trat im Hintergrund eine Gestalt durch die Türe. Es war Olivia.