Pavillon in Bank-Pa-In. Sommerpalais des Königs.

 Nach Besichtigung der PrivatgemächerSeiner Majestät, die in ziemlich zweifelhaftemGeschmacke mit Pariser und deutschen Möbelngefüllt sind, dampfen wir weiter nordwärts,den nun bedeutend engeren Menamhinan. – Am linken Ufer werden einige alteTempel besichtigt, darunter einer mit einemriesigen Buddha, vor welchem unser Kochrasch einige Feuerwerke abbrennt und dasOrakel um das Befinden seiner Familie befragt.– Um Mittag Ankunft in Ayuthia –ein verfallenes Bangkok, die Häuser verschwindenfast unter Bäumen, die Canälesind ganz überdacht von der üppigen Vegetation,– an der Landungsbrücke wartet derGouverneur, ein Schwager Phya Smuds,Phya Chaivechit, ein kleiner, gutmüthiger,runder Kerl, der in seiner Amtswohnung einopulentes Tiffin servirt, – das Menü ist reinsiamesisch, und sind einige der Speisen, besondersdie Süssigkeiten, ganz vortrefflich.– Auf einer Anzahl kleiner stämmigerPonnies (das des Chefs ist ganz mit silbernenZieraten behängt) galoppiren wir mit grosserEscorte zur alten Stadt, wobei verschiedenekomische Zwischenfälle laute Heiterkeit erregen,darunter besonders die ReiterkünstePoche's, welcher wiederholt zu Boden fällt.Zuerst wird sein Gaul durch einen grossenElephanten rebellisch, – dann will derselbeeine Stute bespringen, und unseres FreundesBemühungen sind ganz vergeblich! – Stundenlangdehnen sich die von den üppigstenPflanzen überwachsenen Ruinen aus –überall tauchen riesige Buddhastatuen ausBronze oder Stein aus dem Jungle auf. –Als vor hundert Jahren die Birmanen die damaligeHauptstadt Siams eroberten, muss dieZerstörung eine recht gründliche gewesensein. – Nach Ayuthia zurückgekehrt, besehenwir noch die modernen Königszimmer,lassen uns in der steinernen »Sala« aus silbernemGeschirre Betel und vortrefflichenThee serviren und dampfen gegen Abendnach Bank-Pa-In.
AYUTHIA
 Rührender Abschied von unseren zweiStraussen, vom schönen Gartenpavillon undder gothischen Kirche, – dann eine heisse,sehr heisse Fahrt nach Bangkok, – einigegeschossene Adler, am Boote aufgehängt,sind bereits nach einer halben Stunde vollerAmeisen. Der Sect und das Eis gehenaus, die Zungen hängen aus dem Munde, esist höchste Zeit, bei Sonnenuntergang wiederim »Oriental« einzutreffen, wo die MilitärcapelleWiener Walzer im Clubcampongaufspielt.

AYUTHIA WHAT TONG

Montag 14. Jänner.

 Die »Schwalbe« vom Norddeutschen Lloyd,das einzige gute Schiff, das uns hier mit derAussenwelt verbindet, ist gestern ausgelaufen,– wir müssen daher Mittwoch mit einemSchwesterboot der »Hecuba« absegeln: dasdürfte hübsch werden! Doch hat längeresVerweilen wenig Zweck: der König und derHof sind fort, Prinz Dewang könnte, so vielwir davon merken, auch verreist sein, Festlichkeitenwerden keine gegeben, Sehenswürdigkeitenhaben wir so ziemlich alle genossen;Phya Smud erzählt von Reisfeldernbei Paknam, wo allnächtlich Dutzende vonwilden Elephanten zur Tränke kommensollen, wir glauben ihm nicht – auch wäremangels an Shikarries eine Jagd sehr schwerdurchzuführen, da hier Niemand jagt, nichteinmal der König. – Verschiedene Schreibenans Auswärtige Amt, Spaziergänge durch dieBazars und Besuche füllen den Tag, – einlanger schmaler Weg, vom Palais (demKraton) auslaufend, zu beiden Seiten mitchinesischen Läden, die europäische Exportwaarescheusslicher Qualität zum Verkaufeanbieten, – zuweilen ein siamesisches Theehaus,wo ohrenzerreissende Musik die Passantenverscheucht. Dazu ein Gewühl vonhalb- und ganz nackten Leuten, an den Eckenviele Aussätzige mit ganz zerfressenen Gesichtern.– Angenehmer sind die schwimmendenVerkaufsläden; in einem solchen versehenwir uns mit Photographien, mit Palmenhüten,mit vergoldeten Buddhas, währendwir im eigentlichen Palaisviertel theils beieinem englischen Uhrmacher, theils bei einerchinesischen Pfandleihanstalt einige Silberschmucksachenund kleine Modelle von Häusernund Booten erschachern. Mittags werdenSapieha und ich durch einen alten birmanischenBonzen kunstgerecht tätowirt, – beideerhalten wir am rechten Arm den Ratschaschi,das räthselhafte Thier der siamesischen Urwälder,dessen Schrei noch kein Menschüberlebt hat, schön blau eingeritzt. – Alsich später von einem Besuche bei Kempermannnach Hause kehren will, verfehle ichden Weg beim »Celestial Club« (Opiumhöhle)und gerathe in ein Labyrinth vonStegen und Wegen, – eine Schar von Edelleutenin Hoftracht erwidern meine Anfragemit Hohngelächter! Die guten Manieren sinddoch überall gleich angenehm! Der deutscheResident erzählte wieder viel Anziehendes:wenn junge Europäer sich hier niederlassen,kaufen sie für die Zeit ihres Aufenthaltesein 14-17jähriges Siamesenmädelund zahlen den Eltern 200-300 Dollars.(In Britisch-Indien kostet ein Hindumädchen,14 Jahre, hübsch und mit ärztlichem Atteste,15 Rupien! Die Erhaltung monatlich 25 Rupien!)– Während des Zusammenlebensdürfen die Kleinen kein Betel kauen, –wenn sie momentan unwohl sind, stellen sieumsonst eine Stellvertreterin, die sie aus denschönsten und jüngsten ihrer Freundinnenaussuchen, – kaum ist die eigentliche Donnawieder hergestellt, so muss die Repräsentantinunbarmherzig verschwinden! – Abendsfahren wir wieder auf dem Flusse, – dasTreiben der Tausende von Gondeln in dermilden Luft und dem vollen Mondschein istherrlich. – Komisch sind die kleinen nacktenKinder, die vom Kopf bis Fuss mit Safraneingerieben werden, – es scheint gegenFliegen und sonstiges Ungeziefer gesund, diekleinen hochgelben Kerle sehen aber gar zuspassig aus. – Spät geht's noch zu unserenjapanischen Freundinnen, wir werden aberdurch einen dort eingedrungenen betrunkenenDeutschen bald verscheucht.
STROHHUT

ALTE BRONZEFIGUR (GUALIOR)

Dienstag 15. Jänner.

Eine englische Meile stromabwärts liegt, am Ufer des Menam natürlich, das ausgedehnte weitläufige Haus Phya Smud's mit schönen Gärten und Blumenbeeten; – in einer langen Halle empfängt uns der Hausherr mit Thee und Kuchen und, was noch angenehmer, er hat eine Anzahl Silbergefässe uns zum Kaufe aufstellen lassen, Theekessel, Betelschalen, Kannen, aus oxydirtem Silber mit eingeschlagenen Goldornamenten. Nach wenigen Minuten ist der Vorrath ausverkauft. Interessant sind Phya Smud's Teakholzlagen, menamaufwärts der Mission gegenüber, wo tausende und aber tausende Pflöcke der Verfrachtung harren. Teak soll das resistenzfähigste Holz sein und im Schiffbau unübertroffen. Erzherzog Leopold nahm auf der »Fasana« viele Bretter zum Bootsbau mit. – Abends um 8½ Uhr siamesisches Theater! (»Lakon«). Nur wenn der Mond voll ist, können Aufführungen stattfinden, und wir kommen gerade vor Thorschluss dazu, – ein geräumiges hölzernes Gebäude mit Bänken und Logen und einer ziemlich grossen Bühne mit der englischen Aufschrift »Prince's Theatre«, – alle Plätze mit Weibern und Kindern besetzt, erstere insgesammt bis zur Taille unbekleidet, um die Beine den Sarong, letztere alle splitternackt. In zwei »Avant-Scènes« scheinen sich reich bekleidete Chinesen gütlich zu thun, in unserer »Hofloge« kommen wir in Fracks mit den steifen Stehkrägen vor Hitze fast um, – so was habe ich noch nie gefühlt! Die Aufführung ist ein historisches Drama, in welchem eine Menge Hanuhmans, Jacks, Ratschaschis und andere Teufel auftreten. Costüme prachtvoll, Musik merkwürdiger Höllenlärm im Zweivierteltact, – das Verdrehen aller Finger und aller Zehen ist die auf die Spitze getriebene Schauspielkunst! – Als uns die Barkasse um Mitternacht heimbringt, fühlt sich die freie Luft eisig an, so schauderhaft war die Temperatur im Lakon.

BULLOCK CART