Montag 28. Jänner.
Der Lloyddampfer »Maria Theresia« ist natürlich verspätet – heute hätte er einlaufen sollen, nun dürften die Collegen erst in 4-5 Tagen nach Hongkong flott werden. Mit Sapieha Besichtigung des recht armseligen Museums, wo nur einige Modelle malayischer Piratenschiffe, ein an die 15 Fuss langes ausgestopftes, kürzlich vom Secretär des Clubs im Sirangan-Flusse hinter Bidadaré geschossenes Krokodil und ein paar Riesenheuschrecken auffallen. – Dann unter den Auspicien des stets gefälligen Hooper Besuch bei einem reichen Chinesen, dem Hon. Sia-Liang-Sia, dessen Heim ganz geschnitzt und vergoldet recht geschmackvoll erscheint; der bezopfte dicke Hausherr, welcher der Stadt einen schönen öffentlichen Brunnen gespendet, überbietet sich in Liebenswürdigkeiten. Abends grosses Diner bei Frensberg, dem deutschen effectiven Consul: rechts von der Hausfrau Sapieha (!), links Biegeleben (!), zwischen zwei Kaufleuten ich (!). Als ich nach verschiedenen »Jeux d'esprit« und geistvollen »Pustenspielen« um 1 Uhr nachts mein lang ersehntes Bett im »Europe« aufsuche, theilt mir der Celestial mit, mein Kutscher streike, und ich bekäme für morgen früh nach Johore keinen Wagen! Hole Alles der Teufel, ich kann die Augen nicht aufhalten und dazu »die« Hitze!
Dienstag 29. Jänner.
Ohne »Chowta Hazru« erhalten zu können, rollen Poche und ich mit knurrendem Magen um 6 Uhr früh in Jinrickshaws zum »deutschen Club«, wo wir beim Khitmatgar unsere Kleider deponiren. Bald erscheinen in einem Landauer Biegeleben und Sapieha, wir steigen zu ihnen ein und fort geht's 3½ Stunden bis zum Tambroh-Canal, welchen wir in einer schmucken Dampfbarcasse des Sultans übersetzen – am festländischen Ufer Empfang durch den Secretär Sr. Hoheit Abdul Rahman und durch einen in johorischen Diensten stehenden Engländer, Abramson. – Schön gehaltener Park, riesiges Bungalow, das als Palais ganz europäisch eingerichtet ist. – In mehreren Hofequipagen Besichtigung der Stadt Johore, des musterhaften Gefängnisses, der im tiefen Jungle gelegenen Waterworks, der chinesischen Spielbank, die dem Sultan viele Tausende einträgt; mein Magen hält's nicht länger aus: Biegeleben lacht, aber wir kehren doch ins Palais zurück, wo endlich um 12 Uhr ein opulentes Tiffin auf dem berühmten johorischen Silberservice meine Hungerqualen stillt. – Um 4 Uhr sind wir wieder in Singapore in der »Teutonia«, wo gewaschen, rasirt und angezogen wird, und um 5 Uhr erscheinen wir alle in schwarzen Gehröcken, die wie Kaftans um unsere hageren Glieder schlottern, und mit Cylindern (!) vor dem Sultan von Johore, welcher neben dem botanischen Garten einen prachtvollen Park mit Bungalow bewohnt. In einer kolossalen hölzernen Scheune empfängt uns der freundliche alte Herr, ein Araber mit weissem Schnurrbarte, europäisch gekleidet, mit Ausnahme eines kleinen Sarongs und einer schwarzen Mütze mit prachtvoller Diamantagraffe. – Da Abu-Bakr sein Haus hier ganz umbauen lässt, sind alle seine Schätze in dieser Scheune aufgespeichert, darunter wundervolles Satsuma-Porzellan und zwei feenhafte Lackparavents, die der Sultan in Kobe für 25.000 Dollars angekauft. – Maharadjah darf man ihn in Johore selbst bei 5 Dollars Strafe nicht nennen, seit die englische Regierung seinen Sultanstitel anerkennt. Er erzählt von zwei schönen Tigern, die seine Leute gefangen und mit denen er nichts anzufangen wisse, – auf meine Aufforderung verspricht er, die Thiere unserem Kaiser zu schenken und sie mit der »Maria Theresia« auf ihrer Heimreise nach Schönbrunn zu schicken. – Brand übernimmt es, alle Vorbereitungen hiefür zu treffen. – Schliesslich sagt er uns allen seine Photographie zu.
Der Sultan von Johore.
Johore, der Salon des Sultans.