Herzlicher Abschied vom Gesandten, der das Ideal der Güte und Anspruchslosigkeit ist, sowie vom wackeren Sapieha; beide haben uns mit dem stets fröhlichen Engler das Geleite aufs Schiff gegeben, wo sich auch der französische Bischof Monseigneur Gasmir eingefunden hat. Neben uns liegt die »Arratoon Apgar«, die mit Graf und Gräfin Karl Dönhof an Bord auch nach Calcutta abgeht. – Heute früh ist die »Maria Theresia« angelangt; wir laufen noch hin, finden aber alle Officiere und Passagiere ans Land gegangen. Um 4 Uhr dampfen wir (Poche und ich) auf dem guten Schiffe »Palitana« der British India Steamship-Navigation Co. langsam aus dem Hafen. – Der Fahrpreis I. Classe mit Verpflegung bis Calcutta (14 Tage) beträgt blos 67 Dollars!

Donnerstag 31. Jänner.

 Ein 2000 Tonnen grosses, scrupulös reingehaltenes, mit elektrischem Lichte versehenesSchiff, ein charmanter rothbärtiger Commandant,Captain England, jovial und lustig,freundliche, artige Officiere, endlich stattder eckligen chinesischen Boys Bengalis alsDiener und Stewarts, schlanke braune Kerlein weissen Musslinanzügen und riesigen Turbans,die lautlos und flink jedem Wunschezuvorzukommen trachten – welcher Gegensatzgegen »Hecuba, Hekate und Co.«! Ineinen langen Rattansessel hingestreckt, den ichin Singapore für 5 Dollars erworben, fangeich an, die Ruhe, das absolute Nichtsthun, vorAllem die herrliche Kühle der Seeluft (nur30° auf Deck) in vollen Zügen zu geniessen.Ein Ehepaar aus Singapore auf der Hochzeitsreise,Harvey, er von einer schwerenKrankheit soeben auferstanden, sie rothhaarig,aber hübsch – der katholische Bischofvon Rangoon, Monsignore Bigandet, einliebenswürdiger alter Herr, der seit 51 Jahrenden fernen Osten bewohnt und nur zumVatican-Concil nach Europa zurückgekehrtist – ein portugiesischer Eurasier, Dr. deSouza aus Rangoon – der »Very Reverendthe Archdeacon of Singapore«, Meredith,ein etwas bornirter Schotte; drei amerikanischeGlobetrotters, John Coolidge ausBoston, der über ein Jahr als Japaner in Japangelebt, Malcolm Thomas aus Boston, undLarz Anderson 2nd aus Washington, ein guterCaricaturist, – das bildet so ziemlich dieGesellschaft. – Die Staterooms sind, wiealles Uebrige, tadellos rein – störend wirktnur eine Armee winziger grauer Ameisen,die aus der Bordwand kommend Tag undNacht über meine Schwämme, über dasWaschbecken und über mein Bett wandert– die Viecher beissen zwar nicht stark, mangewöhnt sich an Alles – aber angenehm ist'snicht. – Dafür gibt es allerdings wenig Kakerlaken.– Auch ein Vortheil!

PRIESTERHAUS

Freitag 1. Februar.

Malacca haben wir leider im Finstern berührt; heute früh legen wir wieder bei dem schönen Pulo-Penang, der Betelnussinsel, an, und Poche und ich suchen ein paar Pferde zu mieten, um den »Penang-Hill« zu erklimmen. – Es ist chinesisches Neujahr, die Strassen gefüllt mit festlich gekleideten Celestials, deren Frauen und Kinder, geschminkt und mit kostbarem Schmucke überladen, in Wagen und Gharries und Tats umherkutschiren. Nach langem Umherirren finden wir endlich ein paar knochiger Rosinantes, und den Victoriapark rechts lassend, geht's steil den Berg hinauf, durch wundervolle Wälder, die – wie Poche behauptet – den schönsten Plantagen auf Java gleichkommen. – Zuerst stolpern wir in einen Prachtpark und von da in ein luftiges, elegantes, aber ganz leeres Bungalow – ein französisch sprechender Herr belehrt uns, dies sei das Gouvernment House – wir suchen weiter und gelangen auch, nach vielem Steigen, in eine Art Hôtel, das von dem unvermeidlichen Chinesen als Sanatorium gehalten wird. – Die grossartige Aussicht, 2000 Fuss tief auf die mit üppigster Vegetation überwachsene Insel, auf das Meer ringsum, besonders aber ein kräftiges Tiffin entschädigen für die Mühen des Aufstieges – auch wirkt die Temperatur von 25° wie eine Offenbarung! Auf diesen Gäulen ist vom Hinabreiten keine Rede – in 2½ Stunden soll die »Palitana« abdampfen – also heisst's trotz Tropen, trotz Mittagssonne im Laufschritt den Berg hinunter und ebenso weiter bis zur Stadt, wo uns schliesslich ein Jinrickshaw zum Hafen führt – entschieden der heisseste Spaziergang, den ich je gemacht! Das nennt man Schwitzen!

SCHIFF AUS RANGOON

2., 3., 4. Februar.

Glocke der SHOE DAGON PAGODE
 Prächtige Tage der höchsten Faulenzerei – bis 9 Uhr liegt Alles in Pujamahs umher, späterhin in Leinenanzügen – das Essen ist geniessbar, die Globetrotters recht lustig – besonders angenehm ist der alte Bischof mit seinem langen grauen Barte. – Stundenlang erzählt er mir von den Schönheiten der buddhistischen Lehre, die er natürlich von Grund aus kennt, sowie von der Eroberung Burmas durch die Engländer – sein meridionales Französisch klingt merkwürdig an der Küste von Tennasserim. – »Als nach der Einnahme Rangoons die grosse Glocke der Shvay Dagon-Pagode, die 7½ Fuss im Durchmesser misst, aufs englische Flaggenschiff gebracht werden sollte und beim Transporte in die Mitte des Irawadi fiel, waren alle Bemühungen der Matrosen, mit ihren Maschinen die Glocke zu heben, ganz vergeblich. – Da bat eine birmanische Deputation den Befehlshaber, ihr die am Grunde des Riesenflusses liegende Glocke zu schenken, was auch lachend und ungläubig gewährt ward. Den Tag darauf befand sich die Glocke wieder an ihrem alten Platze auf der Plattform der goldenen Pagode. – Was alle britischen Ingenieure nicht zustande gebracht, das vermochten 20.000 Birmanen in wenigen Stunden!« – Gestern war anglicanischer Gottesdienst in der grossen Cabine, und Meredith hielt eine langweilige Predigt.

Dienstag, 5. Februar.