Shvay Dagon-Pagode.


SHWE DAGONE PAGODE
 Seit frühem Morgen fahren wir den Irawadi hinauf, einen der grössten Ströme der Welt – die Ufer flach, öde. – Am Landungsplatze Tausende von Zuschauern in den farbenprächtigsten Kleidern, meist rosa und himmelblau – die Männer sind schlanker, grösser und schöner als die stammverwandten Bewohner Siams. Das Haupthôtel Rangoons, das »British-Burmah H.«, ist als Gasthof dem Schiffe »Hekate« ebenbürtig. Hier empfangen uns die vorausgeeilten Amerikaner mit »bad news from Austria«, und die furchtbare Nachricht des Todes unseres Kronprinzen wirkt fast lähmend auf Poche und mich. – Wir hoffen, die Kabelgramme haben falsch berichtet – auch weiss unser Honorarconsul Biedermann noch gar nichts. – Mit schwerem Herzen erfüllen wir unsere Touristenpflichten und bewundern die »Shvay Dagon-Pagode«, entschieden die prachtvollste, kolossalste, grossartigste Pagode Asiens. – Die Lage sowohl, als die Bronzen, Schnitzereien und vor Allem die 321 Fuss hohe, ganz vergoldete Daghoba sind überwältigend. Mein Plan, einen Dampfer zu überschlagen, mit der neuen Bahn nach Mandelay zu fahren und erst nächste Woche weiter nach Calcutta zu reisen, muss – wie so manches Andere – aufgegeben werden. Die Bahn nimmt nur bis Prome Passagiere. Erst in 14 Tagen wird der Verkehr bis Mandelay eröffnet – bis jetzt gehen nur Militärzüge – zur Flussfahrt auf dem Irawádi gebricht es an Zeit; also morgen nach Maulmain.

6. Februar.

Mit der »Ramapura«, einem schönen Schaufeldampfer, der 15 Knoten macht, und dessen deutscher Commandant Cruzer famose Getränke braut, um 7 Uhr früh nach Maulmain, der schönsten Stadt Burmahs, am Salween reizend gelegen. – Holzsägen, wo abgerichtete Elefanten riesige Baumstämme aus dem Flusse holen, in die Maschinen legen und die gesägten Hölzer in den Höfen regelmässig aufschichten – ein kleiner Elefant hat's auf mich abgesehen und kann ich mich nur durch die schmählichste Flucht retten, zum Jubel der Schiffsgenossen. – In der Mitte der Stadt auf hohem Hügel die Hauptpagode mit unvergleichlicher Aussicht auf den Salween und die nahen Berge. – Abends wandeln wir alle zum geräumigen Club, Gymkhana; da Cruzer uns einzuschreiben vergessen hat, werden wir aber, zu unserer grossen Heiterkeit, von den eurasischen Bediensteten feierlich hinausgeworfen. – Uebernachten auf der »Ramapura«, denn bis zu einem Hôtel hat es Maulmain noch nicht gebracht.

7. Februar.

CROW INSEL im SALWIN FLUSS

Vor Sonnenaufgang in zwei Gharries ein paar Meilen bis zur Fähre des Salween-Flusses, den wir (die drei Amerikaner, Poche und ich) auf einem lebensgefährlichen Floss übersetzen, – dann in einem landesüblichen »Bullockcart« die gute Fahrstrasse weiter bis zu den »Farm Caves«, ausgedehnte Höhlen in merkwürdigen Bergen, die, mit reichster Vegetation überwachsen, senkrecht aus der Ebene aufsteigen. Zwei dieser Höhlen sind Wallfahrtsorte und mit Buddha-Statuen minderen Kunstwerthes ausgefüllt; die anderen bieten einigen Millionen Fledermäusen Asyl und werden letztere durch unsere bengalischen Kerzen unangenehm aufgescheucht – doch ist ein längerer Aufenthalt wegen des Gestankes und der Hitze undurchführbar. Die Rückfahrt auf dem originellen federlosen Holzkarren, dessen Zebus fortwährend durchgehen wollen, ist sehr amüsant – schiesse einige Riesengeier. – Sonnengluth in Burmah scheint nach der heutigen Probe kolossal! Abends Besuch des Gefängnisses, wo aber egyptische Augenkrankheit grassirt und wir schleunigst davonlaufen. – Vergebliches Trachten, einen berühmten Holzschnitzer zu finden: der Mann wohnt im Birmanenviertel, unser Kutscher spricht blos bengalisch – also Verständigung unmöglich. – Am Flussufer produciren sich uns einige Arbeitselefanten, die zur Tränke geführt werden – auf Befehl des Kornak knien sie nieder, heben die Rüssel in die Höhe und trompeten ein donnerndes Salaam! Die ihnen zugeworfenen Annastücke heben sie sorgfältig auf und reichen sie dem alten Wärter!