Siebtes Kapitel.
Neue Feindseligkeiten. — Das Kap der Kinderdiebe. — Gastfreundliche Wilde. — Abenteuer in der Tegaduhbai.
Am folgenden Morgen, den 13. September, erhob sich um 5 Uhr ein Nordwind. Wir lichteten sofort die Anker und steuerten gegen das Land hin. Gegen Abend versuchten wir in eine Einfahrt hineinzufahren, machten aber wieder kehrt, als wir entdeckten, daß es sich nicht um die Einfahrt eines Hafens handelte. Dabei verfolgte uns ein großes Kriegskanu. Es war mit ungefähr zwanzig Bewaffneten besetzt, die uns mit höhnischen Worten zum Kampf herausforderten. Wir ließen die Möpse ruhig den Mond anbellen. Am nächsten Tage bekamen wir das im Lande liegende Gebirge zu sehen, dessen höchste Gipfel mit Schnee und Eis bedeckt waren. An der Küste war das Land niedrig und unfruchtbar. In einer kleinen Entfernung sahen wir Haine von Bäumen, die hochstämmig und oben spitzig waren. Ich ließ die Pinasse und das lange Boot aussetzen, um frisches Wasser aufzusuchen. In diesem Augenblick bemerkten wir verschiedene stark bemannte Kähne aus dem Land herauskommen. Um 10 Uhr wurden fünf von diesen Kähnen zusammengezogen. Sie hielten eine Art von Kriegsrat, der für den Krieg ausgefallen sein mußte, denn sie rückten gegen das Schiff vor. Diese fünf Kähne hatten 80–90 Mann an Bord; in einer kurzen Entfernung folgten ihnen noch vier Boote nach, jedenfalls als Reserve. Kaum hatten sie sich uns auf dreihundert Schritte genähert, als die Wilden ihren Kriegsgesang anstimmten, ihre Lanzen schwenkten und sich zum Angriff formierten. Tupia rief ihnen zu, daß wir den Donner in der Gewalt hätten und sie alle vernichten würden, wenn sie uns nicht in Ruhe ließen. Zur Bekräftigung dieser Worte ließ ich eine Kanone abfeuern. Der Knall, der Blitz und die Kugeln des Traubenschusses, die sich fächerartig im Wasser ausbreiteten, erschreckten die Indianer in solchem Maße, daß sie sich eiligst zurückzogen. Tupia aber rief ihnen nach, daß wir sie, wenn sie ohne Waffen kommen wollten, als Freunde aufnehmen würden. Die Besatzung eines der Boote ließ sich wirklich dazu bewegen, unbewaffnet zu uns ans Hinterteil des Schiffes zu kommen. Wir machten ihnen verschiedene Geschenke und würden sie auch bewogen haben an Bord zu kommen, wären nicht die übrigen Kähne in feindlicher Absicht herangekommen, worüber die andern sehr empört waren. Nach kurzer Auseinandersetzung ruderten sie alle ans Land.
Am nächsten Tage früh 8 Uhr befanden wir uns endlich der Landspitze gegenüber. Hier kamen einige Fischer zu uns, die uns einige sehr verdächtig riechende Fische verkauften, aber bereit waren, uns in jeder Weise zu unterstützen. Leider wurden sie durch die Besatzung eines Kriegskahns verscheucht, der sich frech an uns heranmachte. Obgleich die Bewaffneten nichts zu verkaufen hatten, so schenkte ich ihnen doch einige Stücke Tuch. Einer von ihnen vertauschte mir sein Bärenfell für ein Stück rotes Tuch, nahm dieses in Empfang, gab aber das Fell nicht heraus. Bei dem sich deshalb entspinnenden Streit bemächtigten sich die Fischer des Dieners Tupias, Tayeto, der an die Seite des Schiffes gestellt worden war, um die eingetauschten Sachen heraufzureichen. Zwei hielten ihn im Vorderteil des Kahnes fest, während die andern eiligst wegruderten, welchem Beispiel die übrigen Kähne folgten. Hierauf gab ich den Seesoldaten, die auf Verdeck unter Gewehr standen, Befehl zu feuern. Ein Mann fiel. Tayeto benützte die Verwirrung, um sich loszureißen und ins Wasser zu springen. Der große Kahn wendete, um ihn zu verfolgen; ich vertrieb ihm die Lust dazu durch ein paar gutgezielte Gewehr- und Kanonenschüsse. Wir konnten den armen Burschen unverletzt auffangen, aber er war so erschrocken, daß er lange nicht zu sich kam. Die Herren Banks und Solander konstatierten durch das Fernrohr, daß die Wilden drei Männer tot oder doch schwerverletzt den Strand hinaufgetragen hätten. Als Tayeto sich von seinem Schrecken erholt hatte, brachte er seinem Herrn einen Fisch, um ihn seinem Eatua, seinem Gotte, zu opfern. Tupia lobte den frommen Sinn des Knaben und befahl ihm, den Fisch als Dankopfer ins Meer zu werfen. Das Vorgebirge, an dem dieser freche Raub stattfand, nannte ich Kap Kidnappers, das Kap der Kinderdiebe.
Wir fuhren noch einige Zeitlang südwärts. Da ich aber nirgends einen guten Hafen fand, so machte ich an einem Vorgebirge mit gelben Steinklippen in einer südlichen Breite von 40 Graden, 34 Minuten, 18 Seemeilen Süd-Süd-West von Kap Kidnappers, kehrt. Am 18. des Morgens um 4 Uhr lag Kap Kidnappers 2 Seemeilen weit nordwärts und 3 westwärts. Die Nacht über legte ich am Tafelvorgebirge bei, am Morgen segelte ich gegen Land, um in einer Bai 2 Seemeilen weit vom Kap vor Anker zu gehen. Die Eingeborenen, die uns mit ihren Kähnen beständig umschwirrten, hatten uns auf diesen Ankerplatz aufmerksam gemacht und dabei beständig auf eine Gegend hingewiesen, wo es Überfluß an frischem Wasser gab. In der Bai selbst fand ich nicht so viel Schutz vor der See, wie ich erwartet hatte. Da uns aber die Eingeborenen freundlich gesinnt schienen, so wollten wir länger hier verweilen. In einem der Kähne, die uns besuchten, kamen auch zwei Häuptlinge. Ich lud sie ein an Bord zu kommen und schenkte jedem von ihnen 12 Fuß Leinwand und einen großen Nagel, den sie nicht sehr wertschätzten. Wir hörten von ihnen, daß sie über die Vorfälle in der Taoneroabai unterrichtet waren, und ließen ihnen daher durch Tupia sagen, daß wir freundschaftliche Absichten hegten und uns nur wehrten, wenn man uns angriffe. Unterdessen trieben die Indianer im Kahne einen regen Tauschhandel mit unsern Leuten. Ich lud die Häuptlinge zu Tisch. Nachher begleiteten sie mich in meinen eigenen Booten, um mir eine günstige Wasserstelle zu zeigen. Da es jedoch stürmisch und regnerisch war und die Brandung hoch lief, so daß wir keine Landungsstelle finden konnten, so ließen sie sich in ihren eigenen Kähnen an Land bringen, versprachen aber wiederzukommen und Lebensmittel mitzubringen. Gegen Abend heiterte sich das Wetter wieder auf. Ich ging mit den Herren Banks und Dr. Solander ans Land. Die Eingeborenen empfingen uns überall mit den Zeichen der Ergebenheit und vermieden es sogar, uns durch unmäßige Neugierde und Ansammlung großer Menschenmengen lästig zu fallen. Auch in den Häusern, die wir besuchten, kamen höchstens die Nachbarn zusammen, so daß wir nie mehr als zwanzig Personen, die Weiber und Kinder inbegriffen, antrafen. Wir machten ihnen kleine Geschenke. Der Umstand, daß wir auf unserm Spaziergange zwei kleine Bäche mit gutem Süßwasser fanden, bewog mich, dort einen Tag zu verweilen, um Herrn Banks Gelegenheit für seine Untersuchungen zu geben und gleichzeitig unsern Wasservorrat zu erneuern.
Ich schickte am nächsten Tag den Leutnant Gore mit seiner Mannschaft ans Land, um Wasser einzuholen. Die Herren Banks, Dr. Solander und Monkhouse folgten mit Tupia und Tayeto nach. Die Eingeborenen setzten sich zu unsern Leuten und schauten ihnen interessiert zu. Auch etablierten sie einen kleinen Tauschhandel. Die Herren Banks und Dr. Solander erforschten ohne Vorsichtsmaßregeln die Pflanzenwelt der Bai und erlegten einige hervorragend schöne Vögel. Unterwegs sprachen sie in verschiedenen Hütten der Eingeborenen ein und informierten sich über deren häusliches Leben. Man zeigte und erklärte ihnen alles, was sie wollten. Von Haustieren fanden sie den Hund in einer kleinen, häßlichen Abart vertreten. Die Felder waren wohlgepflegt und kunstgerecht angebaut. Gepflanzt wurden Kartoffeln, Kürbisse und Eddas. Merkwürdigerweise waren die Felder der einzelnen Besitzer mit Palisaden eingezäunt, deren einzelne Rohre so dicht beieinander standen, daß kaum eine Maus dazwischen durchkriechen konnte. Die Weiber waren eben nicht schön, aber sie machten sich dadurch noch häßlicher, daß sie ihr Gesicht mit rotem Ocker oder Bergrot und Öl schminkten. Diese Schminke war stets frisch und feucht auf ihren Wangen und pflegte die Nase desjenigen zu kennzeichnen, der sich zum Kuß dahin verirrt hatte. Es gab natürlich ein Hallo, als einige unsrer Schwerenöter mit diesem Steckbrief ihrer Sünde ahnungslos sich zeigten, denn sowenig schön diese Weiber auch waren, umso buhlerischer führten sie sich auf; und die Mädchen waren so üppig wie junge Füllen. Sie trugen einen kurzen Rock und unter diesem einen aus parfümierten Blättern geflochtenen Gürtel, an dem als intimster Schutz ein kleiner Büschel von Blättern einer starkriechenden Pflanze befestigt war. Die Männer pflegten sich weniger zu schminken. Doch sahen wir einen Gecken, der sich den ganzen Leib und sogar die Kleider mit Bergrot gefärbt hatte und fortwährend damit beschäftigt war, die schadhaften Stellen seines geschminkten Äußern zu reparieren. An Reinlichkeit kamen sie unsern Freunden in Otahiti nicht gleich, zum regelmäßigen Baden im Freien war der Himmelsstrich doch zu kalt. Hingegen hatte fast jedes Gehöft seinen Abort. Was das anbetrifft, so waren sie kultivierter als die Spanier, denn ich weiß, daß es bis zum Jahre 1760 in Madrid keine Aborte gab und daß bis dahin alles, was man sonst in die Aborte schüttet, dort einfach auf die Straßen geschüttet und dann von den Straßenreinigern auf Haufen zusammengeschaufelt wurde. Die Madrider Ärzte waren auch einmal der Meinung, daß Kothaufen die hygienische Eigenschaft hätten, alle schädlichen Luftkörper an sich zu ziehen.
Am Abend waren unsre Boote mit Wassereinholen beschäftigt. Die Herren Banks und seine Gesellschaft, etwa acht Europäer, versuchten es nun, um nicht zu stören, sich in einem Indianerkahn zum Schiff rudern zu lassen. Aber da es sich in einem solchen Kahn so schwer sitzen läßt wie in einem sogenannten Grönländer, so schlug das leichte Ding in der Brandung um. Man kam mit dem Schrecken davon, ließ sich dann aber in zwei Partien an Bord rudern.
Weil ich es der starken Brandung wegen schwer fand, an diesem Platze Wasser einzunehmen, so beschloß ich abzusegeln. Ich lichtete daher am folgenden Morgen früh um 5 Uhr die Anker und lief in See. Die Tegaduhbai liegt in der Südbreite von 38 Graden, 10 Minuten. Von hier wollte ich nordwärts steuern, allein der Wind war mir entgegen, so daß ich nicht von der Stelle kam. Während ich ärgerlich gegen den Wind lavierte, kamen mehrere Eingeborene an Bord und sagten mir, daß es in einer Bai, die südwärts nicht weit entfernt liege, vortreffliches Wasser an einem Orte gebe, wo die Boote bequem landen könnten. Ich segelte also dorthin und fand alles bestätigt. Um 1 Uhr kam ich vor Anker. Die Wasserstelle lag in einer kleinen Bucht. Kaum hatten wir beigelegt, als auch schon eine Unzahl von Kähnen von der Küste her auf uns zuschossen. Bald herrschte um uns das reinste Marktleben, wobei sich die Indianer, die an otahitischem Tuch und an gläsernen Flaschen einen Narren gefressen zu haben schienen, als grundehrlich erwiesen. Ich ging mit den Herren Banks und Dr. Solander ans Land, um die Wasserstelle in Augenschein zu nehmen. Das Boot konnte bequem landen. Das frische Quellwasser war von vortrefflichem Geschmack, auch war die Gegend zum Füllen und Transport der Fässer günstig. Auch Holz zum Fällen war hier im Überfluß vorhanden. Am nächsten Tage schickte ich Herrn Gore mit allen Seesoldaten zur Erledigung dieses Geschäftes ab, bei dem ich die Oberaufsicht führte, während die Herren Banks und Dr. Solander ihre botanischen Untersuchungen fortsetzten. Als sie am Abend nach der Wasserstelle zurückkehrten, begegneten sie einem alten Mann, der sie damit unterhielt, daß er ihnen den Gebrauch der Waffen dieses Landes, der Lanze und des Pätuh-Pätuh, zeigte. Die Lanze ist 10–14 Fuß lang und an beiden Enden gespitzt. Der Pätuh-Pätuh ist einen Fuß lang, aus Talkstein oder Walfischknochen gefertigt, mit zwei scharfen Schneiden versehen und wird als Streitaxt gebraucht. Der alte Wilde steckte einen Pfosten in die Erde, der seinen Feind vorstellen sollte. Auf diesen ging er dann mit wütendem Gesichte los, indem er seine Lanze wiederholt schwenkte und dann nach ihm stach. Hierauf ergriff er den Pätuh-Pätuh und schlug damit wütend auf den Pfosten ein. Aus diesem Umstande kann man darauf schließen, daß die Wilden in ihren Kämpfen ihre Feinde nicht nur unschädlich zu machen, sondern in der Hauptsache zu erschlagen bestrebt waren. Unter den Indianern, die uns an der Wasserstelle aufsuchten, befand sich auch ein Priester, mit dem Tupia einen tiefgründigen theologischen Disput hatte. Bei dieser Gelegenheit erkundigte er sich denn auch bei seinem Standesgenossen, ob der Kannibalismus hier landesüblich wäre. Er erhielt die Antwort, daß man die erschlagenen Feinde zu verzehren pflege. Am 26. regnete es unaufhörlich, so daß wir an Bord des Schiffes verblieben. Den nächsten Tag ließen wir uns an der Wasserstelle von den Indianern Kriegsspiele vorführen. Die Männer stimmten den Schlachtgesang an, in den alle unter den abscheulichsten Gesichtsverzerrungen einfielen. Dabei rollten sie die Augen wild umher, streckten die Zunge heraus und verrenkten die Glieder, aber dies alles unter genauer Beobachtung des Taktes. Am 28. landeten wir auf einer Insel, die links von der Einfahrt in die Bai lag. Hier fanden wir den größten Indianerkahn, den wir bisher gesehen hatten; er war 68½ Fuß lang, 5 Fuß breit und 4½ Fuß hoch. Der Boden bestand aus drei ausgehöhlten Baumstämmen, von denen der mittlere am längsten war und die beiden Spitzen des Kahnes bildete. Die aus einem Stück bestehenden 62 Fuß langen Seitenplanken waren mit halberhabener Schnitzarbeit verziert. Am Vorderteil war diese noch sorgfältiger ausgeführt. Auch die Holzarbeit an einem noch unfertigen Hause, das wir dort sahen, war auf meisterhafte Weise nach dem auf schneckenförmige Linien und verzerrte Gesichter ausgehenden Kunstgeschmack der Eingeborenen verfertigt. Weil ich meinen Holz- und Wasservorrat erneuert und auch eine Menge Sellerie geladen hatte, der ein gutes Mittel gegen den Skorbut ist, so lichtete ich, weil es sonst nichts einzuhandeln gab, am 29. die Anker. Wir haben hier tatsächlich nichts als Fische und Kartoffeln erhalten können. Von Tieren bekamen wir nichts als Hunde und Ratten zu sehen. Und selbst diese waren hier sehr selten. Am Eingang der Bai, die die Eingeborenen die Tolagabai nennen, liegen zwei charakteristische Felsen. Der eine ist rund wie ein Schober, der andre ist lang hingestreckt und an verschiedenen Stellen so durchlöchert, daß seine Öffnungen den Bogen einer Brücke ähnlich sind. Als wir Montag den 30. bei leichtem Winde zehn Stunden gesegelt waren, kamen wir an die nordöstliche Spitze des Landes, die ich das Ostkap nannte. Als wir es umsegelt hatten, erblickten wir eine große Anzahl Küstendörfer und viele angebaute Felder in fruchtbarer Gegend. Um 6 Uhr segelten wir an einer Bai vorbei, die ich nach ihrem Entdecker, meinem Leutnant Hicks, Hicksbai nannte. In der Nacht legte ich bei, segelte aber um 2 Uhr wieder weiter und erblickte um 8 Uhr Land, eine Insel, die ich die weiße Insel nannte. Hier wurden wir von einer Eingeborenen-Flottille überfallen, die nach ein paar Schreckschüssen Hals über Kopf Reißaus nahm. Am 1. November kamen etwa 45 Kähne mit Eingeborenen an unsre Seite, die anfangs ehrlich handelten, dann uns aber bestahlen. Einen der Diebe bedachte ich mit einer Schrotladung. Die übrige Gesellschaft verjagte ich mit einem Kanonenschuß. Um 2 Uhr des Mittags erblickten wir gen Westen einige Inseln. Um 7 Uhr hatten wir sie erreicht. Nach einigem Zögern legte ich bei. Die Eingeborenen nannten sie die Mowtohorainsel. Es war ein Glück, daß wir in der Nacht nicht weitergefahren waren, denn kaum segelten wir am nächsten Morgen weiter, so zeigten sich verschiedene gefährliche Klippen, die etwa anderthalb Seemeilen von der Insel entfernt sind. Auf dieser Fahrt wurden wir wiederholt von Eingeborenen, die sich erst friedlich zeigten, mit einem Steinhagel bombardiert. Um 11 Uhr segelten wir wieder der Küste entlang. Die Dörfer, die wir hier erblickten, waren sehr groß, lagen auf Höhen, die ans Meer stießen, und waren gegen die Landseite durch Schanzen und Gräben verteidigt, innerhalb deren Palisaden starrten. Auch waren einige dieser kleinen Dorffestungen noch durch Außenwerke flankiert. Tupia hielt diese Plätze für Morais, wir hielten sie mit größerm Rechte für Festungswerke. An einer Insel, nordnordöstlich von der Küste, übernachteten wir; ich taufte sie als die größte ihrer Gruppe den Major. Das Land, woran wir dann vorübersegelten, war außerordentlich volkreich. Wir sahen viele größere Städte, vor denen am Strande einige hundert Boote lagen.
Um 2 Uhr erblickten wir eine große Einfahrt; um 7 Uhr des Abends kamen wir im südlichen Eingang der Bai, die ich Merkuriusbai nannte, in 7 Klaftern vor Anker. Bis hierher wurden wir von Kähnen begleitet, ziemlich primitiv ausgehöhlten Baumstämmen, deren Insassen sich anfangs sehr bescheiden und friedlich zeigten, bald nachher jedoch unsern Ankerboy zu kapern versuchten. Wir feuerten darauf einige Schreckschüsse ab, worauf sie in höchster Wut erklärten, morgen wiederzukommen und uns alle zu ermorden. Tatsächlich versuchten sie in der Nacht ihr Heil, fanden uns aber immer auf dem Posten, so daß sie vorzogen, sich ebenso leise zu entfernen, wie sie gekommen waren. Am Morgen erschienen zwölf Kähne mit 150 Kriegern, die mit Lanzen, Keulen und Steinen bewaffnet waren. Tupia gelang es, ihnen das Unsinnige ihres Vorhabens begreiflich zu machen und sie zu einem Tauschhandel mit uns zu bewegen. Wir erboten uns, ihnen ihre Waffen abzukaufen. Bei den ersten Geschäften ging es ehrlich zu, nachher betrogen sie uns auf das frechste. Weil ich mir aber vorgenommen hatte, fünf bis sechs Tage hierzubleiben, um den Durchgang des Merkurs zu beobachten, so zog ich, um ihren Unverschämtheiten ein für allemal die Spitze abzubrechen, schärfere Saiten auf. Ein Dieb erhielt einige Schrotschüsse und sein Boot eine Kugel als Denkzettel, worauf er sich davonmachte. Obwohl er stark blutete, so kümmerte sich doch niemand von den andern um sein Schicksal. Einem Tuchdieb zerschoß ich seinen Kahn, und zum Schluß ließ ich eine Kanonenkugel abfeuern, die uns von der Gesellschaft befreite. Um 3 Uhr lichtete ich den Anker und lief näher an die Küste heran, wo ich das Schiff in günstigerer Lage sicherte. In dieser Lage hatten wir die südliche Spitze der Bai eine Meile weit ostwärts und einen Fluß, in den die Boote bei niedrigem Wasser einlaufen konnten, anderthalb Meilen weit in Süd-Süd-Osten. Am nächsten Morgen kamen die Eingeborenen wieder, aber wir bemerkten zu unserm Vergnügen, daß sie sich sehr bescheiden aufführten. Unter ihnen war ein alter Häuptling Toiava, dessen Klugheit und Ehrlichkeit uns schon letzthin imponiert hatte. Wir forderten ihn auf an Bord zu kommen, was er auch in Begleitung eines andern tat. In der Kajüte machte ich jedem von ihnen ein Stück Tuch und einige große Nägel zum Geschenk. Die beiden erzählten uns, daß ihre Landsleute in großer Furcht vor uns lebten, worauf wir ihnen durch Tupia verständlich machten, daß wir nur denen Schaden zuzufügen pflegten, die uns feindlich gegenübertreten oder uns bestehlen. Nachdem uns die Indianer verlassen hatten, fuhren wir mit den Booten den Fluß hinauf, um dort zu fischen, waren aber nicht besonders glücklich. Indessen konnten wir einige Vögel schießen. Am Morgen wurde das lange Boot wiederum ausgeschickt, um mit dem Strichnetz in der Bai zu fischen; gleichzeitig wurde Mannschaft unter dem Kommando eines Offiziers zum Holzfällen ans Land gesandt. Am 7. war schlechtes Wetter. Am 8. gingen die Herren Banks und Dr. Solander ans Land, um Pflanzen zu sammeln. Da sie erst spät am Abend zurückkehrten, so hatten sie Gelegenheit, sich das Nachtlager der Eingeborenen anzusehen. Ihre Decke bestand aus Strauchwerk. Die Weiber und Kinder legten sich am weitesten vom Meer landeinwärts auf den Boden nieder; die Männer aber lagerten sich im Halbkreise um sie, wobei sie ihre Waffen an die nächsten Bäume so angelehnt hatten, daß sie sie jederzeit zur Hand hatten. Man erfuhr auch, daß sie weder dem Oberkönig Teratu noch sonst jemand untertan waren, und wir nahmen deshalb an, daß sie eine nomadisierende Bande rechtlos gewordener Geächteter seien. Kurz nach Anbruch des folgenden Tages kam eine große Menge Kähne mit ausgezeichneten Makrelen ans Schiff, die wir sofort einhandelten. Um 8 Uhr hatten wir bereits Fische für Tage und Wochen an Bord. Wir frühstückten sofort von den delikaten Fischen. Alsdann begab ich mich mit den Herren Green, Banks und Dr. Solander in der besten Laune ans Land, um den Durchgang des Merkur bei klarem Himmel zu beobachten. Der Eintritt des Merkur in die Sonnenscheibe ereignete sich um 7 Uhr 20 Min. 58 Sek., die innere Berührung um 12 Uhr 8 Min. 58 Sek., die äußere um 12 Uhr 9 Min. 55 Sek. Kurz darauf wurden wir durch einen Schuß vom Schiffe aus erschreckt. Leutnant Gore war im Tauschhandel von einem Eingeborenen bestohlen und insultiert worden und hatte in seiner Aufregung den Mann, statt ihm eine Ladung Schrot aufzubrennen, erschossen, worauf er den übrigen Schwarm der Wilden mit einem Kanonenschuß verscheuchte. Als die Nachricht von diesem Vorfall ans Land gelangte, erschraken die Indianer, die sich in unserer Nähe befanden; sie vereinigten sich sofort und zogen sich zur Beratung zurück. Als wir ihnen aber genauen Bericht erstatten ließen, kamen sie zurück und billigten das Geschehene, da der Erschossene seine Strafe verdient hätte. Kurz vor Sonnenuntergang brachen unsre Indianer auf, um ihre Abendmahlzeit zu bereiten. Weil uns dies interessierte, begleiteten wir sie. Ihre Gerichte bestanden aus Fischen, Krebsen und Vögeln, die sie teils gebraten teils gebacken verspeisten. Das Backen geschah mit heißen Steinen auf dieselbe Weise wie in Otahiti, das Braten dadurch, daß sie die Fische oder Vögel an Stecken banden und über Feuer hielten. In der Gesellschaft der Indianer sahen wir eine Frau in Trauer. Sie saß einsam, die Tränen liefen ihr beständig die Wangen herab, dabei wiederholte sie in leisem, klagendem Ton gewisse Worte, deren Sinn selbst Tupia nicht enträtseln konnte. Am Schluß eines jeden Satzes zerfetzte sie sich mit einer Muschelschale Gesicht, Brust und Arme so sehr, daß sie ganz mit Blut bedeckt war. Doch schienen die Verletzungen, die sie sich beibrachte, nicht so schwer zu sein wie nach den Narben zu urteilen die, die sich einige ihrer Leidensgefährtinnen beigebracht hatten.