Dicht bei dem Kap, das in der Breite von 36 Graden 26 Minuten liegt und das ich nach Seiner Lordschaft Kap Colville nannte — es ist an einem hohen Felsen zu erkennen, den man sehr weit und deutlich erblicken kann — mündet ein Strom in die Bai, den ich die Themse nannte. Er besitzt eine Tiefe von über 26 Klaftern. Die Eingeborenen, die in der Nähe dieses Stromes wohnen, scheinen im Verhältnis zu den ungeheuern Länderstrichen, die sie besitzen, nicht sehr zahlreich zu sein; sie sind aber ein starkes, wohlgebildetes und fleißiges Volk. Merkwürdigerweise bemalen sie sich den ganzen Leib von Kopf bis Fuß mit Bergrot, das in Öl gerührt wird, eine Mode, die wir zum ersten Male hier fanden. Ihre Kähne sind groß, schön gebaut und mit reichem, geschmackvollem Schnitzwerk versehen. Wir steuerten von hier zwischen der Küste und den davor lagernden Inseln hindurch und ankerten bei Anbruch der Nacht in einer Bai. Unsre Leute warfen Angeln aus, und wir fingen in kurzer Zeit etwa hundert Stück 6–8 Pfund schwere Seebrassen. Am 25. verließen wir die Bai, die ich die Brassenbai taufte, und steuerten weiter nördlich. Wir ankerten in der Nähe einiger kleiner Inseln, die ich die Poor Knights, »die armen Ritter« hieß. Am Abend hatten wir den üblichen Streit mit betrügerischen Eingeborenen. Des Morgens schon zwischen 6 und 7 Uhr ruderten große, stark bemannte Kähne an das Schiff heran. Unter ihnen waren mehrere reich verziert und anscheinend von Personen höherer Stände besetzt, die aufs beste bewaffnet waren. Die Waffen bestanden in steinernen und walfischbeinernen Pätuh-Pätuhs und in reich verzierten Walfischgräten. Ihre Hautfarbe war stark braun, auch trugen sie sogenannte Amocos, schwarze, tätowierte Flecken am Leibe. Unter anderm hatten sie breite Spirallinien auf jedem Gesäß, das sie mit Schwarz so tätowiert hatten, daß von der Hautfarbe nichts übrig blieb als die Streifen. Infolgedessen sah es aus, als trügen sie gestreifte Badehosen. Jeder Stamm hatte sein besonderes Amoco. Einzelne waren ganz tätowiert, andre nur auf dem Gesäß; gemeinsam war nur das Amoco der Lippen. Die Kerle hatten alle Mäuler als ob sie Heidelbeeren gegessen hätten. Die Bande wollte uns um ein Tuch betrügen, aber eine Kugel brachte sie zur Vernunft. Als wir am Nachmittag an der Landspitze vorbeisegelten, fand ich diese doch bedeutender. Ich nannte sie Sir Piercy zu Ehren Kap Brett. Dieses Kap ist viel höher als irgendein Teil der Küste. An seiner westlichen Seite liegt eine Bai; wir sahen an ihr verschiedene Dörfer teils auf Inseln, teils an der Küste. Die Bewohner kamen auf ihren Kähnen herbei und versuchten es, uns über die Löffel zu barbieren. Wir ließen es ziemlich ungestraft hingehen. Aber einer der Unteroffiziere, den sie beim Einkauf betrogen hatten, nahm seine Angel, fitzte dem Betrüger den Haken geschickt in den mit viel Amoco geschmückten unteren Rückenteil und zupfte ziemlich lange daran herum, bis der Angelhaken brach. Der den Angelhaken im Fleische sitzen hatte, brauchte auch für den Spott nicht zu sorgen. An diesem Tage sahen wir mehr als fünfhundert Wilde bei uns, ein Beweis für den Volksreichtum dieser Gegend.
Um 8 Uhr des nächsten Morgens befanden wir uns inmitten einer Anzahl von Inseln, wo wir der Windstille wegen zwei Stunden liegen blieben. Die Eingeborenen verkauften uns einige Fische, die wir Cavalles nannten, und nach diesen tauften wir die Inselgruppe. Die Halunken waren hier so verwegen, daß sie uns sogar während des Tauschgeschäftes bedrohten. Als ihre Anzahl durch die Ankunft mehrerer Kähne verstärkt worden war, fingen sie sogar an, mit Steinen nach uns zu werfen, worauf wir mit Schrot unter sie feuerten. Sie ließen nicht eher nach, als bis wir einigen von ihnen einen ziemlich empfindlichen Denkzettel gegeben hatten, worauf wir in die hohe See hinaussteuerten. Da uns der Wind zuwider war, steuerte ich am 29. nach einer Bai in der Nähe, westwärts vom Kap, und legte dort bei. Leider waren wir auf eine Untiefe geraten, weshalb ich durch Boote die Nachbarschaft sondieren ließ. Unterdessen drängten sich ungefähr 400 Eingeborene in ihren Kähnen um uns herum. Wir ließen einige von ihnen an Bord kommen. Darunter befand sich ein Häuptling, dem ich ein Stück feinen Tuches schenkte. Ich erkannte einige der Eingeborenen wieder; sie mußten uns ebenfalls wiedererkennen, denn der bloße Anblick einer Kanone jagte ihnen sichtlich Schrecken ein. Trotzdem stahl uns die Mannschaft eines der Kähne die Ankerboje. Wir feuerten sofort eine Muskete über ihre Köpfe ab. Das nutzte nichts. Wir feuerten mit Schrot auf sie, doch sie waren zu weit. Nun schossen wir scharf und verwundeten einen von ihnen. Zuletzt ließ ich noch eine Kanone abbrennen. Tupia sagte ihnen später, daß wir nur die Diebe züchtigten, und machte sie dadurch wieder zutraulich.
Als wir das Schiff von der Untiefe weg in gesicherte Lage gebracht hatten, ließ ich die Pinasse und die Jolle mit bewaffneten Mannschaften zurück und ruderte mit Herrn Banks und Dr. Solander nach einer vom Schiff etwa drei Viertelstunden entfernten Insel. Die Kähne der Eingeborenen blieben beim Schiff, was wir für ein gutes Zeichen hielten. Allein kaum hatten wir in einer kleinen Bucht gelandet, so folgten uns die Kähne, und bald sahen wir uns etwa von zwei- bis dreihundert Mann umringt, die teils gelandet, teils von den Bergen gekommen waren. Alle waren bewaffnet, liefen aber so durcheinander, daß wir nicht an eine feindselige Haltung der Indianer glaubten. Doch zogen wir eine Linie im Sand und gaben ihnen zu verstehen, daß dies die Grenze sei, deren Überschreiten wir ahnden würden. Sie blieben zunächst unschlüssig. Als aber Verstärkung eintraf, begannen sie ihren Kriegstanz und drangen dann auf uns ein. Wir feuerten einige Schrotschüsse auf sie ab, was sie in Verwirrung brachte. Allein ein Häuptling organisierte schnell den Angriff. Dr. Solander jagte ihm eine Schrotladung zu, die er mit dem üblichen Danke quittierte; er floh und setzte sich mit seinen Kriegern auf einer Anhöhe fest. Da wir sie dort mit Schrot nicht erreichen konnten, so feuerten wir mit Kugeln. An Bord des Schiffes war man auch nicht müßig; von dort bemerkte man überdies, daß immer noch mehr Indianer heranrückten, die wir nicht sehen konnten. Mit ein paar in die Luft geschossenen Kanonenkugeln wurde der Feind in die Flucht geschlagen. Nun waren wir Herren der Bucht und gingen an das friedliche Geschäft des Einsammelns von — Sellerie.
Bald nachher besuchten wir eine andre Bucht derselben Insel und bestiegen dort einen Berg, der eine wundervolle Aussicht bot. Um uns herum im weiten Horizont lagen unzählige Inseln. Jede bildete einen reizenden Hafen, in dem die leuchtende See so still dalag wie das Wasser in einem Mühlenteiche. Hübsche Dörfer, einzelne Gehöfte, angebaute Felder wechselten miteinander ab. Eines von diesen ziemlich großen Dörfern lag in der Nähe. Seine Einwohner kamen in großer Menge heraus und huldigten uns in rührender Weise. Der ungünstigen Windverhältnisse halber mußten wir in dieser Bai verweilen. Wir hatten uns inzwischen mit den Eingeborenen vollständig ausgesöhnt; sie kamen oft ans Schiff, und wir besuchten sie in ihren Dörfern. Auf diese Weise lernten wir auch unsre Verwundeten kennen, so den Dieb der Ankerboje, dem die Kugel durch die Armmuskel gegangen war und die Brust gestreift hatte. Die ziemlich bedenkliche Wunde war in vollständiger Heilung begriffen. Auch der von Dr. Solander verwundete Häuptling, der von dem Schrotschuß in die Schenkel getroffen worden war, schien sehr getröstet, obwohl ihm noch ein halbes Dutzend Schrotkörner in den Muskeln steckten. Eines Tages begleitete uns ein alter Mann hartnäckig. Als wir an eine kleine Burg kamen, zu der eine Leiter hinaufführte, blickte er uns scheu und ängstlich an. Das reizte unsre Neugierde, und wir erklärten ihm, daß wir diese Hühnerburg besichtigen wollten, was er gegen das heilige Versprechen erlaubte, oben nichts — Unanständiges zu tun, denn dort wohne seine Frau. Wir beruhigten ihn und kletterten die Stange mit den paar Sprossen hinauf. Als wir eintraten, fanden wir drei Weiber versammelt, die bei unserm Anblick in Tränen ausbrachen. Es wurde uns nicht schwer, die drei Grazien zu beruhigen.
Am 5. Dezember lichteten wir früh um 4 Uhr bei leichtem Landwinde den Anker. Den ganzen Tag lavierten wir, um aus der Bai hinauszukommen; indessen trat um 10 Uhr des Abends solche Windstille ein, daß das Schiff sich weder auf die eine noch auf die andre Seite wenden lassen wollte. Da die Flut nun so stark anlief, wurde es plötzlich so rapid gegen das Land angetrieben, daß es kaum noch eine Kabellänge von den Klippen entfernt war. Wir hatten zwar 13 Klafter Wasser, allein der Grund war so unsicher, daß wir nicht mehr wagten die Anker auszuwerfen. Ich ließ daher sofort die Pinasse ausheben, um das Schiff an einem Tau fortzuschleppen. Die Mannschaft erkannte die Gefahr sofort und arbeitete mit aller Energie. Glücklicherweise bekamen wir von der Landseite her Wind, und nun bemerkten wir zu unsrer unaussprechlichen Freude, daß sich das Schiff vorwärts bewegte. Es war die höchste Zeit. Wir waren nämlich der Küste schon so nahe gekommen, daß Tupia in der Lage war, sich mit den Leuten an Land zu verständigen. Wir glaubten frei zu sein, als der Mann in den Püttings 17 Klafter meldete. Fast in demselben Augenblick stieß das Schiff gegen den Grund. Die Erschütterung jagte uns allen den größten Schrecken ein. Herr Banks, der im Begriff war ins Bett zu steigen, hörte »5 Klafter« melden. Der Felsen, auf den wir gerannt waren, lag zum Glück gegen den Wind. Infolgedessen wurde das Schiff gleich wieder abgetrieben, ohne den geringsten Schaden gelitten zu haben, und fiel in 20 Klafter. Mit dem von Nordwest kommenden frischen Winde liefen wir in die See[4].
Am 14. Januar 1770 befanden wir uns in einer Bai in der Nähe des Kaps Egmont (am Eingang der Cookstraße, direkt östlich vom Kap Kidnappers). Die Küste schien hier verschiedene Baien zu bilden; ich nahm mir vor, um das Schiff gründlich zu reinigen, in eine davon einzulaufen. In dieser Absicht lavierte ich die Nacht hindurch. Um 2 Uhr nachmittags erst kamen wir vor Anker. Unser Ankerplatz war etwa vier Kanonenschüsse von einem Hippäh entfernt, von dem einige Kähne gegen uns ausgesandt wurden. Die Mannschaft war gut bewaffnet. Mit den üblichen Herausforderungen rückten sie vor, bis es Tupia gelang, sie zu beruhigen, worauf ein alter Häuptling den Wunsch äußerte, zu uns an Bord zu kommen. Seine Landsleute wollten ihn mit Gewalt daran hindern, allein er entwand sich mit heiterm Mute ihren Händen und kam zu uns an Bord. Wir reichten dem alten Herrn die üblichen Geschenke, dann kehrte er in seinen Kahn zurück. Nach einem Freudentanz in allen Kähnen kehrte man in das Fort zurück, während wir landeten. Am nächsten Morgen kamen drei Kähne. Die Eingeborenen hatten ihre Weiber mitgebracht, die uns sehr lästig wurden; sie trugen einen aus Federn hergestellten Chignon, der das Haupt gänzlich bedeckte und es doppelt so groß erscheinen ließ, als es war. Nach Tisch fuhr ich mit den Herren Banks und Dr. Solander nach einer zwei Meilen entfernten Bucht. Unterwegs fanden wir eine Frauenleiche, die auf dem Wasser trieb. Als wir landeten, flüchtete eine indianische Familie, die sich an der Küste aufhielt. Es gelang Tupia, sie zu beruhigen. Wir erfuhren, daß die Tote nach Landesbrauch mit einem Stein in die See versenkt worden war; wenn wir die Leiche schwimmend angetroffen hätten, so müßte der Stein durch irgendeinen Zufall losgekommen sein. Die Wilden waren gerade beim Kochen. Als wir in einen der Körbe blickten, entdeckten wir zwei abgenagte Knochen darin, die unmöglich von einem Hunde sein konnten. Bei genauerer Besichtigung erkannten wir sie für Menschenknochen, was uns mit Schauder und Entsetzen erfüllte. Um allen Zweifeln ein Ende zu machen, ließen wir durch Tupia die Wilden fragen, was das für Knochen wären. »Die Knochen eines Mannes«, antworteten sie gleichgültig. »Aber warum habt ihr die Frau nicht gegessen?« — »Die Frau war eine Verwandte und ist an einer Krankheit gestorben. Wir essen nur die Leiber unserer Feinde.« Auf unsre Frage, wer der Mann gewesen sei, hörten wir, daß er zur Besatzung eines feindlichen Bootes gehörte. Einer von uns fragte, ob sie noch Menschenfleisch hätten. Sie verneinten. Als wir aber scheinbar zweifelten, daß es wirklich Menschenknochen wären, bejahten sie die Frage. Einer von ihnen nahm den Knochen, nagte daran herum und gab durch Gebärden zu verstehen, daß es vorzüglich gemundet habe. Dann gab er Banks den Knochen zum Andenken. In der Gesellschaft befand sich ein Weib, das sich aus Trauer den Körper auf entsetzliche Weise zerschnitten hatte; sie beklagte den Tod ihres Mannes, der sein Grab in den Mägen seiner siegreichen Gegner gefunden hatte.
Das Schiff lag kaum eine viertel Meile vom Land entfernt. Jeden Morgen wurden wir durch ein Vogelkonzert geweckt. Die Anzahl der gefiederten Sänger war unglaublich groß; sie wetteiferten förmlich miteinander. Und dieser Gesang war zauberhaft. Man glaubte lauter harmonisch abgestimmte Glöckchen zu hören; vielleicht wurde dieser Melodienzauber durch die Entfernung und das leise Rauschen des Meeres verschönert. Wir erfuhren von den Eingeborenen, daß die kleinen Sänger ihre Lieder immer zwei Stunden nach Mitternacht anstimmen und sie bis zum Sonnenaufgang in einer großen Symphonie ertönen lassen, dann aber wie unsre Nachtigallen schweigen.
Am Morgen kam ein kleiner Kahn, worin sich unser Freund, der alte Häuptling, befand. Tupia erkundigte sich bei ihm wegen der bei seinen Stammesgenossen herrschenden Gewohnheit, Menschenfleisch zu essen. Der Alte wiederholte und bestätigte alles, was wir gestern gehört hatten. »Aber wohin kommen die Köpfe? Freßt ihr die auch auf?« fragte Tupia. »Von den Köpfen essen wir nur das Hirn«, antwortete der Alte, und er versprach uns, bei einem späteren Besuch ein paar Schädel mitzubringen. Dann erzählte er Tupia, daß sie stündlich erwarteten, wegen der letzten Menschenfressereien von den Bluträchern ihrer Opfer überfallen zu werden. Wenige Tage später fiel uns auf, daß kein Kahn ans Schiff kam. Wir brachten dies mit den Kriegsbefürchtungen unsrer Nachbarn in Verbindung und beobachteten daher mit unsern Ferngläsern den Kriegsschauplatz, entdeckten aber nicht das geringste. Unsre Leute fanden in diesen Tagen im Walde drei menschliche Hüftknochen neben einer Backgrube der Wilden und brachten uns diese Knochen als weitern Beweis des hier üblichen Kannibalismus. Herr Monkhouse fand in einem verlassenen Dorfe den Skalp eines Mannes.
Am 19. stellten wir die Schmiede auf, um unser Schiff auszubessern, das wir zu diesem Zweck auf die Seite legten. Am 20. kam der alte Herr und brachte vier Köpfe mit. Haar und Fleisch der Köpfe waren unversehrt, das Gehirn war herausgenommen. Banks konnte nur einen derselben erhandeln; wahrscheinlich bewahren diese Kannibalen die Köpfe ihrer Opfer als Siegeszeichen auf, denn das Fleisch schien präpariert zu sein. Durch einen Schlag gegen die Schläfe war der Schädel geöffnet worden, wie der Augenschein bewies. Am nächsten Tage fingen die Herren Banks und Solander so viele Fische, daß die ganze Mannschaft damit beköstigt werden konnte. Am 24. statteten wir unsern Nachbarn im Hippäh einen Besuch ab. Sie empfingen uns mit der größten Ehrerbietung und zeigten uns ihre Wohnungen, die nicht nur bequem, sondern auch sehr reinlich waren. Auch boten sie uns Menschenknochen zum Kauf an. Weil wir alle diese »Andenken« als Beweisstücke ihrer Verirrung kauften, so wurden ihnen Menschenknochen zum Handelsartikel. In dem Dorfe fanden wir ein Kreuz angebracht, das mit Federn verziert war. Man sagte uns, daß man es zum Andenken an einen fremden Mann errichtet habe. Da wir wußten, daß sie ihre Toten nicht begraben, so wollten wir Näheres wissen, aber sie verweigerten jede weitere Auskunft. Am 25. machte ich mit den Herren Banks und Dr. Solander einen Ausflug, wobei wir nomadisierenden Fischern, Männern, Frauen und Kindern, begegneten. Wir beschenkten sie mit Bändern und Glaskorallen und wurden dafür geherzt und geküßt. Am 26. errichteten wir auf einem Berge eine Steinpyramide, in der wir einige europäische Artikel vergruben, um dadurch anzukünden, daß wir die ersten Europäer in dieser Gegend waren. Später besuchten wir ein Felsenhippäh von hundert Häusern. Wir beschenkten deren Bewohner mit allerlei Kleinigkeiten, wofür sie uns die Boote mit getrockneten Fischen füllten, wovon sie große Vorräte angesammelt hatten. Am 27. und 28. reparierten wir unser Schiff. Am 29. kam Topaa, unser alter Herr, mit drei Eingeborenen. Am 30. ließ ich auf einer benachbarten Insel Sellerie einsammeln. Als unsre Leute dort erschienen, setzten sich mehrere Frauen in ihre Nähe und begannen sich Arme, Beine, Busen und Gesicht mit scharfen Muscheln zu zerfetzen, aus Trauer darüber, daß die Feinde vor einigen Tagen ihre Männer getötet und gefressen hätten. Den übrigen Eingeborenen schien diese Szene ziemlich gleichgültig zu sein. Ich ließ durch den Schiffszimmermann auf dem höchsten Berg einen Pfosten errichten, an dem ich die englische Flagge hißte, und beauftragte gleichzeitig den alten Topaa, Gegenstände, die ich ihm gab, in Verwahrung zu nehmen und sie bei Gelegenheit dem Europäer, der nach uns hierherkommen sollte, als Beweis dafür zu zeigen, daß wir vor ihm dagewesen seien. Gleichzeitig taufte ich die Gegend »Königin-Charlotten-Sund« und ergriff von ihr im Namen König Georgs III. Besitz. Topaa sagte mir, daß der Kanal eine östliche Ausfahrt habe. Am 5. Februar endlich konnten wir die Anker lichten, wir mußten aber bald wieder beilegen; am 6. erst erhielten wir günstigen Wind, und ich steuerte in die Straße[5], in der wir einen erstaunlich hohen, mit Schnee bedeckten Berg erblickten. Bald waren wir am Endkap der Straße angelangt, das ich einem alten Freunde, dem Kapitän Palliser, zu Ehren das Kap Palliser nannte. Am 9. Februar 1770, morgens um 11 Uhr, sahen wir Kap Turnagain ungefähr 7 Seemeilen weit von uns in Nord gen Ost halb Ost liegen. Ich rief die Offiziere auf Deck und konstatierte, daß Eaheinomauwe, wie die Eingeborenen das nördliche Neuseeland nennen, eine Insel sei und wir sie erstmals umschifft hätten. Da nun alle Zweifel gehoben waren, so richteten wir unsern Lauf hart am Winde gegen Osten hin. Um 4 Uhr des Nachmittags steuerten wir unsern Kurs gen Südwest.
[3] Diese Vorliebe für Papier scheint auf Neuseeland, denn um dieses handelt es sich oben, traditionell zu sein. Ein neuseeländischer Häuptling sagte einmal zu dem Forscher Earle, indem er den Geschmack von Menschenfleisch rühmte: »Menschenfleisch ist weich wie Papier!«