Am 20. wurden der Pulvervorrat und der Steinballast ans Land geschafft. Dadurch wurde das Schiff so erleichtert, daß es vorne nur noch 8 Fuß 10 Zoll und hinten 13 Fuß tief im Wasser lag. Ich ließ dann die Kohlen vom Vorderteil des Schiffes, um diesen zu heben, nach dem Hinterteil verbringen. Dabei zeigte sich, daß das Leck unter dem Kohlenraum war; wir konnten hören, daß das Wasser ein wenig hinter dem Fockmast, ungefähr drei Fuß vom Kiel entfernt, hereinschoß.

Ich mußte mich also dazu bequemen, den ganzen Schiffsraum leeren zu lassen. Am 21. nachmittags um 4 Uhr war diese Arbeit geschehen, worauf wir das Schiff an Seilen an eine Stelle hinzogen, wo es meines Erachtens am bequemsten ans Land gelegt und das Leck verstopft werden konnte. Vorne lag es nunmehr 7 Fuß 9 Zoll, hinten 13 Fuß 6 Zoll tief im Wasser. Um 8 Uhr während der Flut ließ ich das Vorderteil herumwenden und fest aufs Ufer ziehen. An verschiedenen Stellen des Schiffsbodens entdeckten wir glatte Löcher; das Hauptleck aber war merkwürdigerweise durch den Felsen, der es verursacht hatte, wieder verstopft worden, indem das betreffende Stück vom Felsen abgebrochen und zum Glück für uns in dem Loche steckengeblieben war.

Wir fanden bei dieser Untersuchung aber auch, daß die Fütterung diejenigen Ritzen des Lecks, die das Felsenstück offengelassen hatte, größtenteils verstopft hatte. Wir waren also wie durch ein Wunder gerettet worden, denn das Leck war so groß, daß uns ohne diese glücklichen Umstände alle Schiffspumpen der Welt nicht vor dem Untergang gerettet hätten. Bei der ferneren Besichtigung entdeckten wir noch, daß das Schiff auch sonst an seinem Boden beträchtlich Schaden genommen hatte; vom Afterkiel fehlte ein Teil, auch waren Vordersteven und Hauptkiel stark beschädigt. Das Hinterteil des Schiffes schien nicht viel gelitten zu haben.

Um 9 Uhr gingen die Zimmerleute und Schmiede an ihre Arbeit, während die Seesoldaten zur Taubenjagd abkommandiert wurden. Bei dieser Gelegenheit entdeckten sie das Känguruh und, was für uns momentan wichtiger war, einen Quellbach mit frischem Wasser. Mit dem großen Netze fingen wir, obschon die See im Hafen von Fischen wimmelte, nur drei Fische. Der Zimmermann war mit den Ausbesserungen an der Steuerbordseite fertig; wir neigten also das Schiff auf die andre Seite und zogen es aus Furcht, es möchte auf dem Grunde sitzen bleiben, 2 Fuß tiefer ins Wasser. Am Abend erzählte ein Matrose, er hätte den Teufel gesehen, und er beschrieb uns eine — Riesenfledermaus.

Am 24. besserten die Schiffszimmerleute die Haut (d. i. die äußeren Bretter) unter dem Backbordbug aus, und da fand sich denn, daß auch zwei von den innern Planken durchgerieben waren. An diesem Tage sah ich zum ersten Mal ein Känguruh. Ich ließ während der Ebbe das Hinterteil des Schiffes untersuchen. Dabei stellte es sich heraus, daß die Haut durchgescheuert und der innere Boden gefährdet war. Dem konnte aber nur durch eine gründliche Ausbesserung im Dock, wozu wir leider nicht in der Lage waren, abgeholfen werden; ich veranlaßte daher die möglichen Notausbesserungen. Der 25. wurde zum Wassereinnehmen, zur Besichtigung der Taue usw. bestimmt. Auch wurden die Schiffszimmerleute an diesem Tage mit ihren Arbeiten fertig.

Die Herren Banks und Dr. Solander benützten diesen Tag zu botanischen Exkursionen im Walde; sie entdeckten dort Kohlbäume, Kokos und einen Wildrenettenapfel, der nach Lagerung von einigen Tagen eßbar wurde und wie eine mittelmäßig gute Pflaume mundete. Am folgenden Morgen fingen wir an, das Hinterteil des Schiffes zu entlasten. Der Schmied fuhr unverdrossen in seiner Arbeit fort, während der Zimmermann das Schiff kalfaterte. Am Vormittag ruderte ich in der Pinasse den Hafen hinauf, um zu fischen; ich fing aber nur 20–30 Fische, die ich an die Kranken und Rekonvaleszenten austeilte. Die nächsten Tage war der Fischfang so ergiebig, daß auf jeden Mann etwa 5 Pfund Fische kamen. Die eingesammelten Gemüse ließ ich mit Erbsen kochen; dieses Gericht in Verbindung mit delikat zubereiteten Fischen war uns allen ein kulinarischer Genuß ersten Ranges.

Am 1. Juni gab ich dem ganzen Schiffsvolk Landurlaub. Die Ausflügler sahen wohl viele Tiere, konnten aber keines erlegen. Da ich bei einem Ausflug auf den an der südlichen Landspitze gelegenen Berg die Küste mit Bänken und Untiefen wie besät fand, so erteilte ich dem Steuermann den Auftrag, die Untiefen zu untersuchen und zu sondieren, ob es gegen Norden nicht einen Kanal gebe, in dem wir sicher auslaufen könnten. Auch an diesem Tage bekamen wir das Schiff trotz angestrengtester Versuche nicht flott. Der Steuermann dagegen brachte gute Nachricht zurück; er hatte tatsächlich einen Kanal zwischen den Untiefen entdeckt, der nach der hohen See führte. Die Bänke bestanden aus Korallenfelsen; viele davon waren, wie er mir erzählte, während der Ebbe außer Wasser. Er selbst war auf eine solche Klippe gestiegen und hatte dort eine Anzahl großer Muschel- und Schalentiere gesammelt, die so groß waren, daß von einem solchen Tiere zwei Mann mehr als satt wurden. Er erzählte, daß er in einer Bai im Norden, drei Seemeilen von uns entfernt, einige Eingeborene bei der Abendmahlzeit überrascht hätte, die bei seinem Erscheinen sofort geflohen wären.

Am nächsten Tag endlich gelang es uns, das Schiff flottzubekommen. Da jedoch gleichzeitig eine Planke zwischen den Verdecken losriß und dieser Schaden sofort ausgebessert werden mußte, so mußten wir das Schiff wieder ans Land legen. Am nächsten Morgen ließ ich den Ballast im Schiff wieder segelrecht verteilen, und am Nachmittag ließ ich das Schiff selbst mit Hilfe der Flut auf eine Sandbank legen und während der Ebbe ausbessern, worauf es zur Flutzeit wieder flottgemacht wurde. Wir machten es dann segelfertig. In dieser Zeit fand Herr Banks am Strand eine Menge angeschwemmter Früchte. Am 6. unternahm er mit Herrn Gore und drei Matrosen einen größern Ausflug, von dem er erst am 8. nachmittags zurückkehrte. Während der Nacht waren die Ausflügler derart von Moskitos geplagt worden, daß sie nicht schlafen konnten. Kurz nach Anbruch des Tages erblickten sie einige Känguruhs. Zu Mittag kehrten sie nach dem Boote zurück und ruderten darin weiter in das Revier hinauf. Als sie am Abend nach einem Lagerplatz Umschau hielten, sahen sie in der Nähe Rauch aufsteigen. Sie eilten sofort darauf zu, fanden aber niemand mehr an dem Feuer. Ärgerlich darüber, daß die Wilden, mit denen sie gerne zusammengetroffen wären, entflohen waren, kehrten sie zu der Sandbank zurück, auf der sie sich sorglos niederlegten, ohne im geringsten an die Möglichkeit zu denken, daß die Wilden sie beschleichen und im Schlafe ermorden könnten. Im Gegenteil, sie schliefen, todmüde wie sie waren, fest bis tief in den Morgen und kehrten dann, weil das Land dem Ansehen nach nicht viel versprach, nach dem Schiffe zurück. Kurz nach ihnen traf auch der Steuermann ein und brachte drei große Schildkröten mit, die zusammen fast acht Zentner wogen.

[6] Die Ostküste von Australien.

Elftes Kapitel.