Am 26. Januar steuerten wir vom Kap Horn ab. Am 13. Februar befanden wir uns 12° westwärts von der Magelhaensstraße. Erst am 4. April sichtete Peter Briscoe, ein Diener Banks', im Süden Land. Ich richtete sogleich meinen Kurs dahin und fand, daß es sich um eine eiförmige Insel handelte, in deren Mitte sich eine Lagune befand. Ich taufte sie deshalb die Laguneninsel. Die kupferfarbigen Bewohner dieser Insel sammelten sich am Strande und trugen große Spieße, mit denen sie aufgeregt hin und her liefen. Um ein Uhr steuerten wir nach Nordwesten und entdeckten eine neue Insel, die ich Thrumbkap nannte. Um drei Uhr fanden wir eine armbrustartige Insel, die bewohnt war; ich hieß sie die Bow-Insel, Bogen-Insel. Am 6. entdeckten wir verschiedene Eilande, die ich die »Gruppen« nannte, am 7. die Vögelinsel, am 8. die Ketteninsel, am 10. Maitea, die Kapitän Wallis zuerst entdeckt und die Osnabrückinsel genannt hatte. Am folgenden Morgen früh entdeckten wir Otahiti. Um 11 Uhr waren wir so nahe, daß verschiedene Kähne mit Eingeborenen, die Palmzweige mit sich führten, uns anliefen und uns die Zweige als Friedenszeichen überreichten. Am nächsten Morgen um 7 Uhr gingen wir in der Port Royal Bai, die von den Eingeborenen Matavai genannt wird, vor Anker. Die Eingeborenen umringten das Schiff sofort mit ihren Kähnen und brachten uns Kokosnüsse, Äpfel, Brotfrüchte und Fische, die sie uns für Glaskorallen und andere Kleinigkeiten überließen. Unter ihnen befand sich Owhah, ein alter Häuptling, den die früheren Begleiter des Kapitäns Wallis, Herr Gore und andere, die mich auf meiner Reise begleiteten, sofort erkannten. Ich lud den alten Herrn an Bord und machte ihm einige Geschenke. Zugleich ordnete ich durch einen Befehl den Verkehr meiner Leute mit den Eingeborenen, um Preisdrückereien und anderem vorzubeugen. Hauptsächlich untersagte ich, daß Waren gegen irgend etwas anderes als Lebensmittel umgetauscht werden sollten.
Sobald das Schiff gehörig gesichert war, ging ich mit den Herren Banks und Dr. Solander unter dem Schutze einer Abteilung Seesoldaten mit unserm Freunde Owhah an Land. Die zahlreich versammelten Eingeborenen ließen uns grüne Zweige überreichen und erzeigten uns große Ehrfurcht. Am nächsten Tage kamen zwei Häuptlinge an Bord und wählten Herrn Banks und mich mit großem Zeremoniell zu ihren Freunden. Mataha lud uns dann zu sich ein. Weil ich einen bequemeren Hafen zu finden hoffte, ließ ich zwei Boote aussetzen und ging mit Banks, Dr. Solander und den andern Herren in Gesellschaft unsrer beiden indianischen Freunde an Bord, um unter der Führung der letzteren die Reise anzutreten. Als wir eine Seemeile weit gerudert waren, winkten uns die Häuptlinge an Land zu steuern. Der Zulauf des Volkes war so groß, daß wir uns bald von etlichen hundert Personen umringt sahen. Man geleitete uns sofort in ein stattliches Haus, wo uns Tootahah, der Regent des Landes, begrüßte und mit dem Geschenk wohlriechender Tücher bedachte. Das Tuch, das er Herrn Banks überreichen ließ, war 33 Fuß lang und 6 Fuß breit. Herr Banks erwiderte das Geschenk mit einem seidenen Spitzenhalstuch und mit einem Taschentuch. Tootahah legte den neuen Staat mit stolzer und selbstgefälliger Miene an. Doch es ist Zeit, daß ich auch die Damen erwähne, die uns nach unserer Verabschiedung von dem Oberhäuptling in ihre Häuser geleiteten. Sie erwiesen uns alle Aufmerksamkeiten und schienen auch kein Bedenken zu tragen, ihre Gefälligkeiten allenfalls noch weiter zu treiben. Die Häuser hatten keine Seitenwände, man blieb also niemals ungesehen. Das hinderte die Schönen nicht, auf die Matten zu deuten, sich niederzulassen und uns zu sich hinabzuziehen. Wir beurlaubten uns jedoch von ihnen und gingen der Küste entlang. Unterwegs begegnete uns der Häuptling Tubourai Tamaide an der Spitze seiner Leute. Wir schlossen sofort einen Friedensvertrag mit ihm ab und folgten dann seiner Einladung zu einem Imbiß.
Während der Tafel erzeigte eine von den Gemahlinnen des Häuptlings, die Tomio hieß, Herrn Banks die Ehre, sich dicht neben ihn zu setzen. Tomio war nicht mehr in der Blüte ihrer Jugend und Schönheit. Aus diesem Grunde bezeigte ihr auch Herr Banks keine besonderen Aufmerksamkeiten. Als ihm unter den Umstehenden ein sehr schönes Mädchen in die Augen fiel, winkte er sie heran. Die Schöne zierte sich anfänglich, folgte dann aber der Einladung. Nun beschenkte sie Banks mit Glaskorallen und anderen Kleinigkeiten. Tomio war zwar etwas beleidigt, aber sie blieb ebenso aufmerksam und höflich gegen ihren Gast wie zuvor. Diese Szene hätte wohl noch interessanter und rührender werden können, wäre sie nicht durch einen ernsten Zwischenfall gestört worden. Dr. Solander und Herr Monkhouse machten nämlich die unangenehme Entdeckung, daß sie bestohlen worden waren, und zwar war ersterer um ein kleines Taschenperspektiv und letzterer um seine Schnupftabaksdose bestohlen. Dieser Diebstahl verdarb allen die gute Laune. Die Herren beschwerten sich bei dem Häuptling. Und um der Beschwerde mehr Nachdruck zu geben, sprang Herr Banks auf und stieß mit drohender Gebärde den Kolben seiner Büchse auf den Boden, wodurch er der ganzen Gesellschaft einen solchen Schrecken einjagte, daß sie Hals über Kopf zum Hause hinauslief. Dem Häuptling gelang es binnen kurzem, die gestohlenen Gegenstände herbeizuschaffen und ihren rechtmäßigen Eigentümern auszuhändigen, worauf wir versöhnt nach dem Schiffe zurückkehrten.
[1] Cook wurde von dem ungebildeten Vizekönig, der sich den Durchgang der Venus als den »Durchgang des Nordsterns durch den Südpol« erklärte, aufs äußerste schikaniert, als Feind behandelt, scharf bewacht und in jeder Weise aufgehalten.
[2] Die »Weißen« galten den Mexikanern nicht als die Repräsentanten der guten Götter, sondern als die des Dämons. Als solche galten auch Cook und seine Leute den Feuerländern, deren primitive Religion in der Versöhnung des Bösen bestand, da ja das Gute nicht zu fürchten war.
Zweites Kapitel.
Die Bewohner von Tahiti. — Ihre Stehlsucht. — Wir bauen ein Fort. — Lustbarkeiten. — Oberea, die Königin, und ihr Günstling. — Tootahah, der Regent. — Ringkämpfe. — Seltsame Besuchssitte. — Freie Liebe.
Am nächsten Tage ging ich mit den Herren Banks, Dr. Solander und Green an Land, um dort einen Platz für ein kleines Fort und unsre Sternwarte aufzusuchen. Wir waren bald über den Platz schlüssig und steckten auf der nordöstlichen Spitze der Bai die Grenzen ab, wo wir auch ein Herrn Banks gehöriges Zelt aufschlugen. Wie bei allem, was wir taten, so versammelte sich auch diesmal eine große Menge Zuschauer um uns, die ohne Waffen gekommen waren. Unter ihnen befand sich auch Owhah, dem ich durch Zeichen verständlich zu machen suchte, daß wir den Platz, den wir abgesteckt hatten, nicht für immer, sondern nur für die Zeit unseres Aufenthalts beanspruchten. Ich kann nicht sagen, ob er mich verstanden hat. Die Eingeborenen betrugen sich zu meiner Freude gefällig und ehrerbietig; sie hockten ganz friedfertig außerhalb des abgesteckten Kreises nieder und schauten uns zu, solange wir arbeiteten.
Wir beschlossen, obwohl uns Owhah durch Zeichen abriet, uns im Innern des Waldes umzusehen. Wir ließen unsere Seesoldaten unter dem Befehl eines Unteroffiziers zur Bewachung des Zeltes zurück und begaben uns in Begleitung einer großen Anzahl Eingeborener in den Wald. Als wir über einen kleinen Fluß setzten, flogen einige Enten auf. Banks schoß und erlegte drei Stück davon. Der Schuß jagte den Eingeborenen einen solchen Schrecken ein, daß die meisten wie vom Blitz getroffen zu Boden fielen; doch sie erholten sich bald von ihrer Furcht, und wir setzten unsere Reise fort. Plötzlich fielen zwei Schüsse in der Richtung des Zeltes. Wir brachen in großer Besorgnis so schnell als möglich dorthin auf und fanden den Platz um das Zelt von den Eingeborenen geräumt. Der wachhabende Unteroffizier meldete, daß einer der Indianer dem Posten das Gewehr entrissen habe und damit entflohen sei. Man habe ihn verfolgt und erschossen, sonst sei niemand getötet oder verwundet worden. Wir rechtfertigten Owhah und den Häuptlingen gegenüber das Vorgehen unserer Leute und bedeuteten ihnen, daß wir niemand ein Leid zufügen würden, der uns und unsere Leute in Frieden lasse. Wir brachen hierauf das Zelt ab und gingen ärgerlich über den Vorfall an Bord.