„Ein Untier, ein lusus naturae, ein ganz unerhörtes Geschöpf!“ rief der Doktor. „Ein Tier mit fürchterlichen Augen und von einer Farbe, von einer Farbe, die —“
„Zeigt mir Euer Untier,“ unterbrach ihn der alte Jäger, in das Dickicht eindringend; „wenn's eine Schlange ist, dann wollen wir ihr bald die Wege weisen.“
Der Doktor schlüpfte hinter ihm her. „Da,“ flüsterte er, ängstlich auf einen Blätterhaufen deutend, „da liegt das Tier!“
Ruhig wendete der Alte den Blick nach der angegebenen Richtung. Teilweis von den dürren Blättern verhüllt, zeigte sich dort ein rundlicher Gegenstand, gleichsam ein lebendiger Ball mit unheimlich funkelnden Augen und dabei so bunt, daß er alle Regenbogenfarben aufzuweisen schien. Ein Basilisk war's nicht, auch nicht eine Schlange, das erkannte der Doktor jetzt aus den Worten, die der Trapper an das Wesen mit den glitzernden Augen richtete.
„Komm heraus aus deiner Deckung, Freund,“ sagte der Alte, der die Büchse schußfertig in den Händen hielt, in der Dakotasprache, „die Prärie hat Raum auch noch für einen anderen Krieger.“
Die Augen des Balles, der nichts anderes war als der glattgeschorene Kopf eines Indianers, funkelten wilder, aber der am Boden Liegende rührte sich nicht.
Der Trapper lächelte still vor sich hin und untersuchte das Pulver auf der Pfanne. Dann erhob er ganz langsam die Waffe, drückte die Wange an den Kolben und zielte auf die glitzernden Augen.
„Ich bin für den Frieden, Freund,“ sagte er dabei, „aber auch für Krieg, ganz wie du willst ... Ich sehe, daß ich mich geirrt habe,“ fuhr er fort. „Das ist kein Mensch; na, wenn ich jetzt in den Blätterhaufen hineinfeuere, dann geschieht wenigstens kein Unglück.“
Noch eine Sekunde — da raschelten die Blätter, und ein hochgewachsener Indianer stand mit einem Sprunge auf seinen Füßen, in der Linken den Bogen, in der Rechten den leichten Speer. „Hugh!“ rief der rote Krieger leise.
Der Trapper überzeugte sich mit schnellem Blick, daß nicht noch andere Rothäute in der Nähe waren, dann schritt er mit friedfertig ausgestreckter Hand dem Indianer entgegen, der keine Spur von Erregung zeigte.