Der Wilde hatte sich längst im stillen darüber gewundert, was die Weißen, aller Kriegersitte zuwider, mit ihren Weibern in die Prärie geführt haben konnte. Zum Kampfe konnten sie nicht ausgezogen sein. Er hatte davon gehört, wie die Menahascha oder Langmesser — die Yankees — von den Wascheomantiqua oder Spaniern das weite Gebiet gekauft hatten, in welchem sein Volk seit der grauen Vorzeit frei und unbehelligt herumgeschweift war. Seinem einfachen Verstande war es unbegreiflich geblieben, wie es zuging, daß eine Nation eine solche Gewalt über die Besitztümer einer anderen Nation erlangen konnte, und zwar auf friedlichem Wege; daher kam ihm jetzt, bei den Worten des Trappers, der Gedanke, daß Zauberei dabei im Spiel gewesen sein könnte, und daß diese Bleichgesichter sich vielleicht aufgemacht hätten, um durch Anwendung übernatürlicher, unheimlicher Kräfte ihre habsüchtigen Zwecke noch weiter zu fördern. Da er nun aber, wie alle seinesgleichen, im höchsten Grade abergläubisch war, gab er alle Zurückhaltung auf, ließ allen Stolz fahren und zeigte sich als das unwissende Naturkind, das er in Wirklichkeit war.
„Möge mein Vater mich anschauen!“ sagte er, bittend die Hände ausstreckend. „Ich bin ein wilder Mann der Prärie, mein Leib ist nackt, meine Hände sind leer, meine Haut ist rot. Ich habe die Pawnees bekämpft, die Omahaws, die Konzas, ja, auch die Langmesser. Unter Kriegern bin ich ein Mann, unter Zauberern aber nur ein Weib. Mein Vater möge reden; die Ohren des Teton sind offen. Er lauscht wie ein Hirsch auf den Tritt des Kuguars.“
„Gott verzeihe mir, daß ich mit der Unwissenheit dieses armen Heiden mein Spiel treibe,“ murmelte der Trapper vor sich hin; „es geschieht aber, um Menschenleben zu retten und die Teufeleien der Bösen zu vereiteln ... Teton,“ fuhr er in der Indianersprache fort, „ich frage dich, ist jener nicht ein großer Zauberer? Wenn die Dakotas weise sind, dann hüten sie sich, seine Kleider anzurühren und dieselbe Luft mit ihm zu atmen. Sie wissen sehr wohl, daß der böse Geist Wakonschecheh seine Kinder liebt und nicht zugibt, daß ihnen ein Leid geschieht.“
Diese mit feierlichem Ernst gesprochenen Worte hatten zur Folge, daß der Krieger nicht nur sogleich sein Pferd aus der gefährlichen Nähe trieb, sondern auch das Gehörte den Genossen mitteilte. Es währte gar nicht lange, da war der ganze Nachtrab, unter dem der Doktor sich befunden hatte, nach vorn geeilt, so daß der große Medizinmann sich mit dem alten Jäger allein befand.
„Seht Ihr den funkelnden Stern dort, im Norden, etwa vier Büchsenlängen über dem Horizont?“ sagte jetzt der letztere zu Obed Bat.
„Den da? Der gehört zu der Konstellation —“
„Haltet den Mund von Eurer Konstellation, Mann! Ob Ihr den Stern seht, will ich wissen; ja oder nein.“
„Ja.“
„Gut. Sobald ich Euch allein lasse, bleibt Ihr auf dem Flecke halten, bis die Wilden Euch aus dem Gesicht sind. Dann empfehlt Ihr Euch dem Himmel und reitet davon, immer auf jenen Stern zu. Verstanden? Jeder Zoll Weges, den Ihr zurücklegt, bedeutet einen Tag längeres Leben für Euch, vergeßt das nicht.“
Ohne eine Antwort abzuwarten trabte der alte Jäger den anderen nach, und bald befand er sich wieder in der Mitte des Haufens. Kaum hatte Mahtoree ihn erspäht, als er auf ihn zukam.