„Heran, Ismael, mein Mann!“ schrie oben die unverwüstliche Squatterfrau. „Heran, das rothäutige Gesindel zu züchtigen, das dir all dein Eigentum samt Frau und Kindern rauben will!“

Aus der Ferne erscholl ein mächtiger, antwortender Ruf, der weiblichen Besatzung verkündend, daß Hilfe im Anzuge war. Esther erhob mit triumphierendem Geschrei die Arme, deutlich zeichnete sich ihre Gestalt gegen den roten Feuerschein ab — da tauchte hinter ihr der Häuptling Mahtoree auf, gefolgt von dreien seiner Krieger. Im nächsten Augenblick lagen die mutigen Frauenzimmer gefesselt und wehrlos am Boden, die Schar der Sioux aber brach in ein ohrzerreißendes Freudengeheul aus.

Von den Wilden unbeachtet lösten sich zur selben Zeit drei Pferde von dem Reiterknäuel los; sie entfernten sich zuerst im Schritt, bald aber griffen sie aus und jagten mit Sturmeseile über die Ebene dahin; sie trugen unsere Freunde, den Trapper und die beiden Paare, Paul und Ellen, Middleton und Inez.

Fort ging es, so schnell die Pferde laufen konnten, immer in der Richtung auf den Nordstern zu. Nachdem man bereits eine tüchtige Strecke hinter sich gebracht hatte, erspähte Pauls scharfes Auge einen dunkeln Gegenstand etwas abseits von der Richtung; er machte den Trapper darauf aufmerksam, in der Meinung, daß es ein kranker Büffel, vielleicht auch ein Stück von Ismaels geraubtem Vieh sei. Man ritt vorsichtig herzu.

„Wenn es kein Ding der Unmöglichkeit wäre,“ rief der Trapper plötzlich, „dann würde ich sagen, daß wir hier nichts anderes als den Mann vor uns haben, der nach Insekten und Eidechsen sucht, unseren Freund, den Doktor!“

„Warum ein Ding der Unmöglichkeit?“ fragte Middleton. „Hattet Ihr ihm denn nicht dieselbe Richtung angegeben, die auch wir verfolgen?“

„Freilich, aber ich hieß ihn nicht, aus seinem Esel einen Schnelläufer zu machen, der selbst ein Pferd übertrifft. Was doch die Furcht nicht alles zuwege bringt! Heda, Freund Doktor, wie habt Ihr es fertiggebracht, vor uns hier zu sein? Euer Esel ist wahrhaftig ein Wundertier!“

„Mein Asinus ist hin!“ antwortete Obed Bat trauervoll. „Er ist wahrlich nicht träge gewesen, jetzt aber weigert er sich, auch nur noch einen Schritt zu tun. Da liegt er. Es droht gegenwärtig doch keine Gefahr von seiten der Wilden?“

„Das weiß ich nicht. Die Sache steht schlecht zwischen dem Squatter und den Tetons, auch kann ich keine Bürgschaft für die Sicherheit unserer Skalpe übernehmen. Euer Esel ist über seine Kräfte angestrengt worden, das war weder menschlich noch weise von Euch; was wolltet Ihr beginnen, wenn Euer Leben jetzt von der Fortsetzung des Rittes abhinge?“

„Ihr zeigtet mir doch den Stern —,“ wendete der kleine Mann schüchtern ein.