„Sagte ich Euch etwa, Ihr solltet den Stern heute noch erreichen? Geht! Ihr schwatzt viel gelehrtes Zeug über die Geschöpfe Gottes, aber Ihr seid unwissend wie ein Kind, wenn es sich um die Kenntnis ihrer Gaben und Instinkte handelt. Was sagt Ihr, Hauptmann Unkas — wir müssen entweder diesen Mann im Stich lassen, oder aber so lange Unterschlupf suchen, bis sein Esel sich wieder erholt hat.“

„Ehrwürdigster Jäger!“ rief der geängstigte Obed. „Ich beschwöre Euch bei allem, was uns gemeinschaftlich heilig ist, und das ist doch nicht wenig —“

„Fürchtet nichts,“ unterbrach ihn der Trapper. „So alt ich geworden bin, habe ich noch keinen Bruder in der Not verlassen, und mit Euch werde ich sicherlich nicht den Anfang machen.“

Man überlegte und kam überein, den Esel so zu fesseln, daß er sich nicht entfernen konnte, und ihn dann hier zurückzulassen, wo er Gras in Fülle hatte und sich erholen konnte. Nach des alten Jägers Berechnung war man bis jetzt ungefähr zwanzig englische Meilen geritten, und da Frau Inez über Erschöpfung klagte, so beschloß man, in einiger Entfernung von dieser Stelle, an einem Orte, wo das Gras so hoch stand wie Schilfrohr, und wo der Trapper früher bereits mehrmals ein sicheres Versteck vor den Indianern gefunden hatte, Rast zu machen.

Langsam ritten die Flüchtlinge diesem Ziele zu; der alte Jäger war abgestiegen, um die Spuren der Pferde nach Möglichkeit unkenntlich zu machen. Auf dem von ihm bezeichneten Platze angelangt, schaffte man sich durch Entfernung des Grases eine Klärung und richtete auf derselben die Lagerstätten her, die von Middleton, Paul Hover und den Frauen sogleich aufgesucht wurden, während der Trapper und der Doktor sich ein wenig abseits niederließen, um einige Schnitte von dem Reste des Büffelhöckers als Abendmahlzeit zu vertilgen.

Am folgenden Morgen ging die Sonne hinter einem seltsamen, dichten und mißfarbenen Dunste auf, dessen Ursache Paul und der Hauptmann sich nicht zu erklären vermochten. Der Trapper jedoch blieb nicht lange darüber im Zweifel.

„Das ist Feuer!“ rief er. „Die Prärie brennt! Die roten Teufel haben sie in Brand gesteckt, um uns zu vernichten!“

„Gott sei uns gnädig!“ sagte Middleton entsetzt. „Wir müssen fliehen, wir haben keine Sekunde zu verlieren!“

Damit wollte er auf seine Frau zueilen. Der Alte aber hielt ihn zurück.

„Wohin wollt Ihr fliehen?“ versetzte er ruhig. „Selten ist eine Gefahr so dringend, daß man nicht noch Zeit hätte, sie recht zu erwägen und ins Auge zu fassen. Kommt mit mir auf jenen kleinen Hügel, von wo wir die Ebene überschauen können.“