Obgleich der Pawnee seine und seines Pferdes Kraft auf das äußerste anstrengte, so verringerte sich die Entfernung zwischen den Flüchtlingen und den Verfolgern dennoch von Minute zu Minute. Am jenseitigen Ufer erschienen jetzt Middleton und der Bienenjäger, die ihre Schutzbefohlenen in einem kleinen Dickicht untergebracht hatten.
„Zu Pferde!“ rief ihnen der Trapper zu. „Macht, daß ihr mit den wehrlosen Frauen davonkommt, und laßt uns in der Hand des allmächtigen Gottes!“
„Ei was, bückt Euch lieber, alter Freund!“ rief Paul Hover zurück. „Bückt Euch tief in den Kahn hinein; der rote Satan ist gerade hinter Euch, und Euer Kopf verbirgt mir das Ziel! Bückt Euch, sage ich, und gebt den Weg frei für eine Kentuckykugel!“
Der Greis blickte schnell hinter sich und gewahrte ganz in der Nähe den wilden Mahtoree, der in seiner Ungeduld allen anderen vorausgeeilt war. Er bückte sich, und des Bienenjägers Büchse krachte. In demselben Moment aber hatte der Häuptling sich auch schon vom Pferde herab und ins Wasser geworfen; das Tier aber, von der Kugel getroffen, bäumte sich hoch auf und trieb dann mit dem reißenden Strome fort, das Wasser mit seinem Blute färbend.
Wohl schwang sich der Häuptling zu einem seiner Krieger auf das Roß, der Schuß aber hatte den Eifer der Tetons gedämpft; sie kehrten eiligst zum Ufer zurück, so daß die Verfolgten in Ruhe den jenseitigen Strand erreichen konnten.
„Schnell zu Pferde!“ war hier des Trappers erstes Wort an Middleton und den seines erfolgreichen Schusses sich höchlichst freuenden Paul. „Reitet nach jenem Hügel; hinter demselben findet ihr einen zweiten Strom, in dessen Wasser ihr den Weg fortsetzen müßt, bis ihr zu einer sandigen Ebene gelangt; dort wartet auf uns. Der Pawnee, mein tapferer Freund Obed Bat und ich, wir halten den Strand hier noch eine Weile schon allein dadurch, daß wir uns und diese lange Büchse den Tetons zeigen.“
Die beiden Männer folgten ohne Einrede; sie saßen auf, nahmen die Frauen hinter sich und waren bald hinter dem Hügel verschwunden. Drüben gewahrte man die Schar der Tetons und in ihrer Mitte den Häuptling Mahtoree, der ab und zu drohend den Arm gegen die drei Wächter auf dem diesseitigen Ufer schüttelte. So vergingen etwa dreißig Minuten, dann erhoben die Tetons ein wildes Jubelgeschrei; sie begrüßten damit ihre neuen Verbündeten, Ismael Busch und seine Mannen, die langsam herangezogen kamen. Der Emigrant nahm die Sachlage mit seiner gewöhnlichen Kaltblütigkeit in Augenschein und entsendete auch, wie um die Tragweite seiner Büchse zu erproben, eine Kugel gegen seine Feinde, die in bedrohlicher Nähe über die letzteren hinpfiff.
„Jetzt laßt uns aufbrechen!“ rief Obed, sich noch nachträglich duckend. „Wir haben lange und mutig genug ausgehalten, und ein Rückzug erfordert nicht weniger Tapferkeit als eine Schlacht.“
Der Trapper machte keine Einwendung; er überließ dem Doktor das dritte Pferd, auf dem dieser sich unverweilt aus dem Staube machte. Er selber und der Pawnee entfernten sich unter geschickter Benutzung der Unebenheiten des Bodens, so daß sie bald den Tetons aus den Augen kamen. Sie erreichten ihre Freunde an der bezeichneten Stelle, und nun machte der alte Jäger den Vorschlag, hier auf einige Stunden zu kampieren.