Er wendete sich zu dem Pawnee und erklärte diesem die entstandene Schwierigkeit. Der junge Pawnee hörte ernst und aufmerksam zu; dann aber warf er seine Büffelhaut auf die Erde und begann sogleich, unter dem Beistande des schnell auf seine Gedanken eingehenden Jägers und mit Hilfe von Riemen und leichten Holzstäben ein Fahrzeug daraus herzustellen, das zwar eher einem umgekehrten Regenschirm als einem Boote glich, dennoch aber sich als durchaus zweckentsprechend herausstellte.

Middleton und Paul Hover prüften das Fahrzeug auf seine Sicherheit und Tragfähigkeit, dann stiegen Inez und Ellen hinein. Der Pawnee, der eins der drei Rosse bestiegen hatte, ritt ins Wasser, stieß seine Lanze durch den obersten Rand des Fahrzeugs und bugsierte dasselbe mit großer Kraft und Geschicklichkeit in den Strom hinaus. Der Hauptmann und der Bienenjäger folgten auf ihren Pferden, und alle erreichten glücklich das jenseitige Ufer.

Hier löste der Pawnee die das Fahrzeug zusammenhaltenden Bänder, warf sich die Haut wieder über den Rücken, nahm die Holzstäbe in die Hand und ritt in den Fluß zurück, den Doktor und den Trapper zu holen.

„Jetzt weiß ich, daß diese Rothaut unser volles Vertrauen verdient,“ sagte der alte Jäger zu seinem Genossen. „Wäre er ein Teton oder ein Mingo, dann hätte er uns im Stich gelassen und wäre mit unserem besten Pferde auf und davon gegangen. Ich fürchtete schon so etwas, als ich ihn das Tier auswählen sah, aber ich tat ihm unrecht. Der Junge ist ehrlich; und hat man solch eine Rothaut erst einmal zum Freunde, dann bleibt er das, solange man ihn offen und aufrichtig behandelt.“

Der Pawnee landete, das Boot wurde wiederhergestellt, und jetzt nahmen der Trapper, sein Hund und der Doktor darin Platz, der letztere freilich nur mit Zittern und Zagen.

„Ehrwürdiger Jäger,“ stammelte der kleine Mann, angstvoll auf die wirbelnde Flut blickend, „dieses Fahrzeug ist so gänzlich unwissenschaftlich bereitet, daß eine innere Stimme mich abhält, ihm zu trauen. Das Schiff hat ja weder Form noch Proportionen.“

„So schön wie ein Rindenkanu ist es freilich nicht,“ versetzte der alte Mann lächelnd, „man kann aber Ruhe und Bequemlichkeit ebensogut in einem Wigwam wie in einem Palast finden.“

„Ja, aber ein Machwerk, das so jeglicher Wissenschaft Hohn spricht —“

Der Doktor unterbrach sich mitten im Satze, denn von der Uferseite her, die sie soeben verlassen hatten, ertönte ein Geschrei, so durchdringend und übernatürlich, daß er mit offenem Munde und entsetzten Augen lauschen mußte. Der junge Pawnee spitzte die Ohren wie ein Hirsch, denn der Ton war ihm neu und rätselhaft; der Trapper aber hatte das Geschrei sogleich erkannt. Er schaute zurück und sah des Doktors Esel in gestrecktem Galopp daherkommen, zu übermäßiger Eile angetrieben von Weucha, dem Sioux, der auf seinem Rücken saß.

Die Blicke des Tetons und die der Flüchtlinge begegneten sich. Der erstere stieß einen laut gellenden Ruf aus, der im nächsten Augenblick fünfzig seiner Genossen zum Flußufer brachte, die sofort anhuben, einen Hagel von Pfeilen den Entweichenden nachzusenden. Die Geschosse fielen jedoch harmlos ins Wasser, da das Fahrzeug inzwischen bereits über die Hälfte der Strombreite durchmessen hatte. Jetzt erschien auch die hohe Gestalt Mahtorees unter der Schar der Verfolger. Mehr als einmal erhob der Trapper die lange Büchse zum Schusse, aber immer wieder ließ er sie sinken, als widerstrebe es ihm, Menschenblut zu vergießen. Die Augen des jungen Pawnee aber funkelten wie die eines Kuguars bei dem Anblick so vieler Feinde; er schwenkte mit verächtlicher Gebärde die Rechte hoch in der Luft und ließ dabei schallend den Kriegsruf seines Volkes ertönen. Diese Herausforderung war mehr, als die Tetons ertragen konnten; wie Wasserratten stürzten sie sich in den Fluß, der gleich darauf wie besät mit den dunkeln Gestalten der Reiter und der Rosse erschien.