„Gott möge uns gnädig sein!“ rief der alte Mann schmerzlich. „Jetzt weiß ich auch, Pawnee, weshalb du die Wolken so genau betrachtetest; aber nun ist's zu spät! Selbst ein Eichhörnchen würde Spuren auf diesem losen Schnee hinterlassen. Ha! Da sind auch schon die roten Teufel! Nieder! Nieder! Zwar wird's nicht viel nützen, man darf aber keine Vorsicht außer acht lassen!“

Alle warfen sich aufs neue platt auf den Boden, jeder aber spähte verstohlen durch das hohe Gras nach den Feinden, die, noch etwa eine halbe englische Meile entfernt, von allen Seiten kreisförmig heranrückten und dem Versteck der Flüchtlinge langsam aber sicher näher kamen.

Paul und Middleton machten ihre Büchsen schußfertig, und als Mahtoree, der die Blicke unverwandt suchend auf den Boden geheftet hielt, bis auf fünfzig Schritte herangekommen war, da drückten sie beide fast gleichzeitig auf ihn ab. Allein ein Knipsen der Hähne war die einzige Wirkung dieses voreiligen Tuns.

„Genug,“ sagte der Trapper, sich langsam und würdevoll erhebend; „ich war's, der euch das Pulver aus den Pfannen schüttete; eure Schüsse hätten unser aller sicheren Tod zur Folge gehabt. Laßt uns unserem Geschick wie Männer ins Auge sehen. Klagen und bitten würde uns in den Augen der Indianer nur verächtlich machen.“

Ein Geschrei, das sich über die ganze Prärie fortzusetzen schien, begrüßte sein Erscheinen, und im Nu sprengten hundert Wilde herbei. Mahtoree empfing seine weißen Gefangenen mit großer Selbstbeherrschung; erst später richtete sich die allgemeine Aufmerksamkeit auf den Pawnee, der stumm und unbeweglich wie eine Statue abseits gestanden hatte, und nun erkannte der Trapper sowohl aus dem unbeschreiblichen Jubelgeheul, das aus hundert Kehlen in die Lüfte stieg, als auch aus dem wie ein Lauffeuer die Runde machenden gefürchteten Namen, daß sein junger Freund kein anderer war als der bisher noch nie besiegte Krieger, der gewaltige Hartherz selber.

Siebentes Kapitel Im Dorfe der Sioux


Mehrere Tage sind seit der Gefangennahme unserer Freunde verstrichen. Der Schauplatz der Erzählung hat sich verändert. Wir befinden uns auf einer erhöhten Ebene, die, vielfach mit Baumgruppen bestanden und gegen Norden von einer ausgedehnten Waldung begrenzt, an einen jener Flußläufe stößt, die ihr Wasser dem Missouri zuführen.

Teils an dem hohen Ufer entlang, teils hier und dort auf der Ebene zerstreut, stets aber in größerer oder geringerer Wassernähe, standen etwa hundert Wigwams der wandernden Sioux. Diese Wigwams waren kegelförmige, aus Stangen und Tierfellen errichtete Zelte, denen man ansah, daß sie ihren Insassen nur vorübergehend Schutz bieten sollten. Vor dem Eingang eines jeden Wigwams war ein Pfosten errichtet, an welchem die Waffen des Besitzers, Schild und Speer, Bogen und Pfeilköcher, im Winde schaukelten. Unachtsam hingeworfen lagen neben diesen Pfosten auch die Hausgeräte, deren sich die Weiber bei ihren wirtschaftlichen Arbeiten bedienten, und hier und da hing überdies ein Säugling, in Rindenstücke geschnürt, zugleich mit den Waffen des Vaters vom Pfosten herab.