Während die Weiber und die Jugend dieses Indianerdorfes an den verschiedensten Plätzen zerstreut sich beschäftigten oder vergnügten, hatten sich die Krieger zu einem Kreise versammelt, dessen Mittelpunkt der Häuptling Mahtoree bildete. Ein wenig abseits von dieser Schar gewahrte man einen Haufen von Männern, deren Äußeres von dem der roten Krieger gänzlich verschieden war. Bedeutend höher von Wuchs, breiter in den Schultern und muskulöser an den Gliedern, verrieten sie sich auch durch ihre Gesichtsbildung und Hautfarbe als Angehörige der teutonischen Rasse. Es war dies die Familie des Squatters Ismael Busch. Träge und untätig, wie immer, wenn keine dringende Beschäftigung vorlag, lungerten die gigantischen Gesellen vor einigen Wigwams herum, die ihnen ihre Gastfreunde, die Sioux, zum Aufenthalt angewiesen hatten. In einiger Entfernung weidete das Vieh, das ihnen von ihren neuen Verbündeten als Freundschaftsgabe wieder zugestellt worden war.
Noch eine andere Gruppe war an dem einen Ende des Dorfes bemerkbar. Hier lagen auf einer kleinen Erderhöhung zwei gefesselte Männer, der Hauptmann Middleton und Paul Hover, der Bienenjäger. Die Gliedmaßen derselben waren mit Riemen von Büffelhaut so fest verschnürt, daß sie nur mit Stöhnen die Schmerzen dieser barbarischen Fesselung zu ertragen vermochten. Etwa zwölf Schritte von ihnen entfernt war ein starker Pfahl aufgepflanzt, und an diesen festgebunden stand Hartherz, der Pawneehäuptling. Zwischen ihm und den beiden weißen Gefangenen hatte der alte Trapper seinen Platz gewählt; die Wilden hatten ihm seine Büchse und die übrige Ausrüstung genommen, ihm jedoch sonst die völlige Freiheit gelassen. An eine Flucht durfte er freilich nicht denken, denn unweit dieser Stätte stand ein halbes Dutzend junger Krieger, ernst und unbeweglich, aber mit funkelnden Blicken jede Bewegung der Gefangenen beobachtend.
„Ich wollte, daß der Himmel meine Artilleristen hierher führte,“ stöhnte der Hauptmann in seiner Pein. „Die würden mit den roten Halunken kurzen Prozeß machen.“
„Und ich wollte, daß diese Wigwams lauter Hornissennester wären,“ knurrte der Bienenjäger, „und daß die lieben Tierchen den halbnackten Schuften aufs Fell kämen; dann wäre uns bald geholfen.“
Der Trapper hatte diese Reden gehört und trat näher. Sein Kopfschütteln ließ erkennen, daß selbst seine Erfahrung keinen Ausweg aus dieser verzweifelten Lage finden konnte.
„Es wird nicht mehr lange dauern, dann beginnen die Teufel ihr erbarmungsloses Höllenwerk an unserem Freunde, dem Pawnee,“ sagte er. „Ich sehe es den Augen Mahtorees an, daß er seine Krieger zur äußersten Verschärfung der Tortur aufstachelt.“
„Hört, alter Trapper,“ rief Paul, mühsam seinen Kopf herumwendend, „Ihr versteht Euch auf die Sprache und die Niederträchtigkeiten des Gewürms. Geht hin und sagt den Häuptlingen im Namen eines gewissen Paul Hover aus Kentucky, daß sie ermächtigt sein sollen, besagten Paul nach Herzenslust zu skalpieren und zu martern, soviel und solange sie nur immer mögen, wenn sie dagegen versprechen, das junge Mädchen mit Namen Ellen Wade frei und unverletzt nach den Vereinigten Staaten zurückkehren zu lassen. Wollt Ihr mir den Gefallen tun?“
„Mein guter Freund, das wäre vergebens,“ versetzte der alte Mann, „Ihr liegt wie ein Bär in der Falle, könnt weder fliehen noch Euch wehren, und daher den roten Teufeln auch keine Bedingungen vorschreiben. Aber laßt den Mut deswegen nicht sinken. Die weiße Hautfarbe gereicht ihren Trägern in solcher Lage ebensooft zum Schutz, wie zum Schaden. Unser Geschick ist noch nicht entschieden, warten wir's geduldig ab. Für den Pawnee hege ich allerdings nur wenig Hoffnung.“
Er schritt auf den gefesselten Häuptling zu, dessen freies, leuchtendes Auge unverwandt in die Ferne blickte.
„Die Sioux halten Rat über meinen Bruder,“ begann er nach längerem, achtungsvollem Schweigen.