Achtes Kapitel Der Zweikampf der Häuptlinge


In einer Lage, wie der im vorigen Kapitel geschilderten, blieb dem Führer der Sioux nicht viel Zeit zu langer Überlegung. Dennoch zeigte er sich derselben völlig gewachsen.

Während die Krieger sich in Eile bewaffneten, sendete er die Knaben aus, die unweit des Dorfes weidenden Pferde herbeizuholen. Zugleich ließ er durch die Weiber die Hütten abbrechen und dieselben den nicht mehr zum Streit geeigneten Tieren aufpacken. Die kleineren Kinder trieb man wie eine Herde Vieh zusammen, und trotz des Gelärms und Getöses, das allenthalben herrschte, wurden diese Anordnungen in kürzester Zeit ausgeführt, und bald saß die waffenfähige Schar der Sioux kampfbereit zu Pferde.

Mahtoree blieb nicht lange im Zweifel darüber, daß seine Streitmacht der der Pawnees an Zahl weit überlegen war; allein er konnte sich auch nicht verhehlen, daß die Feinde über bessere Rosse und vollkommenere Bewaffnung verfügten; außerdem war mit Sicherheit anzunehmen, daß jene, die ausgerückt waren, ihren verloren geglaubten Häuptling zu rächen, bis auf den letzten Mann aus den erprobtesten und besten Kriegern bestanden.

Die Pawnees hatten das beste Streitroß aus Hartherz' Besitz mitgebracht, um dasselbe, wenn nötig, auf dem Grabe des geliebten Führers zu opfern. Jetzt sollte es bessere Dienste tun. Hartherz schwang sich hinauf, prüfte mit Freude die Waffen, die gleichfalls zu seinem Totenopfer bestimmt gewesen waren, und tummelte dann im Hochgefühl der wiedererlangten Freiheit und des bevorstehenden Rachekampfes das edle Pferd eine Zeitlang auf und ab vor den Augen seiner durch diesen Anblick beglückten Getreuen.

Auf der anderen Seite des Flusses führte Mahtoree seine Krieger zum Gestade hinunter. Vorher hatte er noch der weißen Gefangenen gedacht. Gern hätte er dieselben ohne weiteres durch den Tomahawk ins Jenseits befördern lassen, allein im Hinblick auf das nicht ferne Lager Ismaels und auf die Ehrfurcht, die viele seiner Leute vor dem fremden Medizinmann hegten, nahm er davon Abstand. Statt dessen winkte er einen alten Mann herbei, der die Aufsicht über die Nichtkämpfer des Dorfes zu führen hatte.

„Wenn meine jungen Männer mit den Pawnees fechten,“ raunte er demselben zu, „dann gib den Weibern Messer. Genug; mein Vater ist sehr alt, er braucht nicht erst von einem Knaben Weisheit zu lernen.“

Der alte Wilde begegnete dem Blick des Häuptlings mit grimmigem Einverständnis, und dieser setzte sich befriedigt an die Spitze seiner Bande.

Bald waren die feindlichen Streitkräfte nur noch durch den Fluß voneinander geschieden, der zu breit war, als daß die Schießwaffen der Indianer über ihn hinaus von Wirkung sein konnten.