Ein jäh ausbrechendes Wutgeschrei der alten Weiber des Stammes ließ ihn nicht weiterreden. Den Megären hatte das Hinausschieben der so gierig erwarteten Folterung des Pawnee von Anfang an nicht gefallen, und als sie den jungen Helden jetzt so stolz und herausfordernd und aller Fesseln ledig dastehen sahen, da vermochten sie ihre wilde, gehässige Rachsucht und ihre Blutgier nicht länger zu bezähmen. Sie durchbrachen den Kreis der Männer und umringten den Pawnee mit erhobenen Fäusten und einer Sturmflut der beleidigendsten Schimpfreden. Es entstand ein allgemeines Getümmel, während dessen Le Balafré sich niedergeschlagen zurückzog, der Trapper sich jedoch in möglichster Nähe seines jungen Freundes zu halten suchte. Mahtoree, der diesen Moment vorausgesehen hatte, ermutigte die wilde Schar durch Blick und Gebärde.

Allen voran drängte sich Weucha; er schwang seinen Tomahawk um das Haupt des Pawnee, als sollte jeder Schlag dessen Schädel spalten. Hartherz zuckte jedoch mit keiner Wimper; gleichgültig schaute er jetzt wieder hinaus in die Ferne, obgleich der blinkende Stahl unaufhörlich vor seinen Augen glitzerte.

Dem Trapper, der jede Bewegung des Tomahawks beobachtete, wurde dieses höllische Treiben endlich zuviel.

„Mein Sohn hat seine Klugheit vergessen,“ rief er dem Pawnee zu. „Dieser Sioux ist töricht und leicht zu vorschneller Tat zu verleiten. Möge der Pawnee durch höhnische Worte einen leichten Tod erkaufen und der Folter am Marterpfahl entgehen.“

Weucha hörte diese Rede, und in schäumendem Zorn bedrohte er jetzt auch den alten Jäger mit seiner Waffe.

„Nur zu,“ sagte dieser ruhig. „Ich bin heute so bereit wie morgen. Sieh dir den edeln Pawneehäuptling an; wie viele von den heulenden Sioux hat der in offener Schlacht getötet, während die Pfeile ihn wie Schneeflocken umschwirrten. Geh'! Kann Weucha den Namen eines einzigen Feindes nennen, der von seiner Hand fiel?“

„Hartherz!“ schrie der Sioux, in höchster Wut einen furchtbaren Streich nach dem Haupte des Gefangenen führend. Sein niederfahrender Arm aber wurde von der Hand des letzteren auf- und festgehalten. Einen Moment standen beide regungslos, der Sioux wie versteinert über diesen Widerstand, der Pawnee wie in die Ferne lauschend. Im nächsten Moment aber hatte Hartherz seinem Gegner die Waffe entrissen, und Weucha wälzte sich mit bis auf die Zähne gespaltenem Kopfe am Boden. Dann brach sich der junge Held, hoch das blutige Beil schwingend, Bahn durch die entsetzt aufkreischende Weiberschar und eilte mit der Schnelligkeit des Hirsches zum Dorfe hinaus und dem Abhang am Flusse zu.

Ein Geheul der Rache erscholl aus hundert Kehlen, und schon schickten die Krieger sich zur Verfolgung an, da hielt ein befehlender Ruf Mahtorees sie zurück. Mit ausgestrecktem Arm deutete der Häuptling nach dem Flusse.

Hartherz hatte bereits das Gestade erreicht. Jenseits des Stromes aber brach hinter einem Hügel ein Haufe berittener Pawneekrieger hervor, die ihren Häuptling, der sich in die Flut geworfen hatte und ihnen zuschwamm, mit jubelndem Triumphgeschrei begrüßten.