„Dank, alter Trapper,“ murmelte Paul, die geschwollenen Gliedmaßen reibend und streckend, nachdem er das Messer in Empfang genommen, das sein Befreier ihm hinreichte. „Ah! Ah!“ stöhnte er, indem er sich mühsam erhob. „Da stehe ich, soviel ich sehen kann, auf festem Boden, und doch ist mir's, als wären beide Füße noch mindestens sechs Zoll von der Erde entfernt! Nun aber, bester Freund, tut mir noch den Gefallen und haltet uns die verdammten alten Weiber so lange vom Halse, bis ich meine Arme besser rühren und sie mit Höflichkeit und Anstand empfangen kann.“

Der Trapper nickte und ging auf den alten Sioux zu, der die Squaws unter seinem Kommando hatte und eben daran war, Messer unter die Megären auszuteilen, die diese Waffen unter Absingen eines eintönigen Rachechors in Empfang nahmen. Als jede ihr Messer hatte, begann die unheimliche Schar in regelmäßigem Tanzschritt einen Kreis zu bilden, in dessen Mittelpunkt der alte Sioux stand. Gesang und Tanz steigerten sich schnell bis zur Raserei; kreischend, geifernd und mit fliegendem Zottelhaar sprangen die abschreckenden alten Geschöpfe fußhoch vom Boden empor. Da durchbrach der unerschrockene alte Jäger den scheußlichen Ring und näherte sich ruhig dem Indianer.

„Warum singen die Mütter der Tetons solche bitteren Worte?“ begann dieser, während er den Weibern Schweigen winkte. „Noch sind die Gefangenen der Pawnees nicht im Dorfe der Sioux, noch haben unsere jungen Männer keine Skalpe erbeutet.“

„Du siehst einen Krieger vor dir,“ antwortete der Trapper, „keinen Läufer der Langmesser, der beim Anblick des Tomahawks erbleicht. Laß die Weiber der Sioux nachdenken; wenn ein Bleichgesicht stirbt, treten hundert an seine Stelle.“

Statt aller Antwort stürzte die älteste der Megären plötzlich mit hochgeschwungenem Messer aus dem Kreise und der Stelle zu, wo die beiden Gefangenen waren; die anderen folgten ihr sogleich unter gräßlichem Geheul.

„Mächtiger Zauberer meines Volkes!“ schrie der alte Jäger in der Tetonsprache und mit aller Kraft seiner Lungen, „erhebe deine Stimme und rede, daß die Dakotas dich hören!“

Sei es nun, daß der Anblick der heranstürmenden Furien ihn erschreckte, sei es, daß ein anderer Grund ihn bewegte, genug, der Esel tat, was der Trapper von Obed verlangte, und erhob seine kräftige Stimme zu einem so entsetzlichen und markdurchdringenden Geschrei, daß die erschrockenen Weiber auseinanderstoben wie Aasgeier, die man von ihrer Beute verjagt.

Paul hatte sich zur Gegenwehr bereitet, und der Hauptmann, durch ersteren von seinen Fesseln befreit, war gleichfalls aufgesprungen. Hastig gesellte sich jetzt der Trapper zu ihnen.

„Jetzt gilt's!“ rief dieser. „Jetzt müssen wir um unser Leben kämpfen! Jetzt —“

Eine mächtige Hand, die sich schwer auf seine Schulter legte, ließ ihn verstummen. Er wendete sich und blickte in das finstere Auge des Squatters Ismael Busch, und zugleich sah er dessen reisige Söhne hinter Mahtorees Wigwam hervorkommen.