Auf lange Erklärungen ließ niemand sich ein. Middleton und Paul wurden aufs neue gefesselt, und auch der alte Trapper entging dieser unwürdigen Behandlung nicht. Der Wigwam wurde abgebrochen, Ellen und Inez mußten Pferde besteigen, und dann ging es in Eile der Wagenburg der Emigranten zu, während der alte Sioux mit seinen Megären aus Leibeskräften zum Flusse hinab floh.

Die Stätte, wo vor kurzem noch ein lebhaftes Dorf gestanden, war jetzt wieder so öde wie jeder andere Ort der endlosen Ebene.


Den Fluß noch immer zwischen sich, standen die feindlichen Streitkräfte einander tatenlos gegenüber, da keine den Lockungen der anderen, das Wasser zu kreuzen, folgen mochte.

Da beschloß der kühne Hartherz, die Entscheidung durch eine jener Taten persönlichen Mutes herbeizuführen, die so vielen indianischen Helden zu höchstem Ruhme gereicht haben. Eine kurze Strecke flußaufwärts dehnte sich der Wasserlauf zu doppelter Breite und umschloß eine flache Sandinsel, die mitten im Strome lag. Nach kurzer Beratung mit seinen Getreuen sprengte Hartherz am Ufer hin bis an jene Stelle; hier trieb er sein Pferd in die Flut und landete bald darauf auf der sandigen Insel, wo er mit vollendeter Meisterschaft das Roß zu tummeln und herausfordernd die Waffen zu schwingen begann.

Die Tetons stießen bei diesem Anblick ein Wutgeheul aus und entsendeten einen Hagel von Pfeilen gegen die Insel. Auch stürzte sich eine Anzahl Krieger in den Fluß, um den kecken Feind zu strafen. Ein Befehl Mahtorees brachte diese Voreiligen jedoch zurück und wies auch die Pfeilschützen zur Ruhe. Der verschmitzte Häuptling hatte schnell einen ganz anderen Plan entworfen.

Wie die Schar der Pawneekrieger sich vom Ufer zurückhielt, so hieß er auch die Seinen sich eine Strecke entfernen. Dann ritt er in den Fluß hinein, hielt jedoch einige Pferdelängen vom Ufer still und erhob beide Hände als Zeichen des Friedens, auch warf er von hier aus seine Kugelbüchse an das Land zurück. Darauf trieb er sein Pferd noch eine Strecke weiter vorwärts, um dann, in Erwartung des Benehmens seines Gegners, wiederum stillzuhalten.

Der Teton hatte die edle, offene Natur des jungen Pawneehäuptlings sehr richtig beurteilt. Als dieser den großen Dakota gegen sich herankommen sah, da hatte er kampfesfreudig den Kriegsruf seines Volkes erschallen lassen; als Mahtoree aber seine Büchse fortwarf und einen Waffenstillstand verlangte, da mochte er hinter dem Sioux nicht zurückbleiben und warf gleichfalls seine Büchse weit von sich.

Die Bewaffnung der Häuptlinge war jetzt dieselbe. Jeder führte Speer, Bogen und Pfeile, Streitaxt, Messer und Schild. Mahtoree zögerte nun nicht länger, und bald hatte auch sein Streitroß auf der Insel festen Fuß gefaßt.

Der Pawnee hatte sich auf die andere Seite des kleinen Eilandes zurückgezogen, ruhig und würdevoll den Beginn der Verhandlungen dem älteren Krieger überlassend. Dieser ritt bis in die Mitte des Platzes und lud dann mit höflicher Handbewegung den anderen ein, heranzukommen. Hartherz folgte dieser Aufforderung; in angemessener Entfernung hielt er still, den festen Blick unbeweglich auf das funkelnde Auge des Dakota gerichtet. Es entstand eine lange Pause. Zum erstenmal fanden sich diese beiden Tapferen, die Waffen in der Hand, einander gegenüber; jeder wußte die kriegerischen Eigenschaften des anderen wohl zu schätzen.