Da war es bei herabgelassenen Jalousien kühl und still wie in der Kirche; nur eine Fliege summte durchs Zimmer und stieß ihren dicken Brummkopf schlaftrunken gegen die Scheibe.

»Fertig?«

»Ja – gleich.«

Er zog sich einen Stuhl herbei und setzte sich rittlings darauf.

»Also Sonnabend!« sprach er mit nachdenklicher Betonung und sah ihr zu, wie sie mit flinken Fingern geschickt und emsig mit der blankgeputzten Wage und den winzigen Gewichtchen hantierte und die großen weißen Porzellanbüchsen und dickbäuchigen Glasflaschen wieder in Reih' und Glied auf die Regale setzte. Weiß Gott, ein Verlaß war schon auf das Mädel, gewissenhaft und pflichttreu bis in die Fingerspitzen – keine andere würd's je so gut verstehen. Eigentlich jammerschade, daß ihr junges frisches Leben hier versauern sollte. Und wer war daran schuld? Kein anderer als er. Um seinetwillen hatte Lieselott erst neulich wieder einen Bewerber, den wohlhabenden Domänenpächter Wilpert, abgewiesen. Beinah' ein Bedauern ergriff ihn um die Schwester, die es, wahrhaftigen Gott, wert wäre, einen andern Platz im Leben auszufüllen. Für Mann und Kinder zu sorgen, glücklich zu sein und glücklich zu machen.

Statt dessen hatte er in barem, blankem Egoismus ihr junges tüchtiges Leben an sein eingerostetes Junggesellentum geschmiedet, amüsierte sich auf eigene Faust, und selbst wenn er – »ihr zulieb« wie er sagte – ein paar gute Freunde einlud, hatte sie doch nur die Last davon.

»Daß nur auch alles recht gut und reichlich ausfällt!« sagte er, die lästigen Gedanken abschüttelnd.

»Und dem Hausherrn keine Schande macht!« setzte Lieselott lachend hinzu und schloß die letzte Büchse. »Keine Angst! Tip-top von der Bouillon bis zum Mokka.« Noch einmal sprachen sie das ganze Menü durch, das für Sonnabend, wo »Doktors« eine ihrer kleinen gemütlichen Gesellschaften gaben, aufgestellt war.