Er ließ nicht nach, hielt ihre Hand fest trotz des Sträubens – Lieselott hatte so oft gesagt: Bitten und betteln kannst du wie kein anderer – die Frau wollt' ich sehn, die dir was abschlägt. Nun sollte sich's zeigen. Ein alter Autler verzagt nicht gleich bei der ersten Panne.
»So werde ich warten. Vielleicht kommt noch einmal die Stunde, wo wir uns wieder jung fühlen. Sie dreizehn und ich zweiundzwanzigjährig. Ist's nicht in der Romantik der Postkutsche, so vielleicht in der Prosa des Doktorzimmers – ich habe Geduld.« Er zog sich einen Stuhl heran und setzte sich ihr gegenüber. Und sah sie an – und allmählich ging in dem ernsten treuherzigen Blick seiner Augen das innere Leuchten auf, das einst ihr Kinderherz gefangengenommen. Sie wollte es nicht sehn – unruhig rückte sie in ihrem breiten Sessel hin und her.
»Aber Sie haben ja Gäste, Doktor!«
»Macht nichts – die haben erst recht Zeit zum warten.« Er zog seine Uhr. »Also in fünf Minuten, so lange gebe ich Ihnen Zeit. Dann werden Sie mir verziehen haben.«
Da mußte sie wider Willen lächeln – die Panne war überwunden, das Fahrzeug wurde wieder flott. Er rückte seinen Stuhl näher.
»Bitte, sagen Sie mir's!«
»Ich glaube beinah', man kann Ihnen wirklich nicht lange böse sein, Doktor Erdmann.«
»Das ist noch längst nicht genug! Hab' ich nicht auch Zinsen zu fordern nach so vielen Jahren?«
Sie errötete und strich hastig mit der Hand über Stirn und Scheitel.