Gelacht wurde auch ohne Kärlchen noch genug, und eh' wir uns versahen, war Bozen erreicht. Als wir uns am Bahnhof von dem lustigen Wiener trennten, wurde schnell noch für den Abend ein Rendezvous im Batzenhäusl verabredet.
Und dann eilten wir ins Stiegl.
Nicht nur der Hunger trieb uns – auch die Sehnsucht; erwarteten wir doch Nachricht von unseren vielgeliebten – Ehemännern, die inzwischen die Geislerspitzen, den Schlern und weiß ich was sonst noch für Dolomittürme erklettert hatten – während wir vier lustige junge Strohwitwen mit unserem Allerweltsvetter, Schwager und Bruder, dem sogenannten faulen Kärlchen, unserem »gemeinsamen Mann«, eine Spritztour an den Gardasee gemacht hatten. Als richtige übermütige Strohwitwen, den Trauring im Goldtäschchen unterm Mieder – wir wollten uns mal frank und frei nach Herzenslust amüsieren. Und das hatten wir getan. Selbst unsere ernsthafte Fünfte, Kärlchens leibliche Schwester, die eine wirkliche Witwe unter uns ausgelassenen jungen Frauen.
Das Erlebnis mit dem Wiener war nur der würdige Abschluß einer Reihe von himmlischen Tagen auf und am Gardasee, wobei unserem stattlichen Kavalier von neugierigen Mitreisenden abwechselnd die Rolle eines töchtergesegneten Vaters oder die des gestrengen Mentors und Kunstprofessors aufgehängt wurde. Er hatte beides mit stoischem Gleichmut über sich ergehen lassen und war dabei nicht zu kurz gekommen – wie die Trienter Würstelaffäre bewies.
Nachmittags kamen »unsere Vier« – ob sie auch den Trauring ins Goldtäschel gesteckt hatten? Chi lo sa – fidel genug waren sie und sonnverbrannt, daß wir sie kaum wiedererkannten – aber gebeichtet haben sie nichts!
Nachdem sich die kühnen Hochtouristen ihres schauerlichen Räuberzivils entledigt und etwas menschlich gemacht hatten, pilgerten wir gegen Abend – eine mehr als ausgelassene Gesellschaft von zehn Personen, alle untereinander verwandt oder verschwägert – dem Batzenhäusl zu. In paarweiser Würdigkeit natürlich, und Hella und Kärlchen als letzte, so war's ausgemacht. Unser Wiener saß richtig schon da, hatte den Ecktisch im Künstlerzimmer reserviert und machte ein Gesicht – – grundgütiger Himmel! so viel aufgesperrte Augen, Mund und Ohren in einem einzigen Gesicht hatt' ich mein Lebtag noch nicht gesehen! Ich kniff »Meinen« vor unterdrücktem Lachen in den Arm, sonst hätt' ich laut herausgeschrien.
Mit einer gewissen Feierlichkeit bugsierten wir uns heran: »Erlauben Sie, Herr Reisekamerad, daß wir Ihnen unsere Ehemänner …«
»Jede von uns hat nämlich ihren eigenen …« Die blauen Augen unserer Jüngsten wetterleuchteten vor Übermut – dann folgte die offizielle Vorstellung.
Der Wiener klammerte sich krampfhaft an die Stuhllehne, ich glaube, das ganze Batzenhäusl fing an um ihn zu tanzen.