Welch' herrlicher Gedanke! An der Seite des geliebten Mannes das Land meiner Sehnsucht aufzusuchen und kennen zu lernen. Wie dankbar war ich ihm für seine Güte, die mir diese herrlichste aller Hochzeitsgaben bescherte.

Drei Tage nach unserer Trauung in Dresden fuhren wir am 7. September nach Hamburg. Ein gemütlicher Abend hielt uns bei lieben Freunden fest, wo unsere Abreise weidlich begossen wurde. Spät trennten wir uns, begleitet von guten Wünschen der Freunde, doch lange konnte ich keinen Schlaf finden, denn in unregelmäßigen Zwischenräumen drang das Heulen der Sirenen in unser Hotelzimmer und erneuerte immer wieder das wunderselige, wonnige Gefühl: »Morgen, morgen gehts hinaus in die weite, herrliche Welt!«

Am andern Abend um 10 Uhr begaben wir uns an Bord. Am Morgen des nächsten Tages um 7 Uhr wurden die Taue vom Kai gelöst und langsam fuhren wir, von einem Schlepper gezogen, unter den heiter-wehmütigen Klängen des hübschen, uralten Liedes: »Muß i denn, muß i denn zum Städtelein hinaus« und dem Hurrarufen und Tücherschwenken der am Kai Stehenden, aus dem Hafen hinaus, die Elbe hinunter.

Das eben erwachende Blankenese, mit seinen schmucken, in Grün gebetteten, Wohlstand verratenden Villen und dem stolzen Süllberg sandte uns in lachender Morgensonne seine Abschiedsgrüße zu und weiter gings, an den blühenden Elbhügeln entlang, dem offenen Meere zu.

Ein buntes Leben und Treiben entwickelte sich vor unseren Augen in der Elbmündung, denn unzählige kleine Küstendampfer und Fischkutter steuerten, geschickt manöverierend, unter Volldampf ihrem Ziele zu.

Nachdem wir die Feuerschiffe passiert hatten, fuhren wir mit halber Kraft in die Nordsee ein. Unser Schiff begann jetzt unter den leichten Wellen der Nordsee etwas zu stampfen, doch, als geborene Hamburgerin des Seereisens von einigen Überfahrten nach Helgoland und Dänemark nicht ganz ungewöhnt, machte mir die stampfende Bewegung des Schiffes viel Vergnügen.

Fern am Horizonte tauchten die Umrisse unseres befestigten Felsen-Eilandes, Helgoland, auf, um welches herum, malerisch, und doch in Schlachtenformation gruppiert, ein Teil unseres Hochseegeschwaders unter Volldampf lag, scheinbar in Erwartung eines markierten Feindes.

Nachdem auch dieser kleine Rest heimatlicher Erde unseren Blicken entschwunden war und der Tag sich zu neigen begann, zogen wir uns, für heute des Schauens müde, in unsere Kabine zurück, und die leise an die Schiffswand schlagenden Wellen und das stete Surren der Schiffsschraube sangen uns ein monotones, einschläferndes Schlummerlied.

Als ersten Hafen liefen wir Boulogne sur mer an, nahmen Post und einige Passagiere an Bord und dampften selbigen Tags, die um die Insel Wight gruppierten, schwimmenden, englischen Forts passierend, nach Southampton, wo wir ebenfalls auf Reede liegen blieben und von einem Küstendampfer Post und Passagiere übernahmen.

Weiter ging es mit Volldampf in den offenen Ozean hinein.