Nachdem wir von unserer ca. vierstündigen Fahrt in das Hinterland der Insel, die uns abwechselnd durch herrliche Farmen und kleine Dörfchen führte, zurückgekehrt waren, labten wir uns an einer Flasche echten (hoffentlich) Madeiraweins und ließen uns durch die Barkasse wieder an Bord bringen. Auch der Markthalle, die uns einen Einblick in die üppigen Vegetationsverhältnisse der Insel tun ließ, sowie dem Rathause statteten wir einen Besuch ab.
Unser vorläufiges Reiseziel war Madeira, dem wir einige Tage widmen wollten. Wir mußten uns daher von der uns liebgewordenen Reisegesellschaft und von unserem Dampfer in Las Palmas trennen, um nach Besichtigung der Hafenstadt von Grand Canaria mit einem Küstendampfer nach Madeira zu fahren.
Las Palmas unterscheidet sich von Teneriffa durch seine, in die Berge eingebauten, mit flachen Dächern abgedeckten, hell angestrichenen Häuser. An der Hauptstraße, auf der sich mit tosendem Gerassel eine Eisenbahn in unergründlichem Schmutze durcharbeitet, liegen die öffentlichen Gebäude und am Ende der Straße, umgeben von Palmen und anderen tropischen Gewächsen, die Kathedrale von Las Palmas. Nach einer kurzen Besichtigung der letzteren sahen wir uns noch die hinter den Häusern angelegten, wenig gepflegten Bananen- und Zuckerrohrplantagen an und fuhren mit unserem, am Kai gemieteten Karren, dem singend und schreiend, Purzelbaum- und Radschlagend die Jugend bettelnd folgte, wieder nach dem Hafen.
Unser Gepäck war bereits auf dem kleinen Küstendampfer, der uns nach Madeira bringen sollte, verstaut worden, und am Abend des nächsten Tages fuhren wir in den Hafen von Funchal ein.
Tausend und abertausend Lichter spiegelten sich in der ruhigen Wasserfläche wieder und boten dem Auge des Beschauers ein entzückendes Bild. Ab und zu trug der Abendwind leichtverwehte Klänge einer einschmeichelnden Musik zu uns herüber und traumverloren an der Reeling lehnend, ließen wir die wunderbare Schönheit des südlichen Hafenbildes und des tiefen Frieden ausatmenden Funchals auf uns einwirken.
Plötzlich durchdröhnte die Stille der sternenklaren Nacht das Rasseln der Ankerketten und der Donner der Postkanone und eine Stunde später betrat ich das eigenartige, vielbesungene Märchenland.
Studienhalber besuchten wir am Abend, nachdem wir uns im Hotel etwas restauriert hatten, einige Bierlokale, wo uns in den sauberen Räumen überall die lockenden, südlichen Klänge der fast durchweg sehr musikalischen und musikliebenden Bevölkerung empfingen.
Am anderen Morgen nahmen wir einen jener charakteristischen, mit Ochsen bespannten Schlitten und fuhren – nicht wie hierzulande im Schnee – sondern auf faustgroßen, runden, glatten Pflastersteinen durch die Stadt. Daß es ein angenehmes Fahren gewesen wäre, kann ich nicht behaupten, aber wir hatten die Mode mitgemacht.
Auch eine kleine Hafenfahrt im Ruderboote unternahmen wir und entdeckten auf den kleinen Bergkegeln, die sämtlich vulkanischen Ursprungs sind, die Befestigungen und Signalstationen von Funchal.
Die Schönheiten Funchals und seiner Umgebung zu beschreiben, ist man wohl kaum imstande. Ein Gemisch der herrlichsten und verschiedenartigsten Palmen und sonstiger subtropischer Gewächse, zwischen denen die kleinen, mit Stroh und Matten gedeckten Hütten der ärmeren Bevölkerung Funchals liegen, bietet sich dem Auge dar. Bäume, deren Höhe und Stärke nur noch einen kläglichen Überrest von den Riesenerzeugnissen der Urzeit bilden, recken, leicht vom Seewind bewegt, kühn ihre Häupter gen Himmel; leise von längst entschwundenen Zeiten flüsternd.