Er wird die Mutter verfluchen, die ihm das Leben gegeben hat. Zu ewigem Schweigen verurteilt, wird er, der zu niemandem sprechen kann, die menschliche Sprache vergessen; die Worte, die er von uns gelernt hat, wird er, eins nach dem andern, verlieren, wie man das Geld auf der Wüste zerstreut, wo man nichts dafür kaufen kann. Vielleicht werden ihm schließlich nur noch einige Worte in der Erinnerung bleiben, mit deren Klang er spielen und kosen wird; obwohl das furchtbare Worte sein müssen, die nichts als Grauen, Einsamkeit, Verlassenheit und Trauer ausdrücken. Wenn er verzweifelt, wird ihm niemand Linderung bringen; wenn er etwas braucht, wird ihm niemand helfen. Wenn er krank ist, wird an seinem Lager nur das grauenhafte, höhnisch grinsende Gespenst des Hungertodes stehen. Dann werden selbst die Hunde, glücklicher als er, weil sie sich hier vermehrten, ihren Herrn verlassen, der nicht mehr fähig ist, ihnen Befehle zu erteilen. Am Ende wird auch einer, ein treuer, der ihm in der Einsamkeit, in Ermangelung eines Menschen, Freund und Kamerad war, länger bei ihm bleiben, so lange, bis er endlich, entsetzt durch die in der letzten Verzweiflung starrenden Totenaugen, angstvoll gedehnt zu heulen beginnt. Und andere, schon verwilderte, werden auf diesen Laut zusammenlaufen ... und ... sich eine Mahlzeit bereiten aus der noch warmen Leiche des letzten Menschen auf dem Monde.

Er sprach noch lange, alle Greuel schildernd, zu denen Tom nach unserem Tode verurteilt sein wird, und ich, strafe mich Gott dafür, half ihm, sich an der Qual dieses Weibes zu weiden und versuchte ebenfalls die Ärmste zu überzeugen, daß sie um Toms willen einen von uns wählen müsse ...

Martha hörte das alles, ohne zu antworten. Nur in ihren Zügen malte sich anfänglich Erstaunen, dann der Reihe nach: Trauer, Angst, Verzweiflung, Resignation.

Seit Mittag grollten die fernen Donner des nahenden Gewitters ... Martha saß stumm da.

Als wir geendet hatten und Peter sie fragte, ob sie bereit sei, einen von uns zu heiraten, schien sie die Frage nicht gehört zu haben. Erst als er sie wiederholte, zuckte sie zusammen und erhob das Haupt, als wenn sie aus einem Traum erwacht wäre. Sie schaute uns an und sagte dann dumpf, mit Mühe die Worte hervorstoßend:

— Ich weiß, daß es euch nicht um Tom geht, aber das ist einerlei ... Ihr habt recht ... Ich werde ... für Tom ... alles tun ... Sie seufzte krampfartig und verstummte.

— Bravo! rief Peter, das läßt sich hören! Also, fügte er, sich zu ihr neigend, hinzu, welcher von uns ist dir lieber?

Ich stand abseits und blickte auf Martha. Sie wich unwillkürlich zurück, als wenn sie von Widerwillen geschüttelt würde, beherrschte sich aber sofort und schaute uns an. Und wieder, schon zum drittenmal, schien es mir, daß ihr Blick eine Sekunde lang auf mir ruhte, der bittende Blick eines armen, gehetzten, in die Enge getriebenen und um Mitleid flehenden Wildes.

Alles Blut drang mir aus dem zusammengepreßten Herzen zum Hirne. Auch Peter mußte ihren Blick aufgefangen haben, denn er erblaßte und wandte sich zu mir mit dem Ausdruck des unverkennbarsten Hasses.

In diesem Moment brach Martha in ein heftiges, lang anhaltendes Weinen aus, warf sich auf den Boden und wimmerte verzweiflungsvoll: