In mir ging etwas Furchtbares vor. In meinem Kopf fühlte ich eine seltsame Klarheit; ich war sogar ruhig, es fehlte mir nur der Atem, als wenn jemand einen ganzen Berg auf meine Brust gewälzt hätte. Ich betrachtete die beiden Enden des Taschentuches, die aus Peters Hand hervorsahen, und zuerst beschäftigte mich die Einsäumung, die an einer Stelle etwas zerrissen war ... Dann erinnerte ich mich an eine Szene auf dem Mare Imbrium, wo wir ebenso Lose ziehen sollten — um den Tod ... wie jetzt um ... die Liebe!
Peter wurde ungeduldig.
— Zieh! rief er.
Ich blickte ihn an. Seine Züge waren verzerrt, seine Augen starr auf mich gerichtet. Ich verstand plötzlich alles. Wenn ich das Los ziehe, werde ich diesen Mann sofort töten müssen, da er, im entgegengesetzten Falle, mich ermordet. Unwillkürlich schob ich die Hand in die Tasche und suchte nach der Waffe. Aber da kam mir der Gedanke, daß ebensogut Peter das Los ziehen konnte, was dann? Werde ich dann die Kraft haben, auf dieses geliebte Weib zu verzichten, in dem Bewußtsein, daß nur ein elender Zufall alles entschieden hat? Werde ich mich nicht gegen ihn empören? Perlender Schweiß bedeckte mir die Stirn.
Wenn ich wüßte, daß Martha mich lieber hat, daß sie für mich auch nur ein ganz klein wenig mehr empfindet als für Peter, würde ich auf das Los nicht warten.
Aber so ...
Sie sagte doch vor einem Augenblick: Ihr Widerwärtigen ... Ihr!
Soll ich ihr Gewalt antun und dazu einen Menschen umbringen ... oder mich vor dem Zufall beugen?
Ich blickte Martha an, sie hatte aufgehört zu weinen und saß still da, auf das weite Meer starrend, als wenn sie nicht wüßte, daß wir hier, einige Schritte von ihr entfernt ...
Ein grenzenloses, herzzerreißendes Mitleid mit diesem Weibe erfaßte mich.