Sie warf es auf die Erde, daß die Schneide auf den Steinen klirrte, und ging, ohne sich umzusehen, in die Grotte. Peter ergriff Tom beim Händchen und lief ihr nach.
Ein blendender Blitzstrahl durchzuckte grelleuchtend den schwarzen Himmel; dumpfes, durch das Echo langgezogenes Dröhnen des Donners verkündete den Anfang des Gewitters. Strömender Regen stürzte herab und erfrischte die verbrannte, ausgetrocknete Erde!
Es schwindelte mir im Kopfe. Ich warf mich auf die Fliesen, in verzweifeltes, unmännliches Weinen ausbrechend ...
Über mir rollten die Donner, und die ganze Welt verfinsterte sich in endlosen Regengüssen.
So gestaltete sich unser Leben auf dem Monde.
IV.
Es begannen für mich dann einsame, traurige Zeiten ... Meine Beziehungen zu Peter waren niemals herzlich, und was Martha betrifft, konnte ich mich nicht überwinden, ihr so zu begegnen wie früher. Etwas stand zwischen uns; ein Schmerz oder ein Gefühl der Scham beiderseits oder sonst etwas. Auch sie hatte sich verwandelt, war eine andere geworden, kaum mehr zu erkennen. Abgemagert und blaß, fast häßlich, verschlossen, wenig sprechend, schien sie mich zu meiden. Lange Stunden brachte sie allein mit Tom zu. Lediglich der Anblick dieses Kindes konnte das Wunder bewirken, daß ihre finsteren Züge sich für einen Augenblick im Lächeln des Glücks erhellten. Der Sohn war für sie alles. Sie dachte nur an ihn. Sie nahm ihn oft auf den Schoß, liebkoste ihn leidenschaftlich oder erzählte ihm Geschichten, die er noch gar nicht verstehen konnte: von der Erde, die wir zurückgelassen, weit im Himmelsblau, von dem Vater, der in dem Grabe auf der furchtbaren Wüste schlief, von sich selbst ...
Peter war eifersüchtig. Er hatte von jeher eine Abneigung gegen das Kind, aber jetzt sah er es manchmal mit einem Blicke an, daß ich, der ich seinen Charakter kannte, zitterte, er könne ihm ein Leid antun. Übrigens war er auch auf mich eifersüchtig, obwohl ich alles vermied, was ihm dazu Veranlassung geben konnte. Nie begegnete ich Martha allein und auch in seiner Gegenwart sprach ich wenig mit ihr. Wenn ich aber hie und da ein Wort mit ihr wechselte, fühlte ich stets seinen unruhigen, haßerfüllten Blick.
Schwer und traurig war Marthas Leben und das meinige, aber ich glaube, er war der Unglücklichste von uns dreien. Martha hatte wenigstens einen Trost in dem Kinde, ich diese stolze Genugtuung, die uns die Erfüllung eines freiwillig gebrachten Opfers gibt. Aber er, Peter, lebte von Eifersucht gequält an der Seite des heißbegehrten, ihm kalt und gleichgültig gegenüberstehenden Weibes, nirgends einen Halt findend. Ich habe mich unwillkürlich von ihm zurückgezogen und Martha gab zwar allen seinen Wünschen nach, aber sie zeigte ihm in jeder Minute, daß sie ihn lediglich als das Werkzeug betrachtete, durch das sie dem geliebten Sohn den Segen der menschlichen Gesellschaft auf dem Monde sichern wollte. Ich habe niemals gehört, daß sie auch nur ein wärmeres, herzlicheres Wort zu ihm gesprochen hätte; wenn er ihre Hände oder ihr Antlitz mit Küssen bedeckte, wehrte sie es nicht, aber sie saß unbeweglich und gleichgültig, in ihren Augen einen Ausdruck der Ermüdung und ... des Ekels.
Und er liebte sie doch auf seine Art und tat alles, um bei ihr ein Gefühl für sich zu wecken, ihre Gegenliebe zu erzwingen, als wenn man Liebe erzwingen könnte! Es gab Augenblicke wo er ihr drohte und sich bemühte ihr seine Übermacht zu zeigen, aber sie schaute ihn auch dann gleichgültig und ruhig an und weder Angst, noch Lust sich ihm zu widersetzen, zeigte sich in ihren Zügen. Wenn er etwas befahl, tat sie es ohne zu murren, aber auch ohne zu lächeln, genau wie wenn er sie um etwas bat. Das brachte ihn zur Verzweiflung. Ich sah, daß er manchmal in ihr Haß und Empörung wachrufen wollte, nur um sie aus dieser furchtbaren Gleichgültigkeit herauszureißen. Er ergriff also das letzte Mittel: er verfolgte Tom. In meiner Gegenwart wagte er es nicht das Kind zu berühren; ich sagte ihm einmal, daß ich ihm den Schädel zertrümmern würde, wenn er dem Kinde das kleinste Unrecht zufügte und er wußte, daß ich seit jenem denkwürdigen Mittag den Revolver stets bei mir trug. Aber sobald ich fort war, schlug er Tom. Ich habe das erst viel später und zufällig erfahren. Martha drohte ihm in solchen Momenten, ohne ein Wort zu verlieren, mit dem Stilett, das ich aufhob und ihr zurückgab, nachdem sie es damals, in die Grotte gehend, zu Boden geworfen hatte.