— Ja, die Sonne ist aufgegangen und leuchtet jetzt über Tomas’ Grab, nicht wahr? Und dieselbe Sonne über diesem Grabe wird hierher zu uns am Morgen kommen?
Ich nickte schweigend.
— Dieselbe Sonne, sagte abermals die Kranke. Und wenn ich daran denke, daß diese Sonne täglich, so viele Mondtage hindurch, auf das Grab schaute und dann auf mich hier, die Lebende, und dann wieder zu dem Grabe zurückkehrte, ihm zu erzählen, was sie hier gesehen hat!
Sie bedeckte die Augen mit den Händen und begann am ganzen Körper zu zittern.
— Das ist furchtbar! wiederholte sie einige Male.
Peter ließ den Kopf sinken. Es schien mir, daß ich in seinem gelben, verdorrten Gesicht eine dunkle Röte aufsteigen sah, die sich bis in die gefurchte Stirne ergoß. Dies mußte auch Martha bemerkt haben, denn sie wandte sich zu ihm:
— Ich wollte dir nicht weh tun, Peter ... jetzt ... Übrigens bist du nicht schuld daran, wie hättest du mich zwingen können, dein Weib zu werden, wenn ich es nicht selbst gewollt hätte ... für Tom ...
Sie verstummte und atmete tief auf. Nach einer Weile sagte sie leise:
— Ich möchte den Morgen erwarten. Es ist so furchtbar, in der Dunkelheit herumzuirren und den Weg dort auf der Wüste zu suchen. Wenn hier der Tag beginnt, wird dort über dem Mare Frigoris die Erde leuchten. Ich will lieber bei ihrem Lichte an dem Grabe stehen, denn ich weiß nicht, ob ich den Mut hätte, in den vollen Glanz der Sonne zu schauen ...
Martha, was sprichst du? rief ich unwillkürlich.