Vierundzwanzig Stunden waren schon seit Aufgang der Sonne verflossen, als wir auf die glatte Fläche von massivem Gestein gelangten, auf der man sich schneller vorwärtsbewegen konnte. Hier beschlossen wir anzuhalten, um auszuruhen. Dabei beunruhigte uns die seltsame Gestaltung der Landschaft immer mehr.
Wir waren bereits überzeugt, daß wir uns in einer anderen Gegend des Mondes als auf dem Sinus Medii befanden. Man mußte demnach endlich genaue Messungen vornehmen.
Nach kurzer Rast machten wir uns an die Arbeit. Peter stellte die astronomischen Instrumente auf. Der Mittelpunkt der Erdscheibe war vom Zenite 6° gegen Osten und 2° gegen Norden entfernt — wir befanden uns also unter dem 6.° westlicher Mondlänge und dem 2.° südlicher Breite, das heißt, an der Grenze des Sinus Medii, neben dem Krater Mosting. Was diesen betrifft, so konnte kein Zweifel obwalten. Die Messungen waren ganz genau.
Wir beschlossen weiterzufahren, ohne die Richtung zu ändern. Als wir den Weg antreten wollten, rief Varadol plötzlich:
— Und unsere Kanone! Wir haben die Kanone zurückgelassen!
In der Tat, jetzt erst erinnerten wir uns, daß unsere Kanone, das einzige und letzte Mittel, uns mit den Erdbewohnern zu verständigen, mit dem Geschoß und der Kugel beim Grabe O’Tamors zurückgeblieben war. Sein Tod und Begräbnis hatten uns so verwirrt, daß wir beim Aufbrechen vergaßen, die für uns so wertvolle Kanone mitzunehmen. Das war ein unersetzlicher Verlust und um so empfindlicher, als nach der Zerstörung der telegraphischen Verbindung mit ihr der letzte Faden zerriß, der uns mit der Erde verband. Wir fühlten uns plötzlich so grenzenlos vereinsamt, als wenn wir uns in diesem Augenblicke wiederum um Hunderte von Kilometern von dem Globus entfernt hätten, der schon Hunderttausende von Kilometern hinter uns lag.
Unser erster Gedanke war umzukehren und die Kanone zu holen. Vor allem bestand Woodbell darauf, da er es für nötig hielt, uns mit der Erde zu verständigen, damit man weiter beabsichtigte Expeditionen nicht aussende, bevor wir nicht mitteilen konnten, daß wir hier mögliche Lebensbedingungen gefunden haben.
Wenn wir umkommen müssen, sagte er, warum sollen noch andere ihr Leben opfern. Ihr wißt doch, daß die Brüder Remogner zur Fahrt bereit sind. Sie erwarten Nachrichten von uns, aber unser telegraphischer Apparat funktioniert nicht. Man muß sie zurückhalten, wenigstens noch für einige Zeit.
Es hatte jedoch seine Schwierigkeiten mit dem Umkehren. Jede Stunde ist von höchstem Werte, da uns im Falle einer Fahrtverlängerung die Nahrungs- und Luftvorräte ausgehen können, wodurch wir zum sicheren Tode verurteilt wären. Wir haben uns so schon durch die Krankheit O’Tamors zu lange aufhalten müssen und wer konnte dafür bürgen, daß wir die Stelle wiederfinden, wo die Kanone zurückblieb?
Varadol bemühte sich, Tomas’ Bedenken zu zerstreuen. Die Brüder Remogner, führte er an, werden den Weg doch nicht antreten, wenn sie keine Nachrichten von uns erhalten. Im übrigen weiß man nicht, ob die hinausgeschossene Kugel gerade auf eine Stelle der Erde fällt, wo sie jemand auffindet und die Depesche gelangt vielleicht gar nicht in die Hände derjenigen, für die sie bestimmt ist.