Dieser entsetzliche Vorfall und dieses unfreiwillige Verbrechen, denn ich glaube bis zu diesem Augenblick nicht daran, daß Tom seine Frau mit der Absicht sie zu töten getroffen hat, haben mir plötzlich drei Dinge klar gemacht, über die ich mir bis jetzt keine genügende Rechenschaft gab.
Ich sehe vor allem die Brutalität Toms und glaube, daß ich sie verschuldete, denn ich habe ihn erzogen und es nicht verstanden, seinen Charakter anders zu formen. Ferner hätte ich nicht einsame Jahre auf dem Pol verbringen und diese Menschen hier allein ihrem Schicksal überlassen dürfen, und endlich versetzt mich Ada in Staunen. Ich sehe jetzt aus ihrem ganzen Auftreten und aus vielen Dingen, an die ich mich erst nachträglich erinnere, so manches, worauf ich nicht genügend achtgegeben habe, vor allem ihre sonderbare Beziehung zu dem Bruder und seiner Familie. Es scheint mir, daß sie sich gegenseitig hassen, und trotzdem fürchten jene dieses Mädchen, das jüngste aus dem ersten Geschlecht dieser Menschen. Sie hält sich fern von ihnen und lebt unter ihnen wie eine Priesterin, obwohl ich nicht weiß, ob dieses Wort ihr Verhältnis zu den andern richtig ausdrückt. Ada tut mir leid, denn sie ist einsam und wird, glaube ich, immer einsam bleiben auf dieser Welt, so wie ich, sie tut mir um so mehr leid, weil ich ihr nicht das sein kann, was ich ihr eigentlich sein müßte: ein Vater und guter Freund. Aber auch in ihrer Beziehung zu mir liegt mehr eine abergläubische Verehrung als Liebe. Auch daran scheine ich selbst schuld zu sein ...
Und das dritte, was mich am meisten entsetzt hat, weil es mich am nächsten angeht: sie halten mich für ... Aber nein, vielleicht täusche ich mich nur! Was ist’s, daß Ada Tom in meinem Namen verflucht hat? Ich bin doch der Älteste, also wahrscheinlich nur deswegen ... Und dennoch, wenn es so wäre? Sollte ich auch dieses ... Götzentum verschuldet haben?
Wie seltsam sie alle diesen Namen aussprechen, mit dem sie mich belegten: „Der Alte Mensch“ ...
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Ich hatte heute wieder einen Traum, der mich schon seit Jahren unaufhörlich quält und es mit sich bringt, daß ich mich in dieser Welt immer fremder fühle ...
Ich träumte, daß ich auf der Erde war.
Aber heute war das ganz besonders seltsam.
Ich war in der Gesellschaft von Menschen, mit denen ich über die Angelegenheiten des Staates, der Völker, des Fortschritts sprach. Man sagte mir, daß sich die Grenzen einiger Länder veränderten, seit der Zeit, da ich die Erde verlassen habe, daß jetzt andere Rechte herrschen und vieles von dem früheren Glauben hinfällig wurde. All das hatte mich interessiert und ich wollte nach langer Abwesenheit die Erde mit eigenen Augen besichtigen, um mich zu überzeugen, wie es dort aussieht.
Ich machte mich also auf den Weg und ging durch mir einst bekannte Gegenden und Städte. Es hatte sich tatsächlich vieles geändert. Wie ein Vogel durchflog ich die Länder und wunderte mich, daß an Stelle der alten Metropolen Trümmer waren, an Stelle blühender Fluren sah ich Wüsten und Brandstätten, und dort, wo sich einst Wüsten ausdehnten, traf ich Wasser an oder bestellte Felder und Wiesen, die neue Residenzstädte umgaben, in denen starkes Leben pulsierte. Ich machte manchmal halt, um mir bekannte Häuser und Menschen aufzusuchen; ich frug nach Dingen, die sich zu meinen Zeiten zugetragen hatten, aber niemand konnte mir darauf antworten. Man schüttelte nur die Köpfe und sagte: „Wir wissen nichts davon“, oder: „Wir haben es vergessen.“