Entsetzen packte mich und ein unaussprechliches Leid, denn ich sah, daß diese Erde anders geworden ist und der nicht mehr ähnlich sah, die ich gekannt habe.
Scheinbar, so dachte ich im Schlafe, sind nicht nur Jahre, sondern Jahrhunderte verflossen, seit ich von hier gegangen bin; auf dem Monde ist es schwer, die langen, einander ähnlichen Tage zu zählen, ich habe ihrer wohl viele aus dem Gedächtnis verloren ... Ich komme auf die Erde, die ich nicht kenne und die auch mich nicht mehr kennt.
Und plötzlich fühlte ich mich so namenlos unglücklich! Fremd auf dem Monde, auf dem ich mich nicht einleben kann, und fremd auf der Erde, auf die ich durch irgendein Wunder zurückgekehrt bin — zu spät! Wo ist noch Raum für mich, wo werde ich Ruhe finden?
Ich eilte also weiter durch die Lüfte, eine grenzenlose Leere im Herzen — und nach dem kurzen Tage sank schon die Nacht hernieder. Die ersten Sterne erglänzten am Himmel, als ich mich, durch einen inneren Drang vorwärtsgetrieben, schon über der uferlosen Fläche des Ozeans befand. Unter mir wälzten sich die Fluten wie sich in Windungen schlängelnde Seeungeheuer mit glatter schillernder Haut. Und die goldenen Himmelslichter spiegelten sich in den durchsichtigen Wogen.
Meine Blicke irrten rings umher: hier allein hatte sich nichts geändert. Das Meer war unermeßlich wie früher und ebenso wild bewegt und veränderlich.
Aber während ich noch darüber nachdachte, bemerkte ich, daß sich das Wasser seltsam zu dehnen begann und seine Fluten zu mir emporsandte. Jetzt erst sah ich auch, daß direkt über mir der Vollmond stand. Ich erschrak über die Erscheinung dieser Mondwelt dort in der Höhe und wollte fliehen, irgendwohin, wo ihr Glanz mich nicht erreichte; aber plötzlich fehlten mir die Kräfte. Ich fühlte, daß ich auf die sich immer höher hebenden Fluten hinabfiel; sie aber stiegen und stiegen, warfen mich nach oben, dem Monde entgegen, streckten sich zu ungeheuren, endlos langen Hälsen, heulten in einem wilden Lachen und wurden höher und immer höher. In wahnsinnigem Entsetzen blickte ich nach dem Monde: Er wuchs vor meinen Augen, dehnte sich, nahm schon den halben Horizont ein; der ganze Himmel war von ihm bedeckt, wie mit einem silbergrauen Schleier. Es schien mir, daß in seiner Scheibe die sich herausneigenden Köpfchen der degenerierten Nachkommenschaft Marthas sichtbar wurden und ich ihr boshaftes Rufen hörte:
— Kehre zu uns zurück! Kehre zu uns zurück! Alter Mensch, du bist nicht von der Erde!
Verzweiflung, Entsetzen, Ekel und ein grenzenloses Verlangen, auf der Erde zu bleiben, wenn sie mich auch nicht mehr kennen wollte, alles das durchlief im Sturme meine Seele. Ich stieß einen gellenden Schrei aus und strengte meine ganzen Kräfte an, um gegen die mich in den Weltenraum schleudernden Fluten anzukämpfen. Ich griff mit den Händen nach dem Wasser, schlug mit den Füßen die Luft ...
Vergebens! Ich fühlte plötzlich, daß die Erde statt unter meinen Füßen schon über meinem Haupte war und ich wieder auf den Mond zurückfalle ...
Ein furchtbarer Traum! Eine furchtbarere Wirklichkeit ...