Nicht gerne denke ich an das weitere Zusammenleben Toms mit den Schwestern. Er war nicht gut zu ihnen, obwohl sie ihn unveränderlich bis zum letzten Atemzug liebten. Er verlangte zu viel von ihnen und war zu despotisch. Sogar ich hatte den alten Einfluß auf ihn verloren. Zum Teil waren diese unerquicklichen Verhältnisse auch die Veranlassung, daß ich zum zweitenmal nach dem Polarlande wanderte und diesmal Ada mit mir nahm.

Nach meiner abermaligen Rückkehr beginnt schon, wie ich glaube, der Anfang dieses letzten Aktes meiner Mondtragödie, der bis auf den heutigen Tag dauert. Der furchtbare Tod Rosas, Adas Wahnsinn, später der Tod Toms und Lillis bedrücken mich unsagbar. Die Sehnsucht nach der Erde und die entsetzliche Einsamkeit martern und quälen mich mit jedem Tage mehr, obwohl die Zahl der Menschen hier auf dem Monde immer größer wird.

Tom hatte mit seinen beiden Frauen eine zahlreiche Nachkommenschaft, sechs Söhne und sieben Töchter, von denen die jüngste einige Mondtage nach der Geburt gestorben ist. Noch zu Lebzeiten der Eltern Jans hat sich der älteste Sohn Rosas, ungefähr fünfzehn Jahre zählend, mit der Tochter Lillis verheiratet; später haben sich alle in dem Maße des Zuwachses gepaart. Heute, nach dem Tode Toms, sind sechsundzwanzig Enkel vorhanden, darunter zwei Urenkel, die Kinder von Jans ältestem Sohn, der schon seit zwei Jahren verheiratet ist, also zusammen zweiundvierzig Menschen, die diesen Globus bevölkern. Ihre Niederlassungen errichten sie längs dem Meeresstrande nach Westen zu, und mit ihrem Aufblühen schreitet auch die „Zivilisation“ vorwärts. Häuser erheben sich, Schmieden und Hundezwinger.

Ich blieb in dem alten Haus an den warmen Teichen und werde hier wohl bis zum Tode bleiben, den ich so heiß herbeisehne! Und so bin ich schon eine Ausnahme auf dieser seltsamen Welt, wo die Menschen, von der Erde verpflanzt, so früh reif werden und so früh sterben ...

IV.

Ich glaube, ich wäre ruhiger, wenn ich den Menschen auf der Erde ein Zeichen geben könnte, daß ich hier lebe und an sie denke. Das ist so wenig, und es würde mich so namenlos glücklich machen!

Es ist doch furchtbar, wenn ich bedenke, daß mich viele Hunderttausende von Kilometern, eine interplanetarische Strecke, die noch niemals zurückgelegt wurde, von dieser Scholle aus Stein und Lehm, auf der ich geboren bin, trennen!

Wie viel zufriedener müssen diese Zwerge hier sein, deren Gedanken nur damit beschäftigt sind, ob die Fischerei auf dem Meere reichlich ausfällt, der Salat gut aufwächst und die verwilderten Hunde nicht die eiertragenden Eidechsen in den Umzäunungen zerreißen ...

*

Heute habe ich einige Stunden auf der Friedhofinsel zugebracht ... Früher, vor vielen Jahren, saß ich dort gerne und dachte über die Vergangenheit des heute erloschenen Mondglobus nach; jetzt zieht es mich wieder oftmals dorthin, aber wenn ich auf dem mit Gräbern bedeckten Hügel am grünen Meere sitze, denke ich nur an Martha, Peter, Tom und an mich selbst und wann ich wohl endlich, endlich neben ihnen ruhen werde. Gerade heute, als ich so dort bei ihnen saß und auf die stille Meeresoberfläche blickte, überfiel mich ein so grenzenloses Leid, ein so trostloses Weh, daß ich wie ein Kind zu weinen begann und die Hände ausstreckte zu den Gräbern und sie bat, sich zu öffnen und zu mir zu sprechen oder mich in ihre Gesellschaft aufzunehmen.