— Und dabei warst auch du unglücklich und so einsam, einsam das ganze Leben hindurch, einsam wie ich. Ich weiß nicht, weshalb du von dem dort leuchtenden Stern auf den Mond gekommen bist ... Du wolltest es so ... Ich weiß, daß du alles tust, was du willst, — du genügst dir und bedarfst meiner nicht, aber ich will dir dienen und bis zum Ende mit dir zusammen sein. Jage mich nicht fort! Du Großer, du Guter und Kluger!

Nach diesen Worten neigte sie sich abermals zu meinen Füßen und verharrte so, mit der Stirn auf meinen Knien.

— Und wenn du dann fortgehen willst, zurückkehren zu deiner am Himmel strahlenden Heimat, sagte sie nach einer Weile des Schweigens, so werde ich dich bis an die Grenze dieser großen, toten Wüste begleiten und von dir Abschied nehmen und dir noch lange, lange nachschauen, bis du meinen Augen entschwunden sein wirst und dann zu den Menschen am Meeresstrande zurückkehren und ihnen nur sagen: Er ist fortgegangen ... Dann werde ich sterben.

Während sie so mit einer Stimme zu mir sprach, flüsternd und träumerisch, wie ich sie noch nie bei ihr vernommen hatte, waren die Mondzwerge nahe herangeschlichen und lauschten ihren Worten mit angehaltenem Atem. Und plötzlich hörte ich Jan leise sagen:

— Der Alte Mensch geht fort von uns ... auf die Erde!

Und dann Weinen. Ein seltsames, durchdringendes, halblautes Weinen. Und sonderbar! Für gewöhnlich regte mich das Weinen dieser Antropomorphen auf und reizte mich, jetzt aber, ich weiß nicht, ob durch die unerwarteten Worte Adas hervorgerufen, die mich in tiefster Seele erschüttert hatten, oder in dem neu erwachten Gedanken an diese letzte Reise auf die Wüste hinaus — im Angesicht der leuchtenden Erde, — genug, es überkam mich eine große Trauer, ein herzzerreißendes Mitleid.

Ich wandte mich zu ihnen, und Jan, anscheinend durch meinen Blick ermutigt, kam einige Schritte näher und sagte, mir in die Augen schauend:

— Alter Mensch. Ist das unwiderruflich? Erwartet man dich dort? Hast du deine Ankunft schon angekündigt? Müssen wir allein bleiben? In diesem Augenblick war es mir, als wenn mich ein Blitz durchzuckte, ein Gedanke: Das Geschütz!

Ja, das Geschütz, am Grabe O’Tamors, dort in der Wüste!

Vor meinen Augen drehte sich alles; ich drückte beide Hände aufs Herz, das mir die Brust zu sprengen drohte. Ich starrte in das kleine Segment der Erdscheibe, das noch am Horizont sichtbar war, und in meinem Hirne jagte und drängte es sich im wilden Durcheinander: Reise, Wüste, Kanone, der Schuß, meine Erdenbrüder, dieses Tagebuch ... und dann ein grauer Nebel, in dem alles zusammenschmolz. Ich fühlte, das ist der Tod!