Du also, Herr, der Du die Stimme des elendesten Wurmes hörst, wie das Getöse der Welten, die durch den Weltenraum dahinsausen, der Du mich hier auf dem Monde siehst, wie Du mich einst auf der Erde gesehen hast, nimm meine Beichte an, durch die ich Dir bekenne, daß ich sündig war — und unglücklich!
Als ich ein Kind war, da schien mir die Erde zu eng, die Du für mich geschaffen hast, und ich flog auf Flügeln der Sehnsucht mit all meinen Gedanken zu diesen am Firmamente glänzenden Welten und entzog mich den Liebkosungen der Mutter, um von den Wundern zu träumen, die Du geschaffen hast — nicht für mich! Ich war sündig, Herr, — und unglücklich ...
Als ich heranwuchs und die Brocken des Wissens verschlang, die Du den Menschen zu erringen erlaubst, schrie meine Seele in mir: Zu wenig! Und ich träumte davon, das siebenfache Siegel zu erbrechen und die Schleier aufzuheben, die Deine Hand herabgelassen hat. Sündig war ich und unglücklich ...
Und kaum war ich ein Mann, erfaßte mich die Begierde, den Weltenraum zu durchfliegen, als wenn ich, auf der Erde stehend, nicht ebenfalls von den Unendlichkeiten des Weltalls umgeben wäre und nicht über Abgründen schwebte, und ich ergriff die Gelegenheit und verließ leichten Herzens die nährende Mutter, von dem silbernen, die Lunatiker lockenden Antlitz des Mondes verführt ... Sündig war ich, Herr, und ich bin unglücklich.
Ich blickte auf den Tod meiner Kameraden und Freunde und war so erbärmlich, um ein wenig Luft, die ich für die Erhaltung des Lebens benötigte, mit ihnen zu kämpfen, oder um die Frau, die keinem von uns gehörte, die wir verlangend die Hände nach ihr ausstreckten. Und als ich Zeuge ihres Elends war, an dem ich, wenn auch unbeabsichtigt, Schuld getragen, habe ich nichts getan, um sie davon zu befreien. Sündig war ich und unglücklich ...
Ich blieb allein auf dieser furchtbaren Welt, auf die mich mein eigener Wille verschlagen, und als mir das junge menschliche Geschlecht anvertraut ward, konnte ich in ihm den Geist nicht erwecken noch seine Augen zum Himmel lenken ... im Gegenteil, statt Liebe hatte ich nur Verachtung für die Unglücklichen und habe es geduldet, daß sie mich verehrten, während nur Dir allein die Ehre gebührt ... Ich war sündig, Herr, und unglücklich ...
Und jetzt, von Schmerz gebrochen, von der Sehnsucht erschöpft, verlasse ich diese Armen, deren Schicksal meinem Schutz und meiner Führung übergeben war und gehe der letzten, traurigen Wonne entgegen, dem Tod im Angesicht der Erde! Ich bin sündig, Herr, und unglücklich!
Mein Leben ist in zwei große Teile zerfallen: Der eine heißt Verlangen nach dem Unbekannten, der andere Sehnsucht nach dem Verlorenen; und beide waren traurig, ach, so unendlich traurig ...
Und was ich begehrte und erstrebte, konnte ich nicht erreichen, denn ich bin kaum einen elenden Schritt vorwärtsgekommen im Weltall, und ich kenne nicht einmal die Geheimnisse des Gestirns, auf dem ich mich befinde. Vergeblich habe ich alles geopfert, vergebens die Räume der Himmel durchflogen, eine Wüste durchwandert, die furchtbarer ist als irgendeine auf der Erde, vergebens fünfzig Jahre auf diesem Globus gelebt. Die Rätsel, die mich umgeben, sind heute so ungelöst wie vor einem halben Jahrhundert.
Wonach ich mich auch sehne, ich weiß, daß ich es niemals erreichen werde.