Ein anderer Weg als der, den wir damals zurücklegten, hat mich dieses Mal hergeführt. Da ich die gefahrvolle Kluft in dem Quertale, in der ich ein Steckenbleiben des Wagens befürchtete, umgehen wollte, umkreiste ich vom Mare Frigoris aus den Ring des Plato von Westen her und erreichte so die große Ebene, auf der ich bis zum Fuße des Eratosthenes gelangen werde.

Wozu soll ich die Schrecknisse der bisherigen Reise erzählen? Es wartet meiner wohl noch Schlimmeres.

Ich war auch an der Stelle, wo wir einst die Stadt der Toten gesehen haben. Aber ich fand nur eine glatte Wüste dort; weder Felsen noch jene ruinenartigen Steinmassen waren zu erblicken. Haben uns damals die Sinne getäuscht, oder irrte ich mich jetzt in den Berechnungen, so daß ich von fern an dieser verfluchten Stelle vorbeigekommen bin? Oder sollte vielleicht die Karawane der Leichen indessen die Steinzelte abgebrochen haben und weitergezogen sein durch die Wüste — auf die grenzenlose Ebene des Todes? ...

Die Furcht geht mit mir, die Furcht geht vor mir her, und ich mit meiner grauenhaften letzten Einsamkeit ...

Flammend erhebt sich die Sonne, die verschiedenfarbigen Sterne leuchten am schwarzen Samthimmel — grausig, fürchterlich ... Und warum soll ich die Stadt der Toten suchen — ich werde sie sicherlich finden, früh genug — ist das nicht das Reich des Todes rings um mich her?

Unter dem Eratosthenes.

Noch eine letzte kurze Anstrengung ... Der letzte Berg, der letzte Gipfel ... Ich werde ihn von Westen und Süden umkreisen und so auf den Sinus Aestuum gelangen — und von dort, vom Steingrabe des greisen O’Tamor ...

Wilde, zerrissene Gipfel vor mir — und die Erde fast im Zenit, in der Fülle wie eine entfaltete Blume, und die Sonne schon unter mir.

Die Lebensmittel werden noch ausreichen und die Luft, oh, wenn doch auch die Kräfte reichen wollten, sie verlassen mich mehr und mehr ... Ich habe schon lange nicht geschlafen, weder in der Nacht noch in der Zeit der Mittagsglut. Das letztemal als ich ein wenig eingeschlummert war, nach Sonnenuntergang, irgendwo auf der Strecke des Mare Imbrium, verfolgten mich im Schlaf verschiedene Stimmen und Erscheinungen. Zuerst glaubte ich, hinter mir das Rufen der armseligen Zwerge zu hören, die mich anflehten, zu ihnen zurückzukehren, um sie vor den Mondbewohnern zu schützen, die über das Äquatormeer gekommen wären und ihnen die Hütten verbrennen und Frauen und Kinder morden ... Kaum war dieser Alp von mir gewichen, erschienen mir die Gestalten meiner verstorbenen Kameraden. Sie begrüßten mich in ihrer Mitte und forderten mich auf, ein Schatten unter Schatten, mit ihnen für ewig die Wüste zu durchirren ... Und endlich träumte mir, daß man mich von der Erde riefe — und das war die einzige Stimme, der meine ganze Seele Antwort gab.

Ich bin erwacht und gehe dieser Stimme nach, oh, meine Brüder auf der Erde! Ich weiß, daß ich nicht mehr einschlafe, bis daß es mir vergönnt sein wird, im letzten Schlaf die müden Augen zu schließen.