Es war so viel Entschlossenheit in diesen ruhig gesprochenen Worten, daß wir seine Weisung sofort ausführen wollten und nicht wagten uns zu widersetzen oder auch nur zu fragen.

Woodbell hielt uns noch zurück.

— Seht, sagte er, auf die äußeren, dem Regenmeere zugewandten Abhänge des Eratosthenes zeigend, seht ihr diese Kante dort, die fünfzig Meter tiefer am Fuße der Wand liegt? Soweit man von hier berechnen kann, senkt sie sich ziemlich sanft bis zur Fläche; da werden wir hinunterfahren können ...

— Aber diese Wand ... flüsterte ich, unwillkürlich auf den senkrecht herabstürzenden Felsen blickend, der uns von dem ziemlich breiten Grat der Kante trennte.

— Unsinn, wir sind doch geübt im Erklettern der Felsen! Wir werden sie seitlich leicht umgehen können.

— Und der Wagen? ...

— Den Wagen werden wir zuerst herunterlassen, nachdem wir ihn an Seilen festgebunden haben. Vergeßt nicht, daß wir auf dem Monde sind, wo alles sechsmal leichter ist und das Herabfallen aus einer Höhe von fünfzig Metern nicht mehr bedeutet wie auf der Erde ein Fall von acht!

Tomas’ Rat wurde also befolgt.

Hundertneun Stunden nach Sonnenaufgang begannen wir den steilen Abhang des Eratosthenes hinabzufahren, um zum Mare Imbrium zu gelangen. Fast drei ganze Erdentage dauerte das Hinunterlassen in die Ebene, die dicht zu unsern Füßen lag. Den größten Teil des Weges legten wir zu Fuß zurück, von unbarmherzigen, immer senkrechter auf uns niederbrennenden Sonnenstrahlen gequält, vor Ermattung und Erschöpfung fast umsinkend. Den Wagen mußten wir aus einer Höhe von zirka fünfzig Metern herablassen; er blieb unbeschädigt. Aber die Hunde, die wir einschließen mußten, waren, trotz unserer größten Vorsicht, schrecklich zerschlagen und zerschunden. Einige Male hielten wir an, da wir die Hoffnung aufgaben, lebend in die Ebene hinabzukommen. Die Kante war kein so erträglicher Weg, wie uns dies von oben aus der Ferne geschienen. Durch Zerklüftungen und Vorsprünge zerrissen, zwang sie uns oft umzukehren oder Stellen zu umgehen, was um so schwieriger war, weil wir überall den Wagen hinter uns herschleppen oder an Seilen herablassen mußten. Oft packte uns die Verzweiflung. Dann zeigte Woodbell, obwohl durch das Fieber und die Wunden geschwächt, am meisten Geistesgegenwart und Willensstärke. Wenn wir leben und leben werden, so haben wir es ihm zu verdanken.

Ich weiß nicht, ob wir während dieser drei Tage mehr geschlafen haben als zwölf Stunden, jedesmal eine leidlich schattige Stelle heraussuchend, um uns vor den Sonnenstrahlen zu schützen. Manchmal nahm die mörderische Glut uns gänzlich das Bewußtsein.