Ich sehe auf die letzten Worte, die ich niederschrieb; sie haben sich bewahrheitet. Auf die Ebene Mare Frigoris fuhren wir allein. Tomas Woodbell ist heute bei Sonnenuntergang gestorben.
Eine fürchterliche Leere! Wir werden immer weniger; nur mehr drei sind geblieben ... Ich kann an nichts anderes denken als an diesen stillen, entsetzlichen Tod Woodbells.
Die Sonnenscheibe berührte bereits mit dem unteren Rande den Horizont, als wir endlich, nach einer Woche Weges, aus dem Felsengang fuhren. Vor uns erstreckte sich eine glatte, von den letzten Sonnenstrahlen vergoldete Flachebene. Ich sage vergoldete, weil die Sonne, was wir bei ihren früheren Untergängen nicht bemerkt haben, sich dem Horizont zuneigend, eine gelbliche Farbe annahm und das Rund des schwarzen Himmels um sich herum ein wenig erleuchtete. Das ist ein zweifelloses Zeichen, daß die Atmosphäre hier dichter ist. Wir stellten auch einen zweiten, sehr günstigen Umstand fest: Das Mare Frigoris ist ganz mit Sand bedeckt, was darauf schließen läßt, daß diese Ebene tatsächlich einstmals Meeresgrund gewesen ist.
Unsere Herzen waren voll Zuversicht, vor allem, weil Tomas sich scheinbar ein wenig besser fühlte. Wir wurden schon hoffnungsvoller; es schien uns, daß wir im Fluge diese Ebene durcheilen, und ehe die neue Sonne aufgeht, mit Tomas zusammen im Reiche des Lebens sein würden! Daß wir das Wehen des Windes fühlen, das Rauschen des Wassers hören, das Grün der Wiesen wiedersehen sollten ...
Allein wie anders wollte es das Schicksal!
Wir waren kaum einige Meter auf der Fläche gefahren, als Tomas uns bat, den Wagen anzuhalten. Die kleinste Bewegung quälte ihn unsagbar ...
Ich will ausruhen, sagte er mit schwacher Stimme, und auf die Sonne schauen, bevor sie untergeht.
Wir hielten also an und er blickte mit glanzlosen Augen zur Sonne, die ihre letzten goldenen Strahlen auf sein totenbleiches Gesicht herabfließen ließ. Er starrte eine Zeitlang unbeweglich in ihr Leuchten, dann wandte er sich zu Martha:
— Martha, wie ist das: „Sonne, du lichter Gott“ ... Wie geht das weiter?
Und Martha stellte sich, wie bei dem ersten vom Monde aus gesehenen Sonnenuntergang, in den vollen Glanz, streckte die Hände aus und die tränenvollen Augen zu dem schwindenden Lichte erhebend, begann sie halb sprechend, halb singend eine seltsame, in Rhythmen tönende Hymne: