Er lächelte seltsam und antwortete nichts.

An diesem Tage sprachen wir nicht mehr über diese Angelegenheit. Die lange Nacht verging in Schweigen und Langerweile. Tom war nicht ganz wohl und Martha sehr beunruhigt, immer nur mit ihm beschäftigt. Wir beobachteten ihre grenzenlose, mütterliche Zärtlichkeit, und wer weiß, ob nicht gerade damals, wenn auch unbewußt, der schändliche, widerwärtige Plan der Ausnützung ihrer Liebe für das Kind in uns aufkeimte, um sie unseren Wünschen geneigt zu machen. Jedenfalls bestärkte uns diese Nacht der Leere und Langweile darin, daß man absolut „etwas beschließen“ müsse.

Am Morgen des folgenden Tages begab ich mich mit Peter in die Wälder zu Füßen des Otamor. Während dieses Ausfluges wurde die Angelegenheit endgültig besprochen. Einer von uns sollte Martha zur Frau nehmen und der andere sich verpflichten, ihm niemals in den Weg zu treten.

Einer von uns! Ich wiederholte in Gedanken diese Worte mit einer sehnsuchtsvollen und schmerzlichen Unruhe. In Peters Munde klangen sie, als er sie aussprach, fast wie eine Drohung. Ich weiß nicht, vielleicht täuschte ich mich auch, aber mir schien es so ... Die Wahl zwischen uns beiden sollten wir Martha überlassen, und erst wenn sie keine Wahl treffen wollte, sollten wir Lose ziehen. Peter meinte zwar, daß eine sofortige Entscheidung durch das Los ratsamer sei, da Martha sich weigern würde, zu wählen, aber ich lehnte mich entschieden dagegen auf und erreichte so viel bei ihm, daß er wenigstens damit einverstanden war, Martha zuerst die Entscheidung anheimzustellen. Er gab, wie ich bemerkte, nur ungern nach und als er endlich „ja“ sagte, hatte er ein eigenartiges Lächeln auf den Lippen und seine Augen flammten seltsam tückisch.

Zu Hause angekommen, schoben wir die entscheidende Unterredung noch lange hinaus, denn wir waren uns gewiß darüber, daß Martha uns nur mit Widerstreben anhören würde. Peter ging nachdenkend und finster auf und ab und stellte sich, als wenn er mit etwas beschäftigt wäre; ich irrte am Meere herum, das Herz von einer unklaren, quälenden Angst erfüllt. An diesem Tage sollten sich unsere Schicksale entscheiden.

Und endlich kam der Mittag, schwül und heiß. Die Sonne, die seit hundertdreißig Stunden am Himmel leuchtete, sengte die Gegend mit einer unerträglichen Glut, die Pflanzen verdorrend, die auf den erfrischenden Regen warteten. Am Himmel, in südöstlicher Richtung, wo die Sonne schon über den Äquator gezogen war, türmten sich dichte schwarze Wolken auf. In geringen Zwischenräumen, während denen die Luft erkaltet und schwer über uns hing, erhob sich ein kurzer, heftiger Sturm. Er warf die Meeresfluten an den Strand, ließ die Wälder erbrausen, brach die perlenden Fontänen der Geiser und heulte zwischen den Felsen, die tägliche Gewitterzeit verkündend.

Wir siedelten aus dem Sommerhäuschen am Strande zu der Höhle in der Gegend der Geiser über, die uns für gewöhnlich als Schutz während des Gewitters diente. Wir saßen alle drei vor ihrem Eingang, der kleine Tom spazierte, sich an den Knien der Mutter haltend, auf eigenen Füßen um diesen Stützpunkt herum, als Peter mir einen bedeutsamen Blick zuwarf und sich dann mit dem Ausdruck eines plötzlichen Entschlusses zu Martha wandte.

Mein Herz schlug so heftig, daß ich es im Halse fühlte. Das herannahende Gewitter wirkte immer erregend auf uns. An diesem Tage gesellte sich noch die Aufregung der bevorstehenden Entscheidung hinzu. Vor allem befand sich Peter in einem anormalen Zustand: Seine weit aufgerissenen Augen flackerten unruhig, die Brust hob und senkte sich in ungleichmäßigen Atemzügen und auf seinen Wangen brannten dunkle Flecke. Ich blickte ihn in ängstlicher Erwartung an, er aber fragte sie, ohne jegliche Einleitung und Vorbereitung, ganz unvermittelt:

— Martha, welchen von uns beiden würdest du wählen?

Martha, durch diese plötzliche Frage überrascht, schien zuerst nicht zu verstehen, um was es sich handelte ... Sie sah erstaunt erst mich, dann Peter an, dann wiederum mich und zuckte verächtlich die Achseln.