Die Eingeborenen sollen auch, wie dies ja von den Bewohnern der heißen Zone bekannt ist, leidenschaftlich und genußsüchtig bis zur Ausschweifung sein. Unsere Fahrt führte uns dann zum Buddhatempel, den wir unter Führung eines Priesters besichtigen durften. Unsere ziemlich hochgespannten Erwartungen wurden indessen wenig befriedigt. Der Tempel bietet trotz seiner oft gerühmten Schönheit nichts Besonderes. Er soll der Hauptsitz des Buddhismus sein; wir hatten uns daher auf ein Bauwerk von hohem kulturhistorischen Interesse gefaßt gemacht, hatten gehofft, einen von Kunstschätzen nur so strotzenden Tempelbau zu Gesicht zu bekommen – und statt dessen, was sahen wir? Ein Bauwerk in neuem und nicht gerade schönem Stil. Die Wände im Innern waren mit grellbunten Farben angestrichen und mit allerhand komischwirkenden Figuren bemalt. Die Beleuchtung war schlecht; übelriechende und viel Rauch entwickelnde Kerzen hellten bloß schwach das Dunkel auf. In der Hauptpagode befindet sich das in Holz geschnitzte Bildnis des Buddha in liegender Stellung, in den Seitenräumen sind allerlei Götzenbilder aufgestellt. Die Gemälde an den Wänden stellen das Leben nach dem Tode vor, die Seelenwanderung, wie die Buddhisten sie nach ihrer Lehre annehmen. Da sahen wir auf der einen Seite die Hölle mit ihren teuflischen Gestalten, auf der andern das Paradies mit den guten, frommen Menschen, die hier nach dem Tode ein herrliches neues Leben führen dürfen. Hinter der Pagode, außerhalb des Gebäudes, befindet sich ein Grabmal – eine Dagoba – worin Buddhas Zähne oder sonstige Andenken an ihn begraben liegen sollen. Es ist recht stimmungsvoll angelegt. Von einem wundervollen Blumenflor ist es umgeben, und große Vasen, denen Weihrauch entströmt, stehen davor; besonders fiel mir ein Tisch ins Auge, auf dem sich kleine, weiße und äußerst wohlriechende Blüten in künstlerischer Anordnung befanden. Mein Führer bedeutete mir, daß dies Blüten eines dem Buddha geweihten Baumes seien, und glaubte seiner Hochachtung vor mir keinen besseren Ausdruck geben zu können, als daß er mir eine dieser Blüten als Geschenk überreichte. Mit Dank nahm ich dies Andenken an und habe es zusammen mit anderen dieser Art meinen Lieben zugesandt.
Rechts am Eingang zum Tempel stehen kleinere Gebäude, in welchen die Bonzen wohnen; in ihrer Tracht gleichen sie ihren Brüdern in Japan, nur tragen sie mit Vorliebe Gelb. Wo man sie sieht, halten sie einen Rosenkranz in der Hand, auch sonst scheinen sie es mit ihrer Aufgabe recht ernst zu nehmen; Beten und Fasten ist augenscheinlich ihre Hauptbeschäftigung. Einen wohlgenährten Bonzen habe ich nicht bemerkt, hingegen viele bleiche, hagere und hohläugige Gestalten.
Fruchtladen in Colombo.
Daß aber dieser Ort nicht durchaus ernsten und weltabgewandten Dingen geweiht ist, beweist das Vorhandensein einer ganz modernen Einrichtung: es liegt nämlich ein Fremdenbuch aus. Selbstverständlich verewigten auch wir uns darin und befolgten damit nur das, was vor uns viele Landsleute getan hatten. Ein flüchtiges Durchblättern zeigte mir manchen Namen aus meinem heimatlichen Freundeskreise. Das Fremdenbuch war denn auch für mich das Interessanteste, alles übrige blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Ich hatte mir den Ort, der für die Lehre des Buddha soviel bedeutet, denn doch etwas imposanter ausgemalt. In den Ländern, die Buddhas Lehre weiter entwickelt und vervollkommnet haben, wie beispielsweise bei uns in Japan, sind zweifelsohne großartigere Anlagen dieser Art, als hier in Colombo. Allerdings muß ich hinzufügen, daß das eigentliche buddistische Heiligtum Ceylons sich in Candy, der alten Hauptstadt, befindet. Die Möglichkeit, dorthin zu gelangen, war uns gegeben worden; unter den Reisenden hatte man nämlich eine Umfrage gehalten, wer Candy besichtigen wolle. Da die Beteiligung groß war, so ließ die Eisenbahnverwaltung einen Sonderzug abgehen; wir Japaner hatten aber unsere Zeit bereits eingeteilt und standen deshalb zu gunsten anderer Besichtigungen davon ab. Nachher hat uns aber diese Nichtbeteiligung gereut. Denn das Heiligtum in Candy soll wirklich von großer Bedeutung sein. Einer meiner Reisegefährten entwarf eine begeisterte Schilderung davon. Auch befände sich dort die Ruine eines alten, zerfallenen Buddhatempels und Palastes. Die Fahrt zu diesen Heiligtümern soll unbeschreiblich schön sein, Mutter Natur soll hier ihr Meisterwerk getan haben. Mein Berichterstatter, der sonst ziemlich nüchtern war, war in Erinnerung an diese landschaftlichen Schönheiten wie umgewandelt und Ausrufe wie »Wunderbar!« »Hochromantisch!« unterbrachen in einem fort seine lebhafte Erzählung.
Singhalese mit Bananen.