Als nun unser Schiff endlich in den Hafen einlief, wiederholte sich das nämliche Schauspiel wie bisher: von allen Seiten stießen unaufhörlich kleinere Küstenschiffe auf uns zu, die eine schreiende Schar von Händlern an Bord brachten. Jeder wollte den andern im Geschäftemachen überbieten, und man braucht nicht erst auszumalen, welch' Konzert daraus entstand. Auch an uns Japaner machten sich die Leute heran; wir ließen uns aber nicht viel auf ihre Unterhandlungen ein. »Wir hätten keine Zeit« sagten wir, »wir haben heute noch viel vor und wollen an Land!« »An Land?« rief es da aus der Menge – und siehe, ein Inder trat hervor und bot sich uns als Führer an. Er radebrechte besser englisch als die andern und betonte, daß er für uns wie geschaffen sei, da er selber längere Zeit in Japan gewesen und schon des öfteren die Ehre gehabt hätte, japanische Herren führen zu dürfen. »So?« fragten wir. »Gewiß!« erwiderte er, »bitte, meine Herren, sehen Sie sich meine Papiere an,« und damit überreichte er uns einen Stoß von losen Blättern. Neugierig blickten wir hinein, fanden auch manch von japanischer Hand geschriebenes Wort der Anerkennung darin, doch fehlten auch Warnungen vor ihm nicht. Da uns aber der Mann keinen unüblen Eindruck machte, so verpflichteten wir ihn nach einer Weile Feilschens für den ganzen Tag und zwar für einen ziemlich hohen Preis.

In der Altstadt von Colombo.

Wir fuhren also mit unserem Führer dem Lande zu, das wir in ungefähr zehn Minuten erreichten. Sofort mieteten wir uns zwei elegante Wagen und begaben uns zuerst in die innerhalb der Festungswerke gelegene »Europäische Stadt«, die, wie der Name sagt, von Europäern und zwar besonders von holländischen Abkömmlingen bewohnt wird. Die Häuser sind in europäischem Stil erbaut, jedoch mit den Abänderungen, die das Klima bedingt. Hier befinden sich die Regierungsgebäude, eine protestantische und eine katholische Kirche, ein Militärhospital u. s. w. Dieser europäische neue Stadtteil sowie die Festungswerke sollen von den Holländern errichtet worden sein, welche sich seit der Mitte des 17. Jahrhunderts hier niederließen, nachdem sie die Portugiesen vertrieben hatten. Nach ca. anderthalbhundert Jahren mußten aber die Holländer den Engländern weichen. Jetzt wird die Insel Ceylon von einem englischen Gouverneur verwaltet.

»Japan!« »Japan«!

Wir fuhren aus den Festungswerken heraus und kamen damit in die Altstadt, wo sich die portugiesischen und holländischen Mischlinge – die sogenannten Eurasier – Singhalesen, Tamilen, Mohren, Malayen, Neger u. a., niedergelassen haben. Die Straße, die wir hinabfuhren, war zu beiden Seiten mit den hier wild wachsenden Brot-, Mango- und Zimmetbäumen besetzt, auch an zu imposanter Höhe aufsteigenden Palmen fehlte es nicht. Ebenso verschieden wie die Flora war aber auch das, was der Mensch hier hingebaut hatte: die Häuser. Da gab es eine ganze Reihe von Gebäuden, auf die der Name >Haus< wohl kaum paßte, Hütten waren's und zwar oft der ärmlichsten Art. Daneben erhoben sich aber ansehnliche, ja bisweilen prächtige Gebäude in europäischer Stilart. Die Besitzer können sich den Luxus recht gut leisten. In der Mehrzahl sind es reiche Engländer, die sich vom Geschäft zurückgezogen haben und nun ganz ihrer Ruhe und Bequemlichkeit leben. Und sie haben entschieden einen guten Geschmack. Ringsum nichts als Wiese, wogende Felder und Wald. Weiter und weiter fuhren wir ins Land hinein, überall neue Pracht und neue Wunder. Wie betäubt von all dem Herrlichen waren wir und wir glaubten, daß dieses köstliche Fleckchen Erde frei von menschlicher Armut, von menschlichem Elend sein müßte. Doch dem war nicht so. Die Eingeborenen, die in dem schlechten Ruf stehen, Müßiggänger zu sein, schienen uns davon einen Beweis geben zu wollen. Allenthalben kamen halbnackte Kinder uns in den Weg gelaufen, hielten die Hand auf und schrieen ununterbrochen: »Japan! Japan!« Einige von ihnen hielten auch Blumen feil, aber selbst diesen kleinen Schelmen gegenüber war Vorsicht nötig. Kaum hatten sie nämlich das Geld in Empfang genommen, als sie sich auch aus dem Staube machten und zwar ohne uns die Blumen zurückzulassen.